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Fahrradmonatskarte:
Keine Entschädigung
und zum 1. Januar 2011
steigen die Preise für die
Fahrradmitnahme im VBB
um bis zu 20 Prozent

S-Bahn Berlin: Keine Entschädigung für Fahrgäste mit Fahrradmonatskarte

Berlin, 5. Dezember 2010

Es war einmal das fahrradfreundlichste und eines der besten Verkehrsunternehmen der Welt. Heute finden viele Berliner ihre S-Bahn nur noch peinlich. Besonders leidet die Verknüpfung von Fahrrad und Bahn. Eine Entschuldigung für die seit bald zwei Jahren nicht erbrachten Leistungen der Fahrradmonatskarte gibt es trotzdem nicht.

Der lange angekündigte Wintereinbruch hat seit Donnerstag alle Versprechungen der Berliner S-Bahn künftig auch unter schwierigen Witterungsbedingungen zuverlässiger unterwegs zu sein innerhalb weniger Stunden zunichte gemacht.

In den letzten Tagen sind nur noch ein Drittel der S-Bahnen pünktlich. Mit lediglich 341 Viertelzügen sind genau 40 Prozent weniger Waggons im Einsatz als vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) bestellt. Hinzu kommen mangelhafte Informationen auf den Bahnhöfen und im Internet.

Seit der Bahnreform 1994 war viele Jahre lang vor allem auch die immer bessere Vernetzung von Fahrrad und S-Bahn ein wesentlicher Faktor für den Erfolg des Unternehmens. Der Ausbau der Fahrradabstellanlagen an den Bahnhöfen, aber auch die unkomplizierte Mitnahme von Fahrrädern in den neuen Mehrzweckabteilen führten dazu, dass selbst Prominente wie Wim Wenders ihr Auto verkauften und aufs Fahrrad und die Berliner S-Bahn umstiegen.

Extrem verkürzte Züge und längere Taktzeiten haben nun in den vergangenen Monaten zur Verdrängung von Fahrgästen mit Fahrrädern aus den Zügen geführt. Doch ausgerechnet diese Zielgruppe wird bei den aktuellen Entschuldigungsleistungen der S-Bahn für Monatskartenbesitzer ausgeschlossen: "Für Fahrradmonatskarten gibt es keine Entschädigung", sagt eine Mitarbeiterin des S-Bahn-Kundenzentrums im Bahnhof Berlin-Lichtenberg am heutigen Sonntag auf Nachfrage.

Während die S-Bahn diese Regelung auf ihrer Website für Monatskarten-Nutzer nicht extra erwähnt, schreiben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) unmissverständlich: Ausgenommen sind Fahrradmonatskarten.

Noch Ostern 2009 hatte die S-Bahn Berlin GmbH nach einer Kundenbefragung angekündigt, mehr Platz für Fahrräder in den Zügen schaffen zu wollen. Auf einer Pressefahrt wurden die neuen Mehrzweckabteile mit weniger Klappsitzen und weniger Haltestangen vorgestellt. Passiert ist seitdem nichts. Wären diese Mehrzweckabteile tatsächlich wie geplant umgebaut worden, gäbe es heute auch mehr Platz für Stehplätze in Spitzenzeiten.

Stattdessen werden die Fahrpreise für die Fahrradmitnahme in der S-Bahn und im gesamten VBB ab 1. Januar 2011 überdurchschnittlich und massiv erhöht. Während die Preise im Verkehrsverbund durchschnittlich um 2,8 Prozent steigen, kostet die Fahrradmonatskarte Berlin AB künftig 11,8 Prozent mehr (9,50 statt bisher 8,50 Euro), die VBB-Fahrradmonatskarte (also Berlin ABC und Verbundgebiet) 16,1 Prozent mehr (18,00 statt bisher 15,50 Euro) und die VBB-Fahrradtageskarte (Verbundgebiet) 20 Prozent mehr (6,00 statt bisher 5,00 Euro).

Und: Anders als bei allen anderen Monatskarten gibt es die VBB-Fahrradmonatskarten weder im Abonnement, noch als Jahreskarte per Einmalzahlung. Normalerweise reduziert sich dadurch nicht nur der Aufwand beim Ticketkauf, sondern auch der Preis - es gibt bis zu zwei Monate gratis. Normalerweise. Nicht so für Fahrgäste mit Fahrrad in der so genannten Fahrradstadt Berlin.