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Berliner Mauerweg
Mauerrest GroƟ Glienicke

Berliner Mauerweg: Sommer-Radtourentipp auf Radio Eins

Berlin, 3. August 2009 [zuletzt aktualisiert 7.08.09, 16:16]

Immer montags um 17.30 Uhr gibt's auf Radio Eins die spannendsten Sommer-Radtouren mit Benno Koch zum Hören - und samstags nachmittags zum Nachradeln. Heute wird der Berliner Mauerweg vorgestellt - mit einem neuen Abschnitt zum neuen Airport BBI Berlin-Schönefeld.

In der vergangenen Woche ging es zum Havel-Radweg in die nordwestlichste Ecke Brandenburgs - neun Radio Eins Hörerinnen und Hörer trauten sich am Samstag trotz S-Bahn-Chaos zum Berliner Hauptbahnhof.

Und es wurde eine ganz überraschende Tour mit Schützenfest in Quitzöbel, Doppeldeckern über dem und der Scharade des Lichts im Kreuzgang des Havelberger Doms - Fotos und Tipps für den Havel-Radweg sind unter fotos.benno-koch.de anzusehen und unter www.benno-koch.de nachzulesen.

Tipp: 35 Kilometer auf dem Berliner Mauerweg vom Hauptbahnhof zum BBI

Diesmal geht der Radio Eins Sommer-Radtourentipp auf dem Berliner Mauerweg entlang - unter anderem auf einem in diesem Frühjahr neu eröffneten Abschnitt durch den neuen Landschaftspark Rudow-Altglienicke.

Dieser Radtourentipp ist insgesamt rund 35 Kilometer lang - und führt vom Berliner Hauptbahnhof wunderbar grün und entspannt zum neu entstehenden Airport Berlin-Brandenburg International (BBI).

Wer die Tour individuell abradeln möchte, findet gerade in der Innenstadt die grau-braunen kleinen Schilder "Berliner Mauerweg" manchmal nur schwer - eine spezielle Fahrradwegweisung mit Orts- und Kilometerangaben gibt es nicht. Ausnahme: Wenn andere Radrouten Teilabschnitte des Mauerweges nutzen.

Am kommenden Samstag (8. August 2009) kann dieser Sommer-Radtourentipp auch als geführte Tour mit Benno Koch nachgeradelt werden - in einer abschnittsweise etwas individuelleren Variante. Treffpunkt hierfür ist wieder um 14 Uhr am Berliner Hauptbahnhof (Spreeseite) und es geht mit Open End in den Sonnenuntergang. Die Tour ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich - weitere Infos dazu am Ende dieses Artikels und aktualisiert am Freitag auf dieser Seite.

Ist Geschichte wirklich vermittelbar? 20 Jahre nach dem Mauerfall im Selbstversuch ...

Wir sitzen am Oststrand gleich hinter der East-Side-Gallery auf einem alten Lastkahn und schlürfen eiskalte Cocktails. Neben uns zwei junge Schweizerinnen, die gerade den Radweg Berlin-Kopenhagen abgeradelt sind: "Vor allem die vielen Seen haben uns gefallen! Aber wie war das denn mit der Mauer durch Berlin?", wollen sie wissen.

Während für diejenigen die damals zwanzig waren, der Mauerfall irgendwie wie gestern und so ähnlich wie das Ende des zweiten Weltkrieges ist, verbinden heute 20jährige nichts Weltbewegendes damit.

Für Nachgeborene klingt es wie ein Witz, sich 28 Jahre einmauern zu lassen: "Warum hat denn der Westen nichts dagegen gemacht und warum sind die Ostler nicht einfach rübergeklettert?" Naja, da waren Selbstschussanlagen, Stasi-Spitzel, Grenztruppen, Stacheldraht ... bis das Volk östlich der Elbe seine Stimme wiedergefunden, den aufrechten Gang erlernt und am 9. November 1989 mit der ersten friedlichen Revolution auf deutschem Boden die Mauer eingerissen hat.

Mauerfall 1990 - Berlins schönster Radweg zunächst für kurze Zeit

Am 13. August 1961 begannen DDR-Kampftruppen damit, eine 160 Kilometer lange Mauer um West Berlin zu bauen. Damals sollten vornehmlich die eigenen DDR-Bürger von der Flucht in den Westen abgehalten werden. Nach dem Mauerfall 1989 wurden große Teile des einstigen Postenweges noch von den DDR-Grenztruppen entsiegelt und der märkischen Streusandwüste zurückgegeben - das Rad fahren wurde, kaum begonnen, gleich wieder schwieriger.

Vielleicht gehörte ich zu den ersten, die Anfang 1990 den Todesstreifen zwischen den beiden Mauern abradelten - natürlich so oft es ging, jedes Wochenende. Damals gab es die ersten Löcher im Zaun auch dort, wo es noch keine offiziellen Grenzübergänge gab - und als auf den Wachtürmen noch DDR-Grenztruppen standen. Wir waren begeistert vom damals längsten und bestens asphaltierten "Radweg" Berlins.

Kein Verständnis für den Erhalt des Berliner Mauerweges hatte der damalige rot-grüne Senat von Walter Momper, dessen Verkehrssenator Horst Wagner 1990 auf eine Anfrage hin fand: "Das Projekt eines Fahrradweges rund um Berlin (West) ließe sich nicht mit den alten Strukturen und Formen der Stadt vereinbaren" und auch sei "die gegenwärtige Beliebtheit des Fahrradfahrens nur auf die allgemeine Neugier" zurückzuführen.

Jeder Amerikaner fährt heute einmal im Leben Rad - auf dem Berliner Mauerweg

Die Berliner hatten dann irgendwie eine scheinbar ungestillte Neugier bis heute - keine Radtour in der Stadt läuft besser als eine Mauertour. Und scheinbar jeder Amerikaner fährt heute mindestens einmal im Leben Rad - in Berlin und zwar auf dem Berliner Mauerweg.

Der von manchen inoffziell auch logischerweise Mauerradweg genannte 160 Kilometer lange Geschichtsstreifen wurde bis 2007 vom nunmehr rot-roten Senat auf vielen Abschnitten wieder hergestellt und im Frühjahr vor zwei Jahren offiziell eröffnet.

Handlungsbedarf - viele Kilometer werden zur Teststrecke für Mensch und Material

Doch nicht alle Abschnitte sind wirklich fahrradfreundlich. Riesige Asphaltwülste an den Stößen der darunterliegenden Betonplatten machen viele Kilometer zur Teststrecke für Mensch und Material. Das hat auch nichts mehr mit historisch zu tun - vor zwanzig Jahren war der Postenweg nahezu ruckelfrei befahrbar.

Gerade in der Nordrunde auf den Gleisen der einstigen Heidekrautbahn zwischen Schönholz und Wittenau, zwischen Frohnau und Stolpe Süd sowie zwischen der Bürgerablage an der Havel und Schönwalde sind dem Fahrspaß enge Grenzen gesetzt - genaugenommen auch der Verkehrssicherheit.

Berlins schönster Radweg jetzt am Teltowkanal und durch einen neuen Landschaftspark nach Schönefeld fertiggestellt

Richtig vorbildlich ist dagegen der Abschnitt zwischen dem Treptower Park und dem neuen Airport Berlin-Brandenburg International geworden. In diesem Frühjahr wurde ein knapp drei Kilometer langer, vier Meter breiter asphaltierter Abschnitt durch den neuen Landschaftspark Rudow-Altglienicke offiziell eröffnet. Damit kann man zum Beispiel vom S-Bahnhof Treptower Park anfangs auf der Radspur der Kiefholzstraße, später autofrei und wunderbar grün am Teltowkanal nach Schönefeld radeln - und dort in den Flieger oder alternativ auf den futuristischen BBI-Tower steigen.

Den Abschnitt Berlin-Hauptbahnhof - BBI Schönefeld individuell abradeln

Wer diesen Abschnitt verlängern möchte, startet zum Beispiel am Berliner Hauptbahnhof - der im einstigen Mauerstreifen liegt. Am nördlichen Ufer der Spree geht es autofrei zur Wilhelmstraße und weiter auf einer Radspur zum Brandenburger Tor. Von dort geht es weiter zum Potsdamer Platz, über den Checkpoint Charlie und am Springer-Hochhaus vorbei zum wunderschön neugestalteten Bethaniendamm - immer schön im Zickzackkurz. So wie sich die Mauer einst mitten durch die Häuser, Straßen und Familien Berlins zog.

An der East-Side-Gallery sind inzwischen die ersten Bilder restauriert - zwanzig Jahre nach dem Mauerfall vielleicht auch völlig neu interpretiert. Dahinter locken Strandbars wie der Oststrand. Über die Oberbaumbrücke und die Spree hinweg wird das Schlesische Tor und kurz darauf einer der letzten Wachtürme im Schlesischen Busch erreicht.

Weiter im Zickzack geht es zur Kiefholzstraße, wo hinter einer Kleingartenkolonie rechts ein Mauerdenkmal und die Einfahrt zum Heidekampgraben sichtbar wird. Von der legendären Sonnenallee und dem dortigen Grenzübergang ist wenig später kaum mehr etwas zu erahnen - die Kulisse zum gleichnamigen Film steht übrigens noch immer im Filmpark Babelsberg.

Am Britzer Verbindungskanal ist das Denkmal für den letzten tödlich verletzten Mauerflüchtling zu finden - der 20jährige Chris Gueffroy wurde hier noch 1989 von DDR-Grenzsoldaten erschossen, als er mit einem Freund in den Westen schwimmen wollte. Damals ungefähr so alt wie ich. Wie selbstverständlich doch heute unsere Freiheit ist und wie schwer vermittelbar ...

Entlang der neuen Teltowkanal-Autobahn verläuft der Weg dann als perfekte asphaltierte und zugleich grüne Fahrradpiste zwischen einer Lärchenholz-Schallschutzmauer und dem Teltowkanal immer geradeaus. Nur einmal zweigt die Autobahnbrücke über den Kanal ab - hier müssen Radfahrer unter der Brücke eine Fußgängerampel nach links nutzen, um mit einer kleinen Schleife die Brücke zu erklimmen und ebenfalls dem Mauerweg zu folgen. Ein deutlich sichtbares Schild gibt's hier übrigens nicht ...

Der spannendste Ort in Schönefeld ist die Baustelle des Airport BBI. In einer alten Kaufhalle gegenüber vom Bahnhof gibt's zunächst die Theorie und von dort auch den Busshuttle zum zehn Kilometer entfernten futuristischen BBI-Tower inmitten der Baustelle.

 

Hintergrund Berliner Mauerweg

- Radio Eins Hörer können diesen Radtourentipp als am kommenden Samstag, 8. August 2009, kostenlos mit Benno Koch nachradeln: Treffpunkt Berlin-Hauptbahnhof (Ausgang Spreeseite - Washingtonplatz) um 14.00 Uhr; zurück geht's mit der S-Bahn / Regionalbahn vom Flughafen Berlin-Schönefeld und es ist wie immer Open End mit einem Restaurant-Besuch geplant ...; Anmeldung per SMS an 0157 737 46 049 sinnvoll, aber nicht Bedingung - aktualisierte Infos zur geführten Radtour an diesem Samstag sind unter www.benno-koch.de zu finden

- am Ende der heutigen Sendung werden aktuelle Landkarten vom Pietruska-Verlag (unter anderem "Berliner Umland" - natürlich mit dem Berliner Mauerweg und allen Radfernwegen Berlin-Brandenburgs) an die schnellsten Anrufer verlost

- den vorgestellten Abschnitt des Berliner Mauerweges auf einer geführten Radtour für Mitarbeiter von Toll Collect in der Bildergalerie www.benno-koch.de ansehen

- diesen und andere Abschnitte des Berliner Mauerwegs in der Bildergalerie www.benno-koch.de ansehen

- ältere Artikel zum neu gebauten Abschnitt durch den Rudower-Altglienicker Landschaftspark und zum Mauerweg unter www.benno-koch.de ansehen

- den GPS-Track gibt's auf Nachfrage an kontakt@benno-koch.de

- die offizielle Seite zum Berliner Mauerweg unter www.berlin.de anschauen