Login  
/uploads/H_/Np/H_NpRg2GXuCykjGxAueDYQ/P1390408-Kirschallee-Danewitz-Vorschau.jpg
Danewitz:
Eine bestens asphaltierte
mögliche Fahrradstraße
führt von Kirschbäumen
gesäumt ins Backofendorf
und endet natürlich
an der Gemeindegrenze

Regionalparkroute Rund um Berlin (Teil 2): Von Bernau durch den Naturpark Barnim nach Wandlitz

Berlin, 26. Juni 2013

Auf offiziell 330 Kilometern umrundet die Regionalpark Fahrradroute die Bundeshauptstadt. Es könnte der wichtigste Radfernweg am Berliner Stadtrand werden. Im Naturpark Barnim wäre vieles möglich, wenn sich das Konzept nicht an straßenbegleitenden Radwegen, sondern am Naturpark orientiert. Am Sonntag, 30. Juni 2013 verrät Benno Koch die schönsten Entdeckungen im Fahrradsommer.

Seit fast zehn Jahren gibt es theoretisch eine Fahrradroute durch die acht Brandenburger Regionalparks. Der Naturpark Barnim nördlich von Berlin ist einer in der Reihe. Zwar war der Landkreis Barnim einer der Vorreiter beim Ausbau des Radweges Berlin-Usedom mit den ersten Fahrradstraßen nördlich von Biesenthal. Ein echtes Netz, so wie es für den Kfz-Verkehr selbstverständlich erwartet wird, ist bis heute jedoch unfertig und scheinbar vergessen. In Bernau und Eberswalde wurde die naheliegendste Mobilität im Nahbereich leider ganz vergessen - in zwei eigentlich klassischen Fahrradstädten mitten im Barnim.

Offiziell führt die Regionalparkroute zwischen Bernau und Wandlitz auf einem straßenbegleitenden Radweg an der Landesstraße L304 entlang. Ein Naturparkeindruck entsteht hier kaum, auch wenn die Route später kurz am Liepnitzsee vorbeiführt. Diese Strecke war bereits in den 1980er Jahren der DDR-Klassiker für einen Radweg am Berliner Stadtrand - heute von zu viel Kfz-Verkehr nebenan, einem zu schmalen Zweirichtungsradweg und schweren Wurzelaufbrüchen gezeichnet.

So führt diese 30 Kilometer kurze Radtour abseits in einer inoffiziellen und schöneren Variante der Naturparkroute in einem nördlichen Bogen über Danewitz und durchs Lobetal fast nach Ützdorf. Durch endlose alte Buchenwälder geht es südlich vom Liepnitzsee nach Wandlitz. Der Weg ist wunderschön und befahrbar, auch wenn einige Abschnitte ausgebaut oder saniert werden müssten.

So fehlt südlich von Danewitz eine durchgängig ausgebaute Anbindung nach Albertshof und weiter nach Bernau - der erste Teil einer theoretischen Fahrradstraße am Rande der Ortslage Danewitz ist bereits fertig. Auch die wohl landschaftlich schönste und touristisch interessanteste Verbindung vom Lobetal zum Liepnitzsee hat eine größere Lücke zwischen der Försterei Woltersdorf und der BAB-Brücke an der A11 südlich von Ützdorf.

Was ist eigentlich in Bernau los? Bis heute ist hier keine einzige Einbahnstraße für Radfahrer in Gegenrichtung geöffnet - die entsprechende Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) trat bereits 1998 und damit vor genau 15 Jahren in Kraft. An der einzigen Fahrradstraße am südöstlichen Stadtrand Bernaus sind die Poller längst umgefahren - der Kfz-Verkehr hat sich den Radweg Berlin-Usedom hier zurückerkämpft. Die Bernauer Altstadt ist von fahrradunfreundlichen Kopfsteinplaster geprägt - an ebene, gerne historisierende Radspuren hat hier noch niemand gedacht. Jeder noch so schmale Gehweg außerhalb der Stadtmauer wird dagegen als benutzungspflichtiger Radweg verklärt. Dass jedoch die Fußgängerzone der Altstadt für Radfahrer gesperrt ist, versteht sich von selbst - auch wenn hier offiziell eine Radroute hindurch geht. Bleiben noch die Wege in den historischen Wallanlagen rund um die Stadtmauer: In Deutschlands Fahrradhauptstadt Münster sind die Wallanlagen übrigens die grüne Hauptroute für Fahrradfahrer - hier in Bernau ist genau dort Rad fahren verboten.

Wie schön der Naturpark Barnim mit dem Rad sein kann, soll diese Radtour zeigen. Los gehts zum soeben wiederaufgebauten Mühlentor in der 1,3 Kilometer langen Bernauer Stadtmauer. Natürlich steht auch das märkische Backofendorf Danewitz auf der Tourliste. Bereits 1264 soll hier die Handelsstraße Via Bizdal entlanggeführt haben. Heute herrscht hier vor allem Stille. Apropos Backofen: Von den einst zwölf Feldsteinbacköfen in den Gärten der Danewitzer hat man hier nach 1995 einige wiederbelebt. Für einen Tag im Jahr gibt es hier dann so etwas wie Tourismus. In diesem Jahr fiel dieser Tag Ende Mai in den Dauerregen. Ob der eine oder andere Feldsteinbackofen vielleicht an jedem Wochenende frisches Holzofenbrot ausspucken könnte?

Mit dem Lobetal folgt ein Kleinod, wie es landschaftlich schöner und geschichtsträchtiger kaum sein könnte. Fast vergessen ist heute, dass der Lobetaler Pfarrer Uwe Holmer im Winter 1990 einer derjenigen war, der die friedliche Revolution in der DDR friedlich bleiben ließ. Als Leiter der Hoffnungstaler Anstalten gab er dem gestürzten und nun obdachlosen DDR-Staatschef Honecker Kirchenasyl im Pfarrhaus. "Ich hielt es für verlogen, alle Schuld auf Honecker zu schieben, nur um sich reinzuwaschen", sagt Holmer im Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dass es nur einer gewesen sein sollte, das hatte er schon einmal nach dem Krieg erlebt. Draußen forderten derweilen Demonstranten "Keine Gnade mit Honecker" und drohten das Pfarrhaus zu stürmen. "Wem hätte es denn genutzt, jemanden totzuschlagen?", fragt Holmer. "Erschreckend ist es für uns, wie hasserfüllt manche Menschen reagieren. Wir halten das für keine gute Ausgangsbasis für einen Neuanfang in unserem Volk."

Wie immer soll unterwegs ein Café und am Ende ein Restaurant warten - auf einer entspannten Tour für Rad fahrende Genießer!

 

Einfach anmelden - Regionalparkroute durch den Naturpark Barnim erleben!

  • Sonnenuntergangstour: geführte Radtour mit Benno Koch am Sonntag, 30. Juni 2013

  • Strecke: Die rund 30 Kilometer kurze Radtour auf der (teilweise inoffiziellen) Regionalpark Fahrradroute ist kein Radrennen, sondern ein Angebot für Rad fahrende Genießer.

  • Treffpunkte: 12:15 Uhr Berlin Hauptbahnhof und 13:00 Uhr Bahnhof Bernau

  • Ende: gegen 18:30 Uhr am Bahnhof Wandlitzsee

  • Teilnahmegebühr für die Radtour: 12 Euro ermäßigt 8 Euro pro Person

  • externe Kosten: die individuelle Bahnfahrt (ab Bahnhof Wandlitzsee Tarif Berlin ABC 3,10 Euro pro Person und 2,20 Euro pro Fahrrad), sowie der Café- und Restaurantbesuch kommen hinzu

  • Anmeldung: schickt mir bitte einfach eine SMS an Mobil 0157/73746049 oder eine E-Mail an kontakt@benno-koch.de

  • Anmeldestand (26. Juni 2013, 20:38 Uhr): noch 18 von 20 Plätzen frei

  • Teilnahmebedingungen: es gelten die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), die Teilnehmer tragen selbst das allgemeine Risiko, das die Teilnahme am Straßenverkehr mit sich bringt und sind für die Sicherheit ihres Fahrrades selbst verantwortlich, die Rückfahrt erfolgt in der Dunkelheit (Licht)

  • Fahrrad und Bahn: damit auch die Fahrt mit dem RegionalExpress entspannt wird, bitte immer sämtliche Packtaschen und Körbe (auf die eigentlich generell verzichtet sollte) vom Fahrrad nehmen und die Räder mit den Lenkern entgegengesetzt an die Klappsitze lehnen, Fahrgäste auf den Klappsitzen ohne Fahrräder freundlich bitten aufzustehen – und natürlich Rücksicht nehmen!

 

Hintergrund

  • Fotos der (teilweise inoffiziellen) Regionalparkroute in der Bildergalerie www.benno-koch.de ansehen

  • gpx/gps-Track der Radtour von Bernau nach Wandlitz als zip-Datei (12 kb) herunterladen