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Mit dem Movelo Flyer
durch die Kitzbüheler Alpen
von Kirchberg
hinauf zur Labalm

Schöner Leben: Die ganze Wahrheit über Elektrofahrräder

Berlin, 23. Juli 2010 [zuletzt aktualisiert 26.07.10, 10:33]

Das Geschäft mit Elektrofahrrädern boomt. Was früher als Oma-Rad galt, kaufen heute auch Jüngere, die unverschwitzt im Büro ankommen wollen. Was kann ein Elektrofahrrad, was darf es kosten und worauf sollte man beim Kauf achten? Alle Fragen rund ums E-Bike beantwortet Benno Koch heute ab 12 Uhr live im Radio Eins Studio.

Der KochArt-Wirt der Labalm bewirbt sein Gasthaus hoch oben in den Kitzbüheler Alpen noch als Wanderziel - zumindest auf seiner Website. Denn die Tage an denen Radfahrer die größte Gästegruppe bilden häufen sich.

Wir sind Ende Juni mit dem Tourismusverband Kitzbüheler Alpen auf nagelneuen Swiss-Flyern unterwegs. Es geht auf einer 30-Kilometer-Runde von Kirchberg 400 Meter hinauf zur Labalm und wieder hinunter. Mit einem Lächeln im Gesicht - nach dem schweren Mountainbike-Rennen KitzAlpBike am Tag zuvor.

Die Kitzbüheler Alpen gelten wie ganz Tirol und das angrenzende Salzburger Land als größte E-Bike-Region der Welt. Insgesamt hat der E-Bike-Verleiher Movelo 2.500 hochwertige Elektrofahrräder der Marke Swiss-Flyer hier in Österreich sowie in einigen Regionen Deutschlands, Italiens und sogar Mallorca am Start. Zusammen mit einer Vielzahl von Akku-Wechselstationen in Gasthöfen, Sportgeschäften und Touristinfos ist ein erstmals wirklich nutzbares Netz für Elektromobilität mit dem Fahrrad entstanden. Für nur 20 Euro können die Movelo Flyer 24 Stunden genutzt werden - der Akkuwechsel ist gratis.

Hoch zur Labalm gönnt sich an diesem Tag sogar das südafrikanische Team Garmin eine Auszeit auf dem E-Bike. Teamchef Mannie aus Windhoek nennt sich Mr. African und belegte am Vortag beim KitzAlpBike Extreme einen sehr guten siebenten Platz - ohne Zusatzmotor ...

Was mit einer staatlichen Förderung in Österreich zumindest im Tourismus zu einem echten Erfolg geworden ist - so lange man nicht die Extremstrecke der Großglockner-Hochalpenstraße bezwingen will - ist in Wahrheit ein schwieriges Geschäft. Wirklich brauchbare Elektrofahrräder sind als private Anschaffung nicht nur teuer, es fehlen vor allem die Akku-Wechselmöglichkeiten unterwegs. Hoch zum Großglockner schaffte es mein Flyer keine zehn Kilometer, bis ein neuer Akku benötigt wurde.

Ein weiteres Problem ist die Qualität der Elektrofahrräder. Vor einer Woche musste die nach eigenen Angaben größte europäische Zweirad-Einkaufsgenossenschaft (ZEG) 11.000 Elektrofahrräder ihrer Hausmarke Pegasus zurückrufen - es waren zuvor mehrere Rahmen gebrochen.

Bis zum heutigen Tag verschweigt die ZEG die Blamage auf ihrer eigenen Website und schaltet nicht einmal eine Hotline, wie die Stiftung Warentest bemängelt. Eine wohl vermeidbare Blamage. Denn bereits 1999 musste die ZEG mit ihrem Fahrrad des Jahres die bis dahin größte Rückrufaktion im Fahrradhandel starten. Damals noch ohne Elektrounterstützung mussten 35.000 Fahrräder der Marke Pegasus zurückgerufen werden - wegen Rahmenbrüchen.

Was ist das Problem der Pegasus-E-Bikes der ZEG?

Hier wurden so genannte Einrohr-Aluminiumrahmen mit einem Elektromotor im Vorderrad verwendet. Aufgrund der wesentlich höheren Kräfte durch den E-Motor sind Rahmenbrüche im Bereich des Steuerlagers aber auch des Tretlagers offenbar bereits vorprogrammiert. Stabiler sind so genannte Diamantrahmen mit einem zusätzlichen Oberrohr und E-Bikes mit einem Motor im Tretlager - so wie beim Swiss-Flyer.

Was können E-Bikes wirklich?

Wer heute auf seinem klassischen Fahrrad zufrieden unterwegs ist, gehört weniger zur Zielgruppe. Doch wer sich zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit im Auto über den Stau und den täglichen Verkehrsstress ärgert, ist genauso ein potenzieller Kandidat wie all jene, denen das Rad fahren bisher zu anstrengend war. Auf kurzen Strecken zur Arbeit wie in der Stadt Berlin dürfte das E-Bike das Auto fast immer schlagen. Und so lange der Akku hält, geht's auch leichter den nächsten Hügel oder Berg hinauf. Für eine Radreise oder auch längere Tagesausflüge ohne Akkuwechsel sind E-Bikes weniger geeignet.

Was muss beim Kauf beachtet werden?

- der Verein ExtraEnergy hat Anfang 2010 den bisher größten E-Bike-Test veröffentlicht, die Infos dazu sind im Artikel Pedelecs im Test und ein Selbstversuch in der Steiermark zu finden

- die Stiftung Warentest hat aktuell in ihrem Heft 7/2010 sieben E-Bikes getestet

- einen Extremtest auf der Großglockner Hochalpenstraße gibt es unter Großglockner vs. Movelo Swiss-Flyer 4:1 zum nachlesen

- im Fahrradgeschäft immer fragen ob und mit welchem Ergebnis das E-Bike getestet wurde und am besten mehrere Testfahrten machen

- auf E-Bikes mit Einrohrahmen aus Aluminium verzichten

- nach einem Ersatzakku fragen, denn die E-Bike-Akkus kosten bis zu 700 Euro und vertragen häufig nur 500 Ladezyklen, was bei täglicher Nutzung und natürlicher Alterung des Akkus schon nach einem Jahr erreicht sein kann

Gibt es in Berlin und Brandenburg schon so genannte E-Bike-Regionen im Tourismus?

- die Anfrage bei der Tourist Marketing Brandenburg (TMB) läuft - und ist soeben ohne Ergebnis beantwortet worden: E-Bikes und Pedelecs sind bei den Touristikern in Brandenburg offenbar noch nicht angekommen

- die Berlin Tourist Marketing (TMB) konnte zumindest auf die Berliner Hotels Mariott, The Ritz-Carlton und Courtyard verweisen, die zusammen 30 A2B Hybrid Bikes für eine Tagesmiete von jeweils 25 Euro anbieten, Infos unter www.berlinmarriott.de oder unter 0800/1 85 44 22 - [Update 23.07.2010 17:36] doch auch hier alles zurück auf Anfang: Was erst vor gut zehn Wochen mit einer Pressemitteilung "Berlin Marriott Hotel präsentiert das emissionsfreie E-Bike – ein Fahrrad für alle Fälle " und "als erstes Hotel in Deutschland bietet das Haus seinen Gästen ab sofort die flotten A2B Hybrid-Flitzer" groß angekündigt worden ist, wurde jetzt auf Nachfrage "Aufgrund von Lieferschwierigkeiten des Herstellers musste das Haus die Kooperation aufgeben" genauso überraschend wieder beendet

- auf Nachfrage bei enigen Brandenburger Reiseregionen wie in der Märkischen Schweiz oder in Chorin konnten die dortigen Touristinfos in diesen Tagen noch nichts mit dem Begriff E-Bike anfangen

Mehr Fragen und Antworten zum Thema Elektrofahrrad heute ab 12 Uhr live auf Radio Eins in der Rubrik Das schöne Leben hören.