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Senftenberger See:
Am Nordufer zwischen
Kleinkoschen
und Senftenberg
ist der Radweg
fast perfekt ausgebaut

Senftenberger See: Brandenburgs Fahrradregion Nr. 1

Berlin, 16. Juli 2013 [zuletzt geändert 19.07.13, 13:43 Uhr]

Er ist einen Kilometer lang und wurde acht Mal so teuer wie geplant. Doch kein Boot ist auf dem neuen Koschener Kanal zu sehen. Gleich nebenan steht eine von 63 automatischen Radverkehrszählstellen Brandenburgs. Genau 184.238 Fahrradfahrer wurden hier 2012 gezählt - es ist die erfolgreichste Fahrradregion im Berliner Umland. Benno Koch verrät am Samstag, 20. Juli 2013 die schönsten Strecken durch den Fahrradsommer.

Die Region ist beeindruckend. Vom "Langen schiefen Kerl" ist die Aussicht in 29 Metern Höhe perfekt. Das Waldmeer erstreckt sich in allen Richtungen bis zum Horizont. Dazwischen leuchten die Wasserflächen des einstigen Braunkohletagebaus Niemtsch ein bisschen wie im Amazonas. Ein paar Kilometer weiter wurde richtig geklotzt. Hier am Nordostufer des heutigen Senftenberger Sees ist seit Anfang Juni der Koschener Kanal zum Geierswalder See befahrbar. Brandenburgs längster Radweg "Tour Brandenburg" führt zwischen den Seen hindurch. Und auch die Radwege in diesem Abschnitt sind besser als die der Mecklenburgischen Seenplatte rund um die Müritz.

Und das ist noch nicht alles: In Senftenberg wurde im April 2013 ein nagelneuer Stadthafen eröffnet. Das leicht futuristische Ensemble hat 13 Millionen Euro gekostet. Für den einen Kilometer kurzen Koschener Kanal samt Schleuse wurden zusätzlich 51 Millionen Euro fällig - ursprünglich waren hierfür lediglich 6,5 Millionen Euro geplant.

Es ist Sonntag Nachmittag und wir testen die Region für diesen Radtourentipp. Auf dem 17 Kilometer langen und oft drei Meter breiten Radweg rund um den Senftenberger See sind hunderte Fahrradfahrer unterwegs. Der See liegt dagegen still und verlassen da. Zum Baden ist es zu kalt. Und auch kein Boot stört die Ruhe. Der einzige Dampfer "Santa Barbara" darf sowieso nicht durch den neuen Koschener Kanal fahren - er ist für den Kanaltunnel zu hoch.

Wie keine andere Region Brandenburgs profitiert der Senftenberger See vom Fahrradtourismus. Genau 184.238 Fahrradfahrer fuhren im vergangenen Jahr rund um den See. Praktisch jeder der hier seinen Urlaub verbringt oder auch nur einen Ausflug macht scheint Rad zu fahren. Hunderte Arbeitsplätze in Hotels, Restaurants, Geschäften oder auf Campingplätzen hängen direkt vom Fahrradtourismus ab.

Selbst wenn die 120 Bootsliegeplätze im neuen Senftenberger Hafen irgendwann einmal alle belegt sein sollten, wird Wassersport immer die teuerste und seltenste Form von Tourismus bleiben. Und nur an wenigen Tagen im Jahr möglich sein. Alleine mit den 64 Millionen Euro für Hafen und Kanal könnte man 640 Kilometer Fahrradstraßen vollkommen neu bauen. Denn noch sind die Lücken im Land Brandenburg groß und der Sanierungsbedarf der gerade erst neu gebauten Radwege gewaltig. Tatsächlich stehen für die notwendige Unterhaltung der Radwege in der Region Senftenberger See pro Jahr genau 25.000 Euro zur Verfügung.

Diese Radtour für Genießer zeigt natürlich wie immer nur die schönsten Seiten und führt von Elsterwerda über 55 Kilometer nach Senftenberg. Elsterwerda liegt im Landkreis Elbe-Elster und ist das komplette Gegenteil von Senftenberg. Zwar sind viele Fassaden der Altstadt saniert, der Markt gerade neu gestaltet - und doch wirkt die Stadt irgendwie leblos. Dazu passt anfangs auch der Radweg: Offiziell geht's nicht durch das schöne Zentrum. Die Einbahnstraßen hier sind für Radfahrer nicht in Gegenrichtung freigegeben. Stattdessen lernt man die Umgehungsstraße und das Gewerbegebiet gut kennen.

Weil aber selbst das so genannte Gewerbegebiet inzwischen eher einer grünen Oase gleicht und der Fluss Schwarze Elster bereits kurz danach erreicht ist, wirkt auch diese Szenerie beschaulich. Als dann hinter der Bockwindmühle der perfekte Asphaltstreifen unter alten Bäumen direkt am Kanal erreicht ist, sind wir uns einig: "Es ist schöner als in Frankreich!"

Es ist ganz ruhig, niemand außer uns ist jetzt hier. Nur ein altes Ehepaar genießt den eher kühlen Sommertag auf einer schattigen Bank. Ihre Räder stehen gleich nebenan. "Was gibt's Neues in der Region?", wollen wir wissen. Natürlich sind die bestens asphaltierten Radwege entlang der Schwarzen Elster noch immer eine Sensation. "Ohne den damaligen Bundestagsabgeordneten Hilsberg würde es die nicht geben." Und Sehenswürdigkeiten links und rechts? Das einstige Kraftwerk Plessa und heutige Industriedenkmal am Horizont sei ohne Führung nicht so interessant.

Aber die sanierte Wassermühle Plessa liege samt Mühlenschänke direkt am Radweg. Wenig später erreichen wir das 300 Jahre alte Fachwerkkleinod, zu dem seit einem Jahr eine neue Holzbrücke wieder über die Elster führt. Mit einer kleinen Ironie am Rande: Auf der als Fahrradbrücke geförderten Elsterbrücke ist das Rad fahren verboten.

Hinter Plessa endet der Asphaltstreifen und geht bis Lauchhammer in einen Kiesweg über. Ist das der Punkt, an dem Stephan Hilsberg von seiner Partei nicht mehr für den Bundestag aufgestellt wurde? Oder ist es einfach nur die Landkreisgrenze zwischen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz? Möglicherweise beides. Kleinstaaterei in jedem Fall inklusive: Die Fahrradwegweisung in Elbe-Elster hat das Ziel "Senftenberg" mit seinem See und dem Bahnhof jedenfalls "vergessen". Wer will schon in den nächsten Landkreis?

Nun führt der Radweg mitten durch Lauchhammer und Schwarzheide. Als eine der ältesten Industrieregionen Brandenburgs sind die Städte seit 300 Jahren von der Raseneisenerzgewinnung bis zur Braunkohleveredlung geprägt gewesen. Noch heute werden hier Bronzeglocken gegossen und in alle Welt exportiert.

Schnell geht es wieder hinaus ins Grüne. Direkt am Radweg sind jetzt die Walderdbeeren und die Blaubeeren reif. Im Dorf Biehlen bereitet sich einer der wenigen Jungstorche des Jahres auf die ersten Flugübungen vor. Gleich gegenüber wartet seit knapp einem Jahr ein neuer Hofladen mit seinem Gartencafé und Bioprodukten aus der Region. Doch dann kommt endlich das große Finale am Ufer des Senftenberger Sees - in Brandenburgs Fahrradregion Nr. 1!

Natürlich wartet unterwegs wie immer ein gutes Café und am Ende ein schönes Restaurant. Diesmal vielleicht direkt am Ufer des Senftenberger Sees. Auf einer entspannten Radtour für Genießer.

 

Einfach anmelden - Tour Brandenburg und Senftenberger See erleben!

  • Sonnenuntergangstour: geführte Radtour mit Benno Koch am Samstag, 20. Juli 2013

  • Strecke: Die rund 55 Kilometer kurze Tour (mit Rückenwind) auf der Tour Brandenburg ist kein Radrennen, sondern ein Angebot für Rad fahrende Genießer.

  • Treffpunkt: 9:15 Uhr, Berlin Hauptbahnhof

  • Ende: gegen 22:30 Uhr in Berlin-Mitte

  • Teilnahmegebühr für die Radtour: 12 Euro ermäßigt 8 Euro pro Person

  • externe Kosten: die Bahnfahrt (5,80 Euro bei einer durch fünf teilbaren Teilnehmerzahl plus 5,00 Euro fürs Fahrrad) sowie der Café- und Restaurantbesuch kommen hinzu

  • Anmeldung: schickt mir bitte einfach eine SMS an Mobil 0157/73746049 oder eine E-Mail an kontakt@benno-koch.de

  • Anmeldestand (19. Juli 2013, 13:43 Uhr): noch 6 von 20 Plätzen frei

  • Badepausen: in vielen schönen Seen entlang der Radtour möglich, Badesachen bitte nicht vergessen!

  • Teilnahmebedingungen: es gelten die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), die Teilnehmer tragen selbst das allgemeine Risiko, das die Teilnahme am Straßenverkehr mit sich bringt und sind für die Sicherheit ihres Fahrrades selbst verantwortlich, die Rückfahrt erfolgt in der Dunkelheit (Licht)

  • Fahrrad und Bahn: damit auch die Fahrt mit der Bahn entspannt wird, bitte im RegionalExpress immer sämtliche Packtaschen und Körbe (auf die eigentlich generell verzichtet sollte) vom Fahrrad nehmen und die Räder mit den Lenkern entgegengesetzt an die Klappsitze lehnen, Fahrgäste auf den Klappsitzen ohne Fahrräder freundlich bitten aufzustehen – und natürlich Rücksicht nehmen!

 

Hintergrund

  • Fotos der Tour Brandenburg in der Bildergalerie www.benno-koch.de ansehen

  • gpx/gps-Track der Tour Brandenburg (Abschnitt Elsterwerda-Senftenberg) als zip-Datei (15 kb) herunterladen