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Der Rad-Buttler
und das Steirerbike
bei Bad Radkersburg

Pedelecs im Test und ein Selbstversuch in der Steiermark

Bad Radkersburg, 12. Mai 2010

Mit einem fünfseitigen Sonderthema startet die Berliner Zeitung in ihrer Blickpunkt-Beilage heute in ihre Fahrradsaison. Benno Koch beschäftigt sich darin unter anderem mit den Umsätzen der Fahrradindustrie, den Arbeitsplätzen im Fahrradtourismus und dem Hype des Jahres - den Pedelecs.

Es ist ein wunderbarer Frühlingsmorgen in der Steiermark. Ich bin auf einem nagelneuen Steirerbike im Vierländereck auf dem Murradweg unterwegs. Bad Radkersburg liegt auf österreichischer Seite im Tal der Mur, während auf slowenischer Seite die einstige Schutzburg Oberradkersburg steil aufragt. Wer hier mit dem Rad hoch will, muss gut trainiert sein – oder auf ein Pedelec umsteigen.

Im Gegensatz zum flachen Berlin ist in Österreich der eine oder andere Höhenmeter zu bewältigen. So verwundert es nicht, dass Hybrid-Fahrräder in diesen Tagen dort besonders häufig auffallen. Das österreichische Lebensministerium unterstützt den Kauf der so genannten Pedelecs mit bis zu 400 Euro – 12.000 Räder mit Elektrounterstützung wurden so im letzten Jahr verkauft, in den ersten drei Monaten 2010 waren es bereits 5.000 Stück.

Anfang April 2010 haben es die Steirerbikes sogar bis nach Brüssel geschafft. Gemeinsam mit dem deutschen EU-Energiekommissar Günther Oettinger initiierte das Land Steiermark ein kleines Radrennen auf den steirischen Pedelecs: Man wolle auf deren Vorteile auch in einem städtischen Umfeld wie der EU-Hauptstadt aufmerksam machen.

Doch nicht nur in Österreich setzt die Fahrradbranche ihre Hoffnungen auf Elektromobilität. Der Fahrradhersteller Diamant aus dem sächsischen Chemnitz feiert in diesem Jahr bereits sein 125-jähriges Firmenjubiläum. Erstmals will das Unternehmen in diesem Jahr mit 30.000 Pedelecs ganze 20 Prozent seiner Fahrradproduktion dem neuen Fortbewegungsmittel widmen – doppelt so viel wie im Vorjahr.

Doch wer sind eigentlich die Käufer? Das schweizerische Basel hat dies in einer Langzeitstudie zwischen 2003 und 2008 untersucht. Danach beträgt das Durchschnittsalter der Käufer 49 Jahre, knapp die Hälfte sind Frauen, genau 54,2 Prozent können auf einen Abschluss an einer höheren Fachschule oder einer Universität verweisen und verfügen über ein überdurchschnittliches Bruttoeinkommen. Fast alle Käufer besitzen einen Kfz-Führerschein und knapp die Hälfte ein Aboticket für den Öffentlichen Nahverkehr.

Inzwischen habe ich meine morgendliche Radtour hinauf zur Oberradkersburg und wieder hinunter an die Mur absolviert. Bezogen auf das Idealgewicht für mich und das Pedelec wiege ich mit 88 Kilogramm mindestens zehn Kilo zu viel. So ist der Akku des Steirerbikes nach nur 15 Kilometern und einem Berg im roten Bereich – ohne Zusatzenergie ist erstmal Schluss mit lustig.

Nicht wenige Hersteller von Elektrofahrrädern werben mit sagenhaften Reichweiten von bis zu 70, 90 oder gar 150 Kilometern. Je nach Umständen. Doch was sind diese Umstände? Der Verein ExtraEnergy aus dem thüringischen Tanna beschäftigt sich seit 1992 mit Pedelecs. Damals gab es den ersten Test von ganzen drei Serienfahrzeugen und drei Prototypen – im aktuellen Test 2009/2010 waren 42 Elektrofahrräder dabei.

ExtraEnergy setzt auf mehrere Prüftechniken – auf den klassischen Prüfstand und auf Realbedingungen. Bei letzteren werden die Fahrräder mit Sensoren für die Trittfrequenz, die Trittkraft, die Geschwindigkeit und den Energieverbrauch der Batterie ausgestattet. Dann fahren die Tester auf einem 14,5 Kilometer langen Parcours, der eine typische Mischung aus Stadt-, Berg- und Tourstrecken realistisch abbilden soll. Zusammen mit dem GPS-Track und dem Höhenprofil der Strecke werden die Werte in einer Datenbox gespeichert.

Getestet wurde in vier Übergruppen: Urban, Komfort, Freizeit und Transport. Der mit "sehr gut" bewertete Testsieger in der Kategorie "Urban Easy Pedelec" Kalkhoff Pro Connect 8G Alfine hat eine Reichweite von 22,0 Kilometern am Berg, während in der Stadt 30,3 und auf einer Tour 44,4 Kilometer gemessen wurden. Das Kalkhoff wiegt mit Batterie 23,7 Kilogramm und kostet 2.399 Euro, ein Ersatz-Li-Ionen-Akku ist für 499 Euro zu haben.

Mit nur 599 Euro ist das Tchibo Electro-City-Rad Powerbike in der Kategorie "Freizeit Wellness Pedelec" aufgeführt. Doch leider reicht es wegen der einfachen Ausstattung nicht für ein Testsiegel, heißt es durchaus wohlwollend bei ExtraEnergy. "Würden wir einen Testsieger unter den günstigsten Pedelecs im Test ehren, wäre dies mit Sicherheit das Powerbike." Schlimmer traf es das ISD Speedy Aluminium (1.654 Euro): "Testfahrten waren nicht möglich, da beide Testfahrzeuge am ersten Tag kaputt gingen."

Doch die Auswahl von 16 mit "gut" und 14 mit "sehr gut" getesteten Pedelecs ist groß. Acht Testsieger zeichnete ExtraEnergy auf der weltgrößten Fahrradmesse "Taipei Cycle Show" in Taiwan  im März aus. Der Dolphin Express von Stromrad ist Sieger der "Urban Business Pedelecs". Das 3.489 Euro teure Pedelec hat eine Reichweite von 37,5 Kilometern am Berg, 47,6 in der Stadt und 58,8 Kilometer auf der Tour. Es lohnt sich also nach den Testsiegeln zu fragen.


Hintergrund

- alle Pedelec Testergebnisse in der April-Ausgabe 2010 des ExtraEnergy-Magazin nachlesen

- oder gleich ein Pedelec-Steirerbike auf dem Murradweg testen und zuvor alles Wissenswerte zum Rad fahren in der Steiermark unter www.steiermark.com nachlesen

- mehr zum Sonderthema Auf in die Fahrradsaison in der Berliner Zeitung nachlesen