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Greifenhagener Bahn:
Industriegeschichte am
einstigen Bahnhof Banie
und auf dem neuen Radweg
zwischen Swobnica und
Sosnowo entdecken

Westpolen: Alter Bahndamm - Schlussspurt auf dem Wegwerfradweg

Berlin, 25. September 2012

Der neue Radweg auf dem alten Bahndamm der Greifenhagener Bahn hatte das Zeug zum neuen Superstar. Bereits drei Monate nach der Eröffnung ist nun der Traum womöglich schon ausgeträumt. Am Samstag, 29. September 2012 verrät Benno Koch die unglaublichsten Abenteuer im polnischen Fahrradherbst.

Es hätte ein echter Aufbruch werden können. Nur wenige Kilometer hinter der deutsch-polnischen Grenze verkehrten 1990 die letzten Personenzüge nach Banie. Nach und nach wurde die gut 33 Kilometer lange Eisenbahnlinie von Gryfino (Greifenhagen) nach Swobnica (Wildenbruch) stillgelegt. Im Frühjahr 2012 erwachte der alte Bahndamm zu neuem Leben, ein erster rund 15 Kilometer langer asphaltierter Radweg entstand. Das verschlafene 2.000-Seelennest im polnischen Hinterpommern mit dem schönen deutschen Namen Bahn wäre der Mittelpunkt des zarten Pflänzchens Fahrradtourismus in Westpolen geworden. Und tatsächlich spielen Pflanzen nun die Hauptrolle - auf einer rund 55 Kilometer kurzen Radtour für Rad fahrende Genießer mit einem leichtem Hang zum (noch beherrschbaren) Abenteuer.

Die Geschichte ist kurz erzählt: Mit 446.764,72 Euro sollte in der polnischen Gemeinde Banie (Bahn) ein hochwertiger Radweg abseits der Landstraßen auf einem alten Bahndamm entstehen. Es wäre der erste wirklich dem Stand der Technik ausgebaute Radfernweg östlich der Oder geworden. Später sollte eine Anbindung an die deutsch-polnische Grenze zwischen Gryfino und Mescherin folgen.

Als am 16. Juni 2012 der erste rund 15 Kilometer lange Abschnitt zwischen Swobnica und Sosnowo offiziell eröffnet wurde, war die Welt hier zumindest oberflächlich noch in Ordnung. Banies Gemeindevorsteherin Teresa Sadowska und Detlef Krause, Amtsleiter im Amt Oder-Welse, durchschnitten feierlich das Band des neuen Radweges.

Das kleine uckermärkische Amt Oder-Welse ist Leadpartner eines insgesamt 5,3 Millionen Euro schweren Interreg IVA Projektes. Zwölf beteiligte Kommunen in der Uckermark, in Vorpommern und in Westpolen sollen bis Ende 2012 unter dem schönen Namen "Verbindende Infrastruktur" ein offiziell 150 Kilometer langes deutsch-polnisches Radwegenetz ausbauen. Tatsächlich werden wohl keine 30 Kilometer Radwege neu gebaut - und die Hälfte ist bereits wieder ein schwerer Sanierungsfall.

Ein viertel Jahr nach der offiziellen Eröffnung ist der neue Radweg auf dem alten Bahndamm der Greifenhagener Bahn Mitte September 2012 zerstört. Die Planer haben vergessen die Vegetation in der Mitte des früheren Gleisbetts zu beseitigen. Innerhalb von nur wenigen Wochen haben Pflanzen fast auf der gesamten Strecke die dünne Asphaltdecke durchbrochen.

Vor dem nächsten Winter ist jetzt wohl die letzte Gelegenheit den noch befahrbaren neuen Radweg zu testen. So wie die Gemeinde Banie jetzt fast eine halbe Million Euro in einen Wegwerfradweg investiert hat, macht noch immer scheinbar jede Kommune beim Radwegebau die alten Fehler der Nachbarkommune noch einmal. Es fehlen Mindeststandards wie sie beim Straßenbau vollkommen selbstverständlich sind. Natürlich fehlt ein unabhängiger Fahrradbeauftragter, der Fehler wie im aktuellen Fall meist leicht bereits bei der Planung erkennen kann. Wenn dann noch ein fester Prozentsatz der Investitionsmittel im Verkehrsbereich dem Fahrradverkehr fest mit einem Haushaltstitel zugeordnet wird, kann fast nichts mehr schiefgehen - ein Prozent für den Anfang wäre ein Anfang.

Diese Radtour startet in Chojna und führt über ruhige Landstraßen nach Swobnica. Auf dem einstigen Bahndamm geht es autofrei nach Sosnowo. Zurück auf ruhigen Landstraßen geht es hinunter zur Oder nach Gryfino.

Natürlich wartet unterwegs ein Café und zum Abschluss ein gutes Restaurant - auf einer ganz leicht abenteuerlichen Herbstradtour für Genießer.

 

Einfach anmelden - Westpolen und die einstige Greifenhagener Bahn entdecken!

  • Sonnenuntergangstour: geführte Radtour mit Benno Koch am Samstag, 29. September 2012

  • Strecke: Die rund 55 Kilometer kurze Radtour durch Westpolen ist kein Radrennen, sondern ein Angebot für Rad fahrende Genießer.

  • Treffpunkt: 7:15 Uhr, Bahnhof Berlin-Lichtenberg

  • Ende: kurz nach 22:30 Uhr in Berlin

  • Teilnahmegebühr für die Radtour: 12 Euro ermäßigt 8 Euro pro Person

  • externe Kosten: die Bahnfahrt (im deutschen Abschnitt 5,80 Euro bei einer durch fünf teilbaren Teilnehmerzahl plus 5,00 Euro fürs Fahrrad sowie im polnischen Abschnitt 18,50 Zloty (4,47 Euro) pro Person plus 5,50 Zloty (1,33 Euro) fürs Fahrrad) sowie der Café- und Restaurantbesuch kommen hinzu

  • Anmeldung: schickt mir bitte einfach eine SMS an Mobil 0157/73746049 oder eine E-Mail an kontakt@benno-koch.de

  • Anmeldestand (25. September 2012, 23:28 Uhr): noch 18 von 20 Plätzen frei

  • Badepausen: bei schönem Wetter möglich, Badesachen bitte nicht vergessen!

  • Teilnahmebedingungen: es gelten die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), die Teilnehmer tragen selbst das allgemeine Risiko, das die Teilnahme am Straßenverkehr mit sich bringt und sind für die Sicherheit ihres Fahrrades selbst verantwortlich, die Rückfahrt erfolgt in der Dunkelheit (Licht)

  • Fahrrad und Bahn: damit auch die Fahrt mit dem RegionalExpress entspannt wird, bitte immer sämtliche Packtaschen und Körbe (auf die eigentlich generell verzichtet sollte) vom Fahrrad nehmen und die Räder mit den Lenkern entgegengesetzt an die Klappsitze lehnen, Fahrgäste auf den Klappsitzen ohne Fahrräder freundlich bitten aufzustehen – und natürlich Rücksicht nehmen!

 

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