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La Convergence 2009
am Eiffelturm in Paris

Fête du vélo Paris - Besuch beim Sonnenkönig

Paris, 7. Juni 2009 [zuletzt aktualisiert 8.06.09, 14:40]

Die Berliner Fahrradsternfahrt ist zum Exportschlager geworden. Nach der Freewheel in London und der BicyCity in Brüssel fand an diesem Sonntag erstmals die La Convergence in Paris statt - Berlins Fahrradbeauftragter Benno Koch war dabei.

Versailles liegt keine 20 Kilometer Luftlinie von meinem Hotel am Montmartre entfernt. Die Sonne verspricht schon am frühen Morgen bestes Sternfahrt-Wetter in Paris. Der kürzeste Weg führt am Arc de Triomphe vorbei in den Bois de Boulogne - dem größten Stadtpark der Welt. Hunderte Jogger und Radrennfahrer scheinen sich hier verabredet zu haben. Eine schmale Fußgängerbrücke führt später über die Seine hinweg in die Vororte von Paris.

Der Großraum Paris ist nicht immer flach - während die Seine gut 30 Meter über dem Meeresspiegel liegt, wird mein Weg immer steiler. Am höchsten Punkt erreiche ich 180 Meter über Null - ich hätte den Berg umfahren und einige Höhenmeter sparen können.

Von Versailles hundert Meter hinab zur Seine

Am Rathaus Versailles warten schon vielleicht 200 Fahrradfahrer. Eher keine Rennradfahrer, aber viele Kinder sind dabei. Eine Route der Sternfahrt La Convergence wird gleich wieder den Berg hinunter zum Louvre führen.

Als Ludwig XIV - der Sonnenkönig - 1661 sein Schloss in Versailles erbauen ließ, hatte Freiherr von Drais das Laufrad noch nicht erfunden. Trotzdem steht seine Herrlichkeit Louis le Grand bestens gelaunt gegenüber vom Bahnhof, um die Touristen zu begrüßen. Und er lässt es sich nicht nehmen, im Namen der Tour de France für ein Foto mit mir zu posieren.

Der Verkehr in Paris erscheint chaotisch, aber man achtet aufeinander

Mit halbstündiger Verspätung rollen wir ganz gelassen los - es geht bergab. Noch ist keine Polizei zu sehen - ein Dutzend Ordner in blauen Warnwesten sichern die Kreuzungen. Mal sind auch Radspuren auf den Fahrbahnen markiert, mal geht es ohne jede Fahrbahnmarkierung in den Kreisverkehr. Der Verkehr in Paris scheint für deutsche Augen chaotisch, aber man achtet aufeinander.

Kurz hinter der Seinebrücke beginnen die ersten Auto- und Motorradfahrer nervös zu werden. An einem kleinen Platz warten nun die nächsten Radfahrer und die ersten Polizisten auf uns - jetzt werden wir ganz offiziell durch den Großstadtdschungel gelotst.

Mit "Fête du vélo!"-Rufen geht's am Eiffelturm vorbei

Was für Berlin das Brandenburger Tor ist, ist für Paris der Eiffelturm - mit "Fête du vélo!"-Rufen wird erstmals das Pariser Temperament laut. Man wird selbstbewusster in einer Stadt, die genaugenommen eine der autofreundlichsten Metropolen der Welt ist. Erst die Leihfahrräder Vélib' und jetzt die Fête du vélo haben den Anfang gemacht, den Parisern eine Vorstellung vom Leben mit etwas weniger Stau zu geben. Der Radverkehrsanteil hat sich seitdem in Paris von 0,5 auf jetzt 2,5 Prozent verfünffacht - in Berlin sind es 12 Prozent ...

Am Place de la Concorde wird normalerweise zehnspurig abgebogen

Am Place de la Concorde wird normalerweise zehnspurig auf die Champs-Elysees eingebogen. Jetzt bahnt sich hier eine riesige Gruppe Fahrradfahrer wohl fast hundertfach nebeneinander den Weg zur Seine - wir haben eine der vielen anderen Sternfahrt-Route mit lautem Gejohle erreicht. Dann geht es - trotz der Fahrradsternfahrt - mehrspurig gemeinsam mit den Autofahrern zum Louvre. Hier treffen nun alle Routen zusammen - und anders als bei der Berliner Sternfahrt - geht es nach einer Pause gemeinsam über viele große Hauptstraßen von Paris.

20.000 Radfahrer erreichen die Fête du vélo an der l'Esplanade des Invalides

Bei der Fahrt vorbei an der Oper und der Champs-Elysees gehört den Radfahrern nun endgültig die Stadt - naja, zumindest für wenige Minuten an diesem Tag. An der l'Esplanade des Invalides erreichen wohl mehr als 20.000 Radfahrer den Abschluss der Fête du vélo. Hier sind Stände von Fahrradherstellern, der Polizei und der Stadtverwaltung Paris zu finden.

Entspannt auf den riesigen Rasenflächen liegen und den Klängen einer Blechkapelle lauschen

Und vor allem ist hier viel Platz und Grün. Anders als in Berlin auf der Straße des 17. Juni können sich die Sternfahrer hier einfach auf den riesigen Rasenflächen in der Sonne niederlassen und den Klängen einer Blechkapelle lauschen. Genau dieses entspannte Lebensgefühl war auch schon im vergangenen September bei der Freewheel in London zwischen Tower Bridge und Buckingham Palace zu erleben. Viele europäische Metropolen hatten sich die Sternfahrt des ADFC in Berlin vor ein paar Jahren angesehen und mit sympathischen Ideen jetzt weiterentwickelt.

Fête du vélo ist eine der schönsten Stadtrundfahrten durch Paris

So ist die Fête du vélo zu einer der schönsten Stadtrundfahrten in Paris geworden. Noch ist Paris nach unserem Berliner Verständnis nicht fahrradfreundlich - trotz der Euphorie um Vélib'. Aber an einem Tag im Jahr konnten die Pariser erleben wie es wäre, wenn mehr Fahrrad gefahren würde. Heute hatte Europa die Wahl - und viele Europäer haben in Berlin zur ADFC-Sternfahrt und in Paris zur La Convergence für das Fahrrad gestimmt. Eigentlich ein schönes Beispiel, wie Europa wirklich zusammenwächst - und gute Beispiele grenzenlos sind!

 

Hintergrund Fête du vélo Paris 2009

- auf der offiziellen Website für ganz Frankreich unter www.feteduvelo.fr nachlesen

- auf der offiziellen Website für Paris unter www.paris.fr nachlesen

- der Höhepunkt der Fête du vélo ist mit der La Convergence bei deren Organisatoren Mieux se Déplacer à Bicyclette unter www.mdb-idf.org nachzulesen 

 

Wird in Kürze fortgesetzt ...