Login  
/uploads/8C/co/8Cco3tXsd4v4673H5VBSmw/P1150842-Berliner-Mauerweg-Picknick.jpg
Berliner Mauerweg:
Radio Eins Hörerin Marion
beeindruckte mit
dem perfekten Picknick

Tour-Tagebuch Berliner Mauerweg: Picknick am Glienicker Fenster

Berlin, 8. August 2011

"Das Wetter ist mir doch zu unsicher", schrieb eine Radio Eins Hörerin ihre Absage kurz vor der Abfahrt per SMS. Trotz Milliardenumsätzen der Outdoor-Industrie steht immer wieder die Frage im Raum: Kann man bei Regen eigentlich Rad fahren? Ja, man kann: "War nämlich großartig gestern", simst eine andere Teilnehmerin.

Die schwarzen Wolken drohten mal wieder links und rechts vom Berliner Hauptbahnhof. So ist der Sommer in Berlin - immer kälter und nässer. Genau wie es die Klimaforscher für die schönste Jahreszeit vorhergesagt hatten - oder war es doch irgendwie anders?

Genau 22 Hörerinnen und Hörer trauten sich mit Radio Eins Fahrradexperten Benno Koch in das Großstadtabenteuer am gestrigen Sonntag Nachmittag.

Tour-Tagebuch: Radio Eins Sommer-Radtour - wie es wirklich war

Es geht zunächst durch den Großen Tiergarten - und die letzten Jacken werden spätestens hier ausgezogen. Rad fahren heizt ja unheimlich ein.

Bis zum neuen Landschaftspark Gleisdreieck ist die Stadt wunderbar grün, ruhig und regenfrei. Dieser neue Park auf dem einstigen Gleisgelände des Anhalter Bahnhofs wird eigentlich erst am 2. September 2011 offiziell eröffnet. Die Zäune standen bis vor wenigen Tagen offen oder fehlten, Verbotsschilder gab es nicht.

Der Park selbst ist in einigen Bereichen noch eine Baustelle - wird aber von Skatebordern und Sprayern schon fleißig genutzt. Eine ganze Wand wurde gleich mit Rolle und Farbeimer bearbeitet.

Ob die Radio Eins Sommer-Radtour schon einmal eine ganz kleine offizielle "Baustellenbesichtigung" machen dürfe, lautete meine Anfrage an die Pressestelle der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. "Eine Rundfahrt vier Wochen vor Eröffnung wollen wir dort nicht", hieß es unmissverständlich. Und plötzlich waren überall Bauzäune, Schlösser und Verbotsschilder - beeindruckend.

Der Nieselregen wird stärker. Die neun und zehnjährige Kim und Clara stört der Regen gar nicht. Schon am Radio Eins Rollfeld wird es trockener: "Cool!" heißt es nur noch - und es geht zwei Kilometer ab über die einstige Startbahn des Flughafen Tempelhof.

Durch den Carl Weder Park fahren wir nun grün und ruhig direkt über den Britzer Autobahntunnel und weiter zum Teltowkanal. Wenig später beginnt Britzer Hafen Berlins schönster Radweg: Neun Kilometer lang und vier Meter breit geht es bestens asphaltiert, auto- und kreuzungsfrei quer durch die Stadt. Es ist der am besten ausgebaute Teil des rund 160 Kilometer langen Berliner Mauerweges.

Kurz vor der Ausfahrt vom Berliner Mauerweg treffen wir Schönefelds Bürgermeister Udo Haase am Glienicker Fenster zur großen Pause. Mitten im Landschaftspark Rudow-Altglienicke ist auch einer der schönsten Picknickplätze Berlins zu finden.

Es gibt Smalltalk, Tomaten vom eigenen Balkon mit Mozzarella, Rote-Beete-Salat, selbstgebackenen Obstkuchen, Pizza-Muffins - und eine Gewinnerin des legendären Radio Eins T-Shirts. Natürlich vollkommen objektiv von den Tour-Kids Kim und Clara für das beste Picknick ausgewählt.

Gleich wird die Stadtgrenze passiert und wir fahren auf den noch leeren gigantischen Pisten zum neuen BER-Flughafen Berlin-Brandenburg nach Schönefeld. Bürgermeister Haase fährt gerne Rad und zeigt stolz die neuen Radwege in den Landschaftsparks rund um den Airport. Alleine 22 Kilometer soll eine Piste für Fahrradtouristen einmal rund um den BER lang werden.

Doch der Kampf gegen den Ausbau der Wege ist gewaltig. Einige Bauern würden gerade versuchen die Preise beim Erwerb der Flächen für diese Radwege zu übertreiben - und sollen nun enteignet werden. Ein langwieriges Verfahren. So fehlt noch rund ein Drittel der Piste, während die gigantischen Überflieger der Autobahnen gleich doppelt vorhanden sind - für den Havariefall und für ein gutes Investorenklima.

Noch mehr ärgert den parteilosen Bürgermeister Haase die Blockadehaltung der Grünen beim Ausbau der Radwege - statt Asphalt in Straßenqualität müssen Radfahrer in der Gemeinde Schönefeld oft untaugliche Betonsteine erleiden. Gerne noch mit gefasten Betonsteinen und in Längsrichtung mit Spurrinnenbildung verlegt - natürlich in Handarbeit und teurer als Asphalt. Schon zur Eröffnung sind so einige Radwege unnötige Holperpisten.

Auf dem BER-Info-Tower öffnet sich nun der Himmel über dem neuen Airport. Während ein paar Kilometer zuvor der Lärm der Autobahn noch unüberhörbar war, ist es hier fast unwirklich still. Die Flugzeuge sind beim Start selbst direkt am Flughafen leiser als noch vor ein paar Jahren. "Jedes einzelne Auto auf einer Kopfsteinpflasterstraße ist lauter", stellen ein paar Köpenicker fest.

Zurück geht es durch ein Loch im Zaun, der längst keine Funktion mehr hat - noch sind nicht alle Wege fertig. Schönefelds fahrradfreundlicher Bürgermeister verabschiedet sich. Nun geht es tatsächlich in den Sonnenuntergang zum Schloss Diedersdorf - in einen der schönsten Biergärten kurz hinter der Berliner Stadtgrenze.

 

Hintergrund