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Nicht Tom Hanks,
sondern
Andreas Peter
in seiner Rolle als
Stadtwächter von
Guben und Gubin

Oder-Neiße-Radweg: Iron Hut City, Barockwunder und Nachtwächter

Berlin, 12. April 2012 [zuletzt geändert 28.04.12, 00:06 Uhr]

Als Tom Hanks in der Letterman Late Show von Iron Hut City schwärmte, hielt Eisenhüttenstadt für mehr als einen Moment den Atem an. Ein Hauch von Hollywood durchzog die von Selbstzweifeln geschundene einstige sozialistische Musterstadt. Am Samstag, 28. April 2012 geht es auf einer Radtour mit Benno Koch zum neuen amerikanischen Traum an der deutsch-polnischen Grenze und durch die endlosen Weiten des Ostens.

Mehr als acht Millionen Amerikaner schauten zu, als Oscar-Preisträger Tom Hanks im Dezember 2011 in der Late Night Show bei David Letterman (ab 2:17 Eisenhüttenstadt) von seinem Ausflug nach Eisenhüttenstadt schwärmte. Ein paar Tage zuvor, ganz privat, ohne Fahrrad (das üben wir noch), mit dicker Mütze und Brille zog Hanks in Iron Hut City um die Häuser - und war begeistert. Wohl nur vergleichbar mit dem Goldrausch in Alaska und dem Ruf des Wilden Westens im 19. Jahrhundert in Nordamerika: "It's a model city to show the people the great and wonderful life that Socialism would give them." Ein Traum, fast so wie der amerikanische.

Tatsächlich verkauft sich Eisenhüttenstadt noch immer irgendwie unter Wert. Die sozialistischen Prachtbauten aus den 1950er Jahren erstrahlen heute schöner als je zuvor. Einen Plan für einen nachhaltigen Tourismus scheint es nicht zu geben. Gerade wurde die einstige sozialistische Vorzeigegaststätte Aktivist so vorbildlich restauriert, dass diese vom Brandenburgischen Baukunstpreis bis zum Deutschen Denkmalschutzpreis 2011 alle Preise einsammelte, die es einzusammeln gab. Dass die sozialistische Architekturikone aus dem Jahre 1953 mit Café und Restaurant am Nachmittag - wenn Touristen kommen könnten - geschlossen hat, versteht sich von selbst. Natürlich auch am Wochenende. Eine Website gibt es auch nicht. Viel zu modern.

Ein paar Straßen weiter modert das spannendste Hotel der Stadt vor sich hin. Das Lunik war mit 110 Betten, Restaurant, Café, Nachtbar und Intershop die erste Adresse in der Stahlarbeiterstadt. Heute wäre der noch immer modern wirkende Stahlskelettbau die perfekte Ergänzung für den amerikanischen Traum vom "großartigen und wundervollen Leben im Sozialismus". Zumindest für eine Nacht. Und auch für die perfekte Radreise auf dem Oder-Neiße-Radweg. Doch die Stadt hatte kein glückliches Händchen bei der Investorensuche. Vor genau zwölf Jahren wurde das Lunik geschlossen, der Eingang und die Glasfronten sind heute vernagelt.

Kaum weniger spektakulär führt der Radweg auf dem Oderdeich aus der Stadt hinaus und ein paar Kilometer weiter in einen märkischen Barocktraum hinein. Das einstige Zisterzienserkloster Neuzelle erstrahlt leuchtend gelb wohl nie dagewesener Pracht - und ist umgeben von riesigen Baustellen. Bis zum Jahre 2015 sollen hier 24 Millionen Euro für die denkmalgerechte Sanierung der Klausurgebäude und Kutschställe, des Konventhofes und des Brauhausgartens investiert werden.

Wieder auf dem Oder-Neiße-Radweg wird die Ruhe nur noch durch tieffliegende Weißstörche unterbrochen, bis an der Neißemündung in Ratzdorf der nächste Traum einer perfekten Welt am Horizont auftaucht. Die Gast- und Tanzwirtschaft Kajüte ist so etwas wie eine Oase im Nichts. Hier wird noch richtig gekocht und die gesamte Szenerie wirkt als sei die Zeit stehen geblieben. Nur manchmal wird die Ruhe unterbrochen, wenn der große Saal mit Konzerten der Bolschewistischen Kurkapelle zum Leben erwacht. Aber wirklich nur manchmal.

Auf dem Neißedeich geht es nun weiter in die einstige Hutmacherstadt Guben. Zusammen mit Gubin östlich der Neiße treffen hier Deutschland und Polen so dicht aufeinander, wie kaum anderswo. Wer über die neuen Brücken der Neißeinsel hinüber zum in alter Pracht leuchtenden historischen Rathaus und der wiederentstehenden riesigen Stadtkirche fährt, findet hier keine verfallenen Grenzbaracken oder Märkte mehr, auf denen sich Deutsche früher mit Alkohol und Zigaretten eingedeckt haben. Stattdessen findet hier so etwas wie ein spannendes Zusammenwachsen mitten in Europa statt.

Andreas Peter ist einer von denen, die die deutsch-polnische Stadt lebendig werden lassen. In schwarzer Kutte, mit funzliger Laterne, glitzerndem Horn und furchteinflößender Hellbarde wird aus dem einstigen Geschichtslehrer nicht einfach ein Stadtführer, sondern der Nachtwächter aus Kinderträumen.

Mit dem Gubener Stadtwächter geht es durch die Altstadt und hinauf in die früheren Weinberge, wo seit 1860 die Gaststätte des Tuchmachers Eduard Engelmann stand. Heute erinnern daran in 100 Meter Höhe nur noch die Randsteine der einstigen Terrasse - mit einem fantastischen Blick auf die Stadt.

Natürlich wartet am Ende der Radtour wie immer ein gutes Restaurant - zusammen mit einem eiskalten polnischen Bier.

 

Einfach anmelden -  Eisenhüttenstadt, Neuzelle und Guben entdecken:

  • Sonnenuntergangs-Radtour: geführte Radtour mit Benno Koch am Samstag, 28. April 2012

  • Strecke: die rund 45 Kilometer kurze Tour auf dem Oder-Neiße-Radweg ist kein Radrennen, sondern ein Angebot für Rad fahrende Genießer

  • Treffpunkt: 10:00 Uhr, Berlin-Hauptbahnhof

  • Ende: kurz nach 23:00 Uhr in Berlin

  • Teilnahmegebühr für die Radtour: 12 Euro ermäßigt 8 Euro pro Person

  • externe Kosten: die Bahnfahrt (5,60 Euro bei einer durch fünf teilbaren Teilnehmerzahl plus 5,00 Euro fürs Fahrrad), der Rundgang mit dem Stadtwächter Guben (4,00 Euro pro Person) sowie der Café- und Restaurantbesuch kommen hinzu

  • Anmeldung: schickt mir bitte einfach eine SMS an Mobil 0157/73746049 oder eine E-Mail an kontakt@benno-koch.de

  • Anmeldestand (28.04.12, 00:06 Uhr): noch 7 von 20 Plätzen frei

  • Teilnahmebedingungen: es gelten die Regeln der Straßenverkehrsordnung (StVO), die Teilnehmer tragen selbst das allgemeine Risiko, das die Teilnahme am Straßenverkehr mit sich bringt und sind für die Sicherheit ihres Fahrrades selbst verantwortlich

  • Fahrrad und Bahn: damit auch die Fahrt mit der Bahn entspannt wird, bitte im RegionalExpress immer sämtliche Packtaschen und Körbe (auf die eigentlich generell verzichtet sollte) vom Fahrrad nehmen und die Räder mit den Lenkern entgegengesetzt an die Klappsitze lehnen, Fahrgäste auf den Klappsitzen ohne Fahrräder freundlich bitten aufzustehen – und natürlich Rücksicht nehmen!

 

Hintergrund

  • Fotos vom Oder-Neiße-Radweg (Abschnitt Eisenhüttenstadt-Guben) in der Bildergalerie www.benno-koch.de ansehen

  • gpx/gps-Track der Radtour auf dem Oder-Neiße-Radweg (Abschnitt Eisenhüttenstadt-Guben) als zip-Datei (29 kb) herunterladen