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Lowtech: Fahrräder sind
wartungsintensiv,
wenn man
wirklich Spaß haben will

Schöner Leben - Frühjahrs-Check fürs Fahrrad

Berlin, 26. Mai 2010

Der Regen der vergangenen Tage lässt die Kette quitschen, das Treten fällt schwer. Wie man einfach aufsteigt und leichtgängig losradelt, verrät Fahrradexperte Benno Koch heute auf Radio Eins - ab 12 Uhr wie immer in der Rubrik Schöner Leben.

Noch immer stehen hunderte Fahrradleichen vor allem an den Bahnhöfen Berlin und Brandenburgs. Die Reste des Winters sind festgerostet - wie die Kette eines von Dutzenden scheinbar aufgegebenen Fahrrädern, gestern am Berliner Hauptbahnhof.

Doch auch Keller gepflegte Fahrräder leiden. Schon nach einem Regentag auf dem Weg zur Arbeit quitscht die Kette und nach spätestens vier Wochen hat sich der Luftdruck in den Reifen halbiert.

Während Autofahrer sich in der Regel auf ihr in einer Werkstatt Checkheft gepflegtes Fahrzeug verlassen können, wird von Fahrradfahrern anscheinend noch immer ein Grundkurs als Fahrradmechaniker erwartet.

Doch alleine in Berlin gibt es mehr als 250 Fahrradeinzelhändler. Es lohnt sich also, ein oder mehrere Vergleichsangebote einzuholen und sein Fahrrad mindestens einmal im Jahr einer Werkstatt zu überlassen.

Im Kreuzberger Räderwerk kostet der Frühjahrs-Check fürs Fahrrad 45 Euro - ohne eventuelle Ersatzteile. Einmal gründlich putzen macht je nach Aufwand ebenfalls 45 Euro pro Stunde. Deutschlands größtes Fahrradcenter Stadler in Charlottenburg verlangt für den Frühjahrs-Check 36,50 Euro, Putzen kostet auch hier 45 Euro pro Stunde.

Doch nicht nur der Preis, auch die konkreten Leistungen sollten genau erfragt und am besten in einem schriftlichen Auftrag bestätigt werden. Schwieriger wird es, die Qualität der Werkstätten vorab genau zu prüfen - hier hilft meistens das gute Gefühl beim ersten und die Erfahrung beim zweiten Mal.

Unabhängig von einer guten Werkstatt, lässt sich die regelmäßige Kontrolle durch den Nutzer leider nicht vermeiden:

- den richtigen Luftdruck eines Reifens ermittelt man nicht "durch Gefühl" mit dem Daumen, sondern durch Messen (macht mit einem elektronischen Manometer Airmax Pro zum Beispiel von Schwalbe richtig Spaß) und Vergleichen mit dem vorgeschriebenen Druck (steht in "bar" auf der Reifenflanke)

- moderne Trekkingreifen können mit 6 bar gefahren werden, dann rollt das Rad extrem leicht

- Fahrradketten müssen regelmäßig geschmiert werden, manchmal nach jedem Regen

- die Ketten sollten aber nicht mit Fett verklebt werden, sonst haftet daran auch der märkische Streusand und erhöht den Verschleiß

- besser ein dünnflüssiges Kettenspray nehmen, das eine hohe Abwaschbeständigkeit sowie eine gute Kriechfähigkeit hat

- die Bremsgriffe sollten nicht bis zum Anschlag durchgezogen werden müssen bevor sie reagieren, sondern bereits nach einigen Millimetern ansprechen, so kann man sie besser dosieren und sicherer fahren

- wer eine doppelt verkabelte Lichtanlage mit Nabendynamo und Diodenlampen an seinem Rad hat, kann bei gut gemeinten Ratschläge zum Thema Licht einfach weghören, es funktioniert in der Regel ein Fahrradleben lang

- und nicht zuletzt: das Fahrrad muss richtig auf die jeweilige Körpergröße der Fahrerin oder des Fahrer eingestellt werden, sonst wird das Rad fahren als anstrengend empfunden, die Handgelenke, die Knie und der Rücken können falsch beansprucht werden

- die Sattelhöhe muss so hoch sein, dass das Knie nur leicht gebeugt ist, wenn der Fuß auf der Pedale steht - meist sind Sättel zu niedrig eingestellt, außerdem verursachen zu breite und zu weiche Sättel Scheuerstellen

- viele Fehler werden auch beim Lenker gemacht: wer längere Strecken fährt, sollte die Griffposition so wählen, dass die Lenkerbreite der Schulterbreite entspricht

Mehr Tipps und Hörerfragen gibt's gleich live ab 12 Uhr auf Radio Eins.