Login  
/uploads/s3/CB/s3CB4ueNL9LRk9ehlBFVYQ/P1090390-VeloBerlin-2011.jpg
Fahrradmesse VeloBerlin
26.-27. März 2011
in den Messehallen
unter dem Funkturm

Schöner Leben: Fahrradfrühling und Fahrradmesse VeloBerlin

Berlin, 25. März 2011

An diesem Wochenende startet in den Messenhallen am Funkturm erstmals die VeloBerlin. Bereits seit Tagen lockt die Sonne immer mehr Menschen aufs Rad und zurück auf die Straßen. Wie mache ich mein altes Fahrrad fit? Was sollte ich beim Neukauf eines Rades beachten? Fahrradexperte Benno Koch gibt Tipps für den Start in den Fahrradfrühling – heute ab 12 Uhr live auf Radio Eins.

Auch in diesem Winter hatten viele Fahrradläden in der Region Berlin-Brandenburg gut zu tun, doch jetzt im Frühling heißt es nun Schlange stehen. Mit viel Platz auf 11.000 Quadratmetern öffnet an diesem Wochenende Berlins größter „Fahrradladen“ unter dem Funkturm. Mehr als 160 Aussteller zeigen auf der neuen Publikums- und Verkaufsmesse VeloBerlin aktuelle Produkte aus den Bereichen Fahrrad, Fahrradzubehör und Elektromobilität. Mit dabei sind fahrradfreundliche Reiseveranstalter, Tourismusregionen und Weltenbummler.

Was sind in die Fahrradtrends in diesem Jahr? Elektrofahrräder stehen weiterhin ganz oben auf der Wunschliste der meisten Hersteller. Mit 200.000 neu verkauften E-Bikes machten diese so genannten Hybridfahrräder nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) rund fünf Prozent aller 3,91 Millionen im vergangenen Jahr in Deutschland verkauften Fahrräder aus. Dem ZIV zufolge betrug der Gesamtumsatz dabei 1,84 Milliarden Euro – die Deutschen gaben also 1,7 Prozent mehr für neue Fahrräder aus als noch 2009. Hinzu kommen die Ausgaben für Ersatzteile und Zubehör.

Was bedeutet eigentlich Pedelec? Wie bei jedem anderen Fahrrad muss man noch immer selbst treten, aber ein Elektromotor läuft bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h unterstützend mit. So können auch Menschen die sonst wenig oder gar nicht Rad fahren längere Strecken bewältigen, problemlos Steigungen hochfahren und bei Gegenwind müde lächeln.

Auf der VeloBerlin lässt zum Beispiel der Berlin-Brandenburger Fahrradhändler Das Radhaus (fast) alle am Markt angebotenen Motortypen und die wichtigsten Elektrofahrradmarken von den Besuchern auf dem Messeparcours testen. Wer dann kurzentschlossen eines dieser Räder kaufen möchte, spart auf der Messe 20 Prozent gegenüber dem Radhaus-Ladenpreis.

 

Was sollten Käufer von E-Bikes (Pedelecs, Hybridfahrräder usw.) beachten?

  • bei der Akkulaufzeit wird nach wie vor skrupellos übertrieben (nach unabhängigen Tests zum Beispiel von ExtraEnergy fragen)
  • ein aktueller Akku hat 1.100 Ladezyklen, die bei täglicher Nutzung theoretisch für drei Jahre reichen, praktisch aber mit zunehmend geringerer Leistung einhergehen
  • also bereits beim E-Bike-Kauf die Frage nach dem (mehrere hundert Euro teuren) Ersatzakku nicht vergessen oder gleich einen Zweit-Akku raushandeln (verdoppelt die Reichweite unterwegs)
  • ein E-Bike ist schwerer, muss aber für die zusätzlichen Kräfte auch stabiler als ein normales Fahrrad sein (auch hier nach unabhängigen Tests für Rahmen, Gabel, Lenker, Sattelstützen, Bremsen usw. fragen)
  • manche E-Bikes versagen am Berg oder bereits am Hügel vor der Haustür (also vor dem Kauf mal eine längere Testfahrt bergauf machen)
  • nach dem maximalen zulässigen Gesamtgewicht fragen (also E-Bike plus Fahrer plus Wochenendeinkauf oder auch Gepäck für eine Radreise)

Ein gutes Fahrrad sollte man im Fahrradfachhandel kaufen – laut ZIV haben dies im vergangenen Jahr gut zwei Drittel der Käufer beherzigt. Aber auch dort ist Vorsicht geboten, die richtigen Fragen zu stellen erspart späteren Ärger:

  • das Gewicht eines Fahrrades ist beim Radfahren kaum interessant, solange man nicht als Sportler um Zehntelsekunden kämpft oder eine der letzten U-Bahntreppen samt Rad und ohne Fahrstuhl täglich bezwingen muss
  • Industrie und Handel verkaufen noch immer gerne Aluminiumfahrräder und begründen dies mit einem angeblichen Gewichtsvorteil
  • tatsächlich sind diese Rahmen bei gleicher Festigkeit kaum leichter im Vergleich zu einem CroMo-Rahmen (also aus hochwertigem Stahl) während Aluminium leichter bricht und schlechtere Fahreigenschaften hat (ist steifer - daher haben diese Räder meist schwere Federgabeln)
  • Carbon-Rahmen, -Gabeln oder -Lenker bedürfen einer besonderen Überwachung, die außerhalb des Leistungssportbereiches nicht gegeben ist (Stichwort: Spontanbrüche ohne Ankündigung – also den Händler genau nach Tests, Betriebsdauer und Umgang mit nicht sichtbaren Schäden fragen)
  • ein dem Stand der Technik entsprechendes Fahrrad sollte einen Nabendynamo haben (der ist leichtgängig und funktioniert immer), eine Diodenbeleuchtung (die hält länger, ist lichtstärker und gibt es heute auch für Fahrräder als Tagfahrlicht), Hydraulikbremsen (sind präzise dosierbar und es können keine Bowdenzüge reißen)
  • Fahrräder werden selten komplett getestet, es gibt viele Klein- und Kleinsthersteller und auch einige große, die darauf verzichten (es gab in den vergangenen Jahren große Rückrufaktionen auch für so genannte "Fahrräder des Jahres", also fragen ob und wie das Fahrrad als Ganzes getestet wurde)
  • Lenker aus Aluminium können gefährlich sein, vor allem wenn der Lenkervorbau aus Stahl ist (durch die unterschiedliche Ausdehnung der Materialien entstehen Spannungen die zu Rissen führen können)
  • Rücktrittbremsen stehen im Notfall nicht unbedingt in der idealen Position, pro 180 Grad Kurbelumdrehung stehen die Pedalen nur einmal richtig, vor allem für Erwachsene sind daher zwei Felgenbremsen die sichere Wahl
  • härtere und schmalere Sättel verhindern Scheuerstellen, nachdem diese eingefahren sind (weiche Sättel sind genaugenommen nur „bequem“, wenn man Fahrradfahren ohnehin zu anstrengend findet – nach wenigen Kilometern kehrt sich der vermeintliche Vorteil in einen schmerzhaften Nachteil fürs Sitzfleisch)


Auch die Wartung von Fahrrädern ist noch immer ein hör- und sichtbares Problem:

  • Reifen werden von Fahrradfahrern selbst meist „nach Gefühl“ aufgepumpt und haben dann weniger als die Hälfte des zulässigen Mindestdrucks (einfach den Wert in bar auf der Reifenflanke ablesen und diesen mit einem Manometer prüfen)
  • der richtige Reifendruck verhindert Risse an den Reifenflanken oder das Eindringen von Fremdkörpern (Glasscherben, Dorne, Holzsplitter und ähnliches auf Straßen und Radwegen)
  • je höher der Reifendruck, desto geringer der Rollwiderstand und umso kraftsparender das Radfahren
  • Ketten verschleißen im Zeitraffer (ab 1.500 Kilometer, also bei täglicher Nutzung bereits nach wenigen Monaten, gibt es bereits schwere Schäden), also einfach die Längung messen (mit einer Messlehre oder der Bleistiftmethode – passt ein Bleistift zwischen Kette und Kettenblatt, ist die Lebensdauer für beide zu Ende)
  • Ketten sollten nicht entfettet (keine Fettlöser verwenden - die schwer zugänglichen Zwischenräume der Kettenbolzen würden entfettet), sondern nur äußerlich gereinigt werden
  • die Kette nach jedem Regen (und sonst einmal im Monat) mit einem Kettenspray (lässt sich optimal dosieren und verteilen) schmieren (verringert die Reibung auch vor dem ersten hörbaren Quietschen)
  • Felgenbremsen sind richtig eingestellt, wenn der erste Druckpunkt bereits nach wenigen Millimetern erreicht ist (an vielen Bremsgriffen befinden sich Stellschrauben mit Kontermuttern zum Nachjustieren, bei täglicher Fahrradnutzung sind die Bremsklötzer ein bis zwei Mal pro Jahr verschlissen und müssen getauscht werden)
  • Felgen verschleißen nach dem Willen der Hersteller auch, eine Nut als Indikator auf der Lauffläche soll ein Durchbremsen und Brechen der Felge rechtzeitig anzeigen (wenn die Nut verschwunden ist, Felge austauschen)


Mehr Infos in Schöner Leben heute ab 12 Uhr auf Radio Eins live hören und Fragen rund um Fahrradkauf und Wartung loswerden - oder nach der Sendung als Podcast unter www.radioeins.de alles noch mal nachhören.

Hintergrund

- auf der offiziellen Website der VeloBerlin weitere Infos nachlesen

- Fotos der Pressekonferenz der Velo Berlin in der Bildergalerie www.benno-koch.de anschauen

- Nachtrag: Fotos eines Messe-Rundgangs am Samstag, 26. März 2011 über die VeloBerlin in der Bildergalerie www.benno-koch.de ansehen