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Einiges ist sogar wahr:
Radio Eins Radtour
mit dem Sagenschmied
Ulrich von der Mär

Tour-Tagebuch Havel-Radweg: Das wahre Märchen des Sagenschmieds

Berlin, 3. August 2011

"Habe selten einen so miesen Regentag, so nett verbracht", schreibt eine Radio Eins Hörerin nach der Radtour. Tatsächlich war in einer vom Nieselregen verzauberten Landschaft, einem traumhaften Radweg, einem Märchenerzähler aus einer anderen Zeit und einem trockenen Lager am knisternden Kamin diesmal alles dabei.

Eigentlich geht es an dieser Stelle um die Radio Eins Sommer-Radtouren. Am vergangenen Sonntag führte die vierte Radtour dieser Reihe mitten durch einen grauen Novembertag Ende Juli. Und hat 15 Hörerinnen und Hörer begeistert.

Links und rechts vom Haveldeich stehen die Wiesen unter Wasser. Am Horizont glaube ich einen einsamen Wasserbüffel im Nieselschleier zu erkennen. Der Westwind bläst uns uns in die Gesichter. Die ersten Funktionsjacken steigen aus - innen ist es nicht trockener als außen. Die Szenerie erinnert an einen Tag auf den Äußeren Hebriden. Mit den 110 Meter aufragenden Götzer Bergen gibt es im Havelland sogar die passende Bergkulisse - im Nebel durchaus eindrucksvoll.

Auf halber Strecke hat das Havelstübchen in Deetz extra für uns Blechkuchen gebacken. Der Kaffee ist heiß und der Regen lässt langsam nach. Der noch kurz zuvor diskutierte Abstecher in die nächste Sauna wird zugunsten der Stadtführung in Brandenburg an der Havel auf das nächste Mal verschoben.

Vor der St.-Gotthardt-Kirche wartet schon der Sagenschmied Ulrich von der Mär auf uns. Drinnen dürfen wir Loriots Taufbecken bestaunen - der kleine Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren. Doch schon die "älteste Klotür der Welt" - wie eine alte Dame am Einlass behauptet - im Vorraum der Kirche, beschert sogar bewundernde Fragen des Sagenschmieds.

Wieder draußen in der ältesten Stadt der Mark Brandenburg erfahren wir wo die älteste Schule steht, dass die meisten guten Geschichten auch schon früher irgendwie nur plagiert waren und wie ein Baggerfahrer im Nachwendeboom aus Versehen im Rückwärtsgang ein ungeliebtes historisches Haus dem Erdboden gleichgemacht hat.

Doch in der Undine-Bibliothek am Altstädtischen Markt wartet die Sensation: Hat Hans Christian Andersen seine Märchen wirklich irgendwie nur von Friedrich de la Motte Fouqué abgeschrieben? Letzerer Freiherr aus Brandenburg an der Havel schrieb vor genau 200 Jahren im Frühjahr 1811 in der Zeitschrift "Die Jahreszeiten" sein bezauberndes Märchen "Undine". Und ist heute zumindest eine Art Nationalheld der Stadt.

Machte der dänische Märchendichter Andersen nun 26 Jahre später aus genau jener Undine wirklich seine kleine Meerjungfrau? Und hat er damit das Wahrzeichen Kopenhagens eigentlich so ein bisschen aus Brandenburg an der Havel abgeguckt?

"Der große Däne hat schriftlich festgehalten, dass er sich auf Fouqués Undine bezogen hat", schreibt Heiko Hesse in der Festschrift "200 Jahre Undine". "Ob er wollte, dass die Nachwelt davon erfährt, weiß keiner." Hesse ist an diesem Tag unser Sagenschmied Ulrich von der Mär. Und geht es nach seinen Plänen, wird ein vor knapp 200 Jahren gescheitertes Treffen zwischen Fouqué und Andersen jetzt endlich nachgeholt.

Wir steigen erstmal auf den Marienberg. Der knisternde Kamin im historischen Ausflugsrestaurant Marienberg wurde heute extra für uns befeuert. Mit der guten frischen Küche des Hauses klingt eine einzigartige Radio Eins Sommer-Radtour aus. Natürlich auch mit dem weiten Blick von der Friedenswarte gleich nebenan.

 

Hintergrund Radio Eins Sommer-Radtouren 2011

- Fotos der Radio Eins Sommer-Radtour auf dem Havel-Radweg anschauen

- den gps/gpx-Track herunterladen, die Übersichtkarte ansehen und weitere Hintergrundinformationen nachlesen

- die nächste Radio Eins Sommer-Radtour vormerken: Am heutigen Mittwoch, 3. August 2011, ab 18.00 Uhr geht es zunächst theoretisch im Radio Eins Studio live on air um den Berliner Mauerweg und am kommenden Sonntag, 7. August 2011, um 11:00 Uhr für 30 Radio Eins Hörerinnen und Hörer wieder auf die Piste zum BBI-Tower und in den Biergarten von Schloss Diedersdorf