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Mühlensee Vehlefanz:
Einzigartig schön geht es
auf dem neuen Uferweg
manchmal übers Wasser
- abseits der offiziellen
Regionalparkroute

Regionalparkroute Rund um Berlin (Teil 3): Von Oranienburg durch den Krämer Forst nach Kremmen

Berlin, 5. Juni 2013 [zuletzt geändert am 6.06.13, um 21:40 Uhr]

Auf offiziell 330 Kilometern umrundet die Regionalpark Fahrradroute die Bundeshauptstadt. Es könnte der wichtigste Radfernweg am Berliner Stadtrand werden. Im Krämer Forst sind landschaftlich schöne Strecken möglich - leicht abseits der offiziellen Route. Am Samstag, 8. Juni 2013 verrät Benno Koch die schönsten Entdeckungen im Fahrradfrühling.

Seit fast zehn Jahren gibt es theoretisch eine Fahrradroute durch die acht Brandenburger Regionalparks. Der Krämer Forst nordwestlich von Berlin ist einer in dieser Reihe und besitzt mit Oranienburg an seinem östlichen Rand die wohl fahrradfreundlichste Stadt im so genannten Speckgürtel. Mit Vehlefanz und Schwante überraschen auch gleich zwei Dörfer an der Strecke. Hier in der Gemeinde Oberkrämer gibt es an diesem Samstag zur Brandenburger Landpartie alles, was das Klischee vom schönen Landleben bedient: Frisches Brot aus dem Holzbackofen der Bäckerei Plentz, Schauschmieden in der Kulturschmiede, Kaffee und Kuchen an der Bockwindmühle, Hofführungen am Milchviehstall und eine Strandbar am Schloss. Und sogar die Erdbeeren sollen endlich reif sein - zum Selbstpflücken gleich um die Ecke.

"Ich hätte gerne den Flyer der Regionalpark Fahrradroute." Große Augen schauen mich verwundert an. Ich stehe in der Touristinformation Oranienburg. Die Route führt offiziell direkt am Haus vorbei. "Welche Route meinen Sie?" In Oranienburg und im Krämer Forst ist die Regionalparkroute auch nach zehn Jahren nicht ausgeschildert, nicht ausgebaut und - wenig überraschend - auch den Mitarbeiterinnen der Touristinfos unbekannt. "In enger Abstimmung mit Kommunen, Landkreisen, Verbänden, Vereinen und Marketingorganisationen wurde eine optimale Routenführung entwickelt", heißt es in der Selbstdarstellung der acht Brandenburger Regionalparks im Frühjahr 2013. Aha.

Natürlich soll diese 35 Kilometer kurze Radtour zeigen, wie es gehen könnte mit dem Regionalpark Krämer Forst und der Fahrradroute Rund um Berlin. Mit einer leicht inoffiziellen Variante. Irgendwie lieblos und so gar nichts vom Marketingversprechen (einsamer) Wald im Krämer Forst hat dagegen die offizielle Variante. Auf fast 100 Prozent der Strecke soll es auf straßenbegleitenden Radwegen von Oranienburg nach Kremmen gehen. Diese Radwege sind abschnittsweise gut ausgebaut, zu oft aber auch zu schmal, zu holprig, nur einseitig, mit nicht abgesenkten Bordsteinen, mit Wurzelaufbrüchen - und eben mehr oder minder im Lärmkorridor des Kfz-Verkehrs.

Los gehts in Oranienburg. Noch immer überraschend und von vielen unbemerkt entwickelt sich die Stadt an den vielen Havelarmen immer mehr zu einer echten Fahrradstadt mit hoher Aufenthaltsqualität. Und zur heute vermutlich fahrradfreundlichsten Stadt im Berliner Umland. Am Lehnitzsee, am Oder-Havel-Kanal, an der Oranienburger Havel und am Oranienburger Kanal ziehen sich inzwischen Dutzende Kilometer lang bestens asphaltierte oft drei Meter breite Radwege entlang. Mit der offiziellen Eröffnung des Radweges Berlin-Kopenhagen gab es im Jahr 2001 hier so eine Art Initialzündung. Auch wenn dieser Radfernweg erst viele Jahre später wirklich zu einem "Blauen Band" für Fahrradfahrer zwischen Berlin und Ostsee wurde.

So ist der Erfolg alles andere als zufällig. Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke zeigt sich nicht nur auf Wahlkampfplakaten auf dem Fahrrad. Wie wohl nirgends sonst in Brandenburg wurde hier systematisch die Lage der geschundenen Stadt am Wasser herausgearbeitet - und mit bestens asphaltierten und breiten Radwegen wie in einem Puzzlespiel nach und nach ausgebaut. Praktisch alle Einbahnstraßen dazwischen sind für Radfahrer in Gegenrichtung freigeben, viele Havelbrücken - im Fall der Grabowseebrücke erst nach Protest - als Fahrrad- und Fußgängerbrücken wiederaufgebaut oder saniert worden. Und so entsteht oft der Eindruck einer selbstverständlichen und unbeschwerten Fahrradnutzung im Alltag, wie sie sonst nur an niederländischen Grachten vermutet wird. Luise Henriette von Oranien hätte sicherlich ihre helle Freunde daran.

Noch gibt es ein paar Lücken wie nördlich vom Oranienburger Schlosshafen oder südlich von Pinnow in die Nachbargemeinden Birkenwerder und Hohen Neuendorf. Und viele straßenbegleitende Radwege in Oranienburg sind das traurige Gegenbeispiel zur Leichtigkeit auf den Radwegen an den Kanälen. So wurde an der quer durch die Stadt führenden Bundesstraße B273 der Radweg soeben neu gebaut - in Schlangenlinien auf dem Gehweg und mit in Längsrichtung verlegten gefasten Betonverbundsteinen samt Spurrinnenbildung. Während die normale Fahrbahn nebenan für den Kfz-Verkehr bestens neu asphaltiert wurde. Weil ersteres vielleicht "schöner" aussieht oder etwa das Land Brandenburg oder der Bund den Fahrradverkehr nicht ernst nehmen?

Doch diese Radtour zeigt nur die schönsten Seiten Oranienburgs und des Krämer Forstes: Immer grün und am Wasser entlang geht es zum Schloss, um den Lustgarten herum, am Oranienburger Kanal entlang soweit es geht und dann quer über die Wiesen auf meist gut befahrbaren Feldwegen hinüber nach Leegebruch und durch Bärenklau. Abseits der Landstraße auf einer gut befahrbaren Betonspur wird Vehlefanz erreicht. Am Ufer des Mühlensees ist soeben ein Traum Wirklichkeit geworden. Halb ins Wasser und auf Stege gebaut verläuft ein neuer Uferweg so wildromantisch wie sonst nirgends. Offiziell geht die Regionalparkroute hier nicht lang. Am Horizont wird die Bockwindmühle und wenig später das Schloss sichtbar.

In den Dörfern Vehlefanz und Schwante werden an diesem Samstag Träume von Großstädtern wahr - mit der Brandenburger Landpartie. Doch auch sonst ist zum Beispiel die Bäckerei Plentz mit ihrem Holzbackofen mitten auf dem Dorfplatz ein unbezahlbares Kleinod. Immer freitags und samstags zieht hier der Duft von Buchenholzfeuer und frischem Sauerteigbrot über den Anger. Fast so wie in Grimms Märchen und wohl einzigartig in Brandenburg.

Wie immer warten unterwegs kulinarische Entdeckungen - auf einer entspannten Tour für Rad fahrende Genießer!

 

Einfach anmelden - Regionalparkroute im Krämer Forst erleben!

  • Sonnenuntergangstour: geführte Radtour mit Benno Koch am Samstag, 8. Juni 2013

  • Strecke: Die rund 35 Kilometer kurze Radtour auf der (teilweise inoffiziellen) Regionalpark Fahrradroute ist kein Radrennen, sondern ein Angebot für Rad fahrende Genießer.

  • Treffpunkte: 11:15 Uhr Berlin Gesundbrunnen und 12:00 Uhr Bahnhof Oranienburg

  • Ende: gegen 20:00 Uhr in Berlin-Mitte

  • Teilnahmegebühr für die Radtour: 12 Euro ermäßigt 8 Euro pro Person

  • externe Kosten: die Bahnfahrt (5,80 Euro bei einer durch fünf teilbaren Teilnehmerzahl plus 5,00 Euro fürs Fahrrad) sowie der Café- und Restaurantbesuch kommen hinzu

  • Anmeldung: schickt mir bitte einfach eine SMS an Mobil 0157/73746049 oder eine E-Mail an kontakt@benno-koch.de

  • Anmeldestand (6. Juni 2013, 21:40 Uhr): noch 7 von 20 Plätzen frei

  • Teilnahmebedingungen: es gelten die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), die Teilnehmer tragen selbst das allgemeine Risiko, das die Teilnahme am Straßenverkehr mit sich bringt und sind für die Sicherheit ihres Fahrrades selbst verantwortlich, die Rückfahrt erfolgt in der Dunkelheit (Licht)

  • Fahrrad und Bahn: damit auch die Fahrt mit dem RegionalExpress entspannt wird, bitte immer sämtliche Packtaschen und Körbe (auf die eigentlich generell verzichtet sollte) vom Fahrrad nehmen und die Räder mit den Lenkern entgegengesetzt an die Klappsitze lehnen, Fahrgäste auf den Klappsitzen ohne Fahrräder freundlich bitten aufzustehen – und natürlich Rücksicht nehmen!

 

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