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Traumziel Spreeauen:
Wie hier kurz hinter der
Kersdorfer Schleuse
verläuft der Spree-Radweg
tatsächlich an der Spree -
glutrote Sonnenuntergänge
im Herbst inklusive

Spree-Radweg: Entdeckungen zwischen Fangschleuse und Beeskow

Berlin, 23. September 2013 [zuletzt geändert 25.09.13, 01:09 Uhr]

Der naheliegendste Radfernweg in der Hauptstadtregion ist der Spree-Radweg. Ein durchgängiger Wohlfühlradweg entlang der Spree ist in Berlin noch nicht erkennbar. Wie es an der Stadtgrenze in Brandenburg aussieht hat sich Benno Koch in diesen Tagen angesehen und verrät am Samstag, 28. September 2013 die schönsten Strecken durch den Fahrradherbst.

Erkner hat soeben Fahrradverbots-Schilder rund um den neugestalteten Bahnhof aufgestellt. Es geht ums Fahrradparken. Riesige Flächen sind dem Autoverkehr und den wenigen Bussen vorbehalten. Pendler sollen ihre Fahrräder in eng stehende Felgenkiller und zu wenige (und zu eng zur Böschungswand aufgebauten) Fahrradbügel zwängen. In Berlin sind erstere seit Jahren verboten, hier werden sie neu gebaut. Für letztere gibt es klar festgelegte Mindestabstände - so dass man sein Fahrrad auch wirklich parken kann. Der Einstieg zum Spree-Radweg am Endpunkt der Berliner S-Bahn ist keine Visitenkarte einer fahrradfreundlichen Stadt.

Die Fehlplanungen beim Thema Fahrrad haben in Erkner System: Ein neuer Radweg unter der Bahnhofsbrücke verläuft auf dem Gehweg, ist schmaler als die Straßenverkehrsordnung es vorschreibt und benutzungspflichtig. Die roten Betonsteine sind mit Fasen in Längsrichtung verlegt - Konflikte mit Fußgängern und Schlangenlinien in Spurrinnen sind vorprogrammiert. In der folgenden Friedrichstraße, der Einkaufsstraße des Ortes, werden Fahrradfahrer ebenfalls auf zu schmale Gehweg-Radweg gezwungen.

Von einem echten Spree-Radweg zu sprechen ist von Erkner bis Neu Hartmannsdorf ohnehin übertrieben: Entweder ist er nicht vorhanden oder die Schranken wurden längst umgefahren und die theoretische Fahrradstraße mit Tempo 30 in eine Gemeindestraße mit Tempo 60 verwandelt - letztere außerhalb des Stadtgebiets von Erkner.

Was bringt eine Kleinstadt wie Erkner im Jahre 2013 dazu derart unprofessionell mit Mobilität aus Fahrradverkehr und Fahrradtourismus umzugehen? Theoretisch ist jeder Punkt des 11.645 Einwohner zählenden grünen Vorortes in wenigen Minuten mit dem Fahrrad erreichbar. Fehlt in Brandenburg etwa ein unabhängiger Fahrradbeauftragter, damit nicht jede Kommune die alten Fehler neu macht?

Natürlich zeigt diese Radtour nur die schönsten Seiten des Spree-Radweges - und beginnt daher nicht im desinteressierten Erkner, sondern eine Bahnstation weiter in Fangschleuse. Ganz inoffiziell natürlich. Aber hier beginnt der Radweg direkt am Bahnsteig - breit und asphaltiert. Die in der Vergangenheit scheinbar unvermeidlichen Wurzelaufbrüche sind anfangs auch hier zu finden. Farbige Baumarkierungen lassen aber auf eine Sanierung hoffen.

In Spreeau wird die Spree und kurz darauf der offizielle Spree-Radweg erreicht. Nun geht es abseits der Landstraßen auf gut ausgebauten Fahrradstraßen durch die Auenlandschaft und idyllische Dörfer wie Kirchofen, Mönchwinkel und Spreetal.

In Hangelsberg ist wieder so etwas wie Zivilisation erreicht. Tapfer hält hier eine Imbissbude mit dem schönen Namen Spree Curry die Stellung. Sogar am Wochenende. Ein nettes Café mit frisch gebackenen Kuchen sucht man vergeblich.

Genaugenommen scheinen es die Koordinatoren des Spree-Radweges in so vielen Jahren auch nicht geschafft zu haben, eine Grundstruktur an Geldabwurfstellen am Radweg zu schaffen. Gleich zwei Gasthöfe sind bei der Test-Radtour im September geschlossen - wegen Betriebsferien. Wann wollen die hier eigentlich Geld verdienen? Vielleicht bei schönen Winter-Radtouren? Werden nicht so viel Luftschlösser in Brandenburg gefördert - wie wäre es mal mit Bürgercafés in jedem Dorf?

Die alten Eichenalleen direkt am Spreeufer sind nun ein Traum, der nur kurz von Fürstenwalde (Spree) unterbrochen wird. Dass Fahrradverkehr und Fahrradtourismus beim Ausbau der Infrastruktur hier trotz riesiger Umgehungsstraßen für den Kfz-Verkehr keine ernstzunehmende Rolle spielen, muss nicht groß erwähnt werden. Einige hundert Meter Schlamm und Schlaglöcher müssen bei der Einfahrt in die Stadt auch nach mehr als 15 Jahren nach den Anfängen des Spree-Radweges sein. Bei der Ausfahrt werden es holprige Betonsteine sein.

Hier ist aber auch Gelegenheit zu überprüfen, ob Fürstenwalde seinem Wunsch eine Domstadt zu sein und künftig auch so zu heißen, gerecht wird. Ob der wiederaufgebaute Turm St. Marien tatsächlich bestiegen werden darf, muss jedenfalls noch aufwändig geklärt werden. Ein gutes Café soll es in Fürstenwalde jedoch schon geben.

Dann folgt der heimliche Höhepunkt des Spree-Radweges: Kurz hinter Berkenbrück beginnt ein neu ausgebauter Abschnitt zur Kersdorfer Schleuse. Der Ende 2012 fertiggestellte drei Meter breite Asphaltstreifen erinnert an beste Zeiten des Fläming Skates und führt durch dichte Wälder. So dicht, dass hier im Forsthaus an der Flut seit 1969 die Staatssicherheit der DDR residierte und nach 1980 heimlich einen "Terroristenstützpunkt für RAF-Aussteiger" betrieb. Mitglieder der westdeutschen Rote Armee Fraktion wie Henning Beer und Christian Klar sollen hier von Stasi-Offizieren an Panzerfäusten trainiert worden sein. Eine neue Biografie als DDR-Bürger gab's bei den Schulungen damals noch dazu.

Heute scheint hier alles ganz friedlich. So friedlich, dass der Gasthof Am Rehhagen an der Kersdorfer Schleuse zum Verkauf steht. Dagegen wird die Natur immer spektakulärer: Zwischen der naturbelassenen Spree und dem Oder-Spree-Kanal schlängelt sich der Radweg auf dem Deich in Richtung Neubrück (Spree). Und mit ein bisschen Glück warten hier im Herbst die ersten Nebelbänke und darüber ein glutroter Sonnenuntergang.

Bis nach Beeskow ist es nun nicht mehr weit, die hinter Rassmannsdorf bestens ausgebauten Fahrradstraßen machen es leicht. Nach 65 Kilometern ist die historische Altstadt der Kreisstadt erreicht. Wieder mit Dom und mit der guten Küche eines engagierten Restaurants - versprochen! Natürlich auf einer entspannten Radtour für Genießer.

 

Einfach anmelden -  Spree-Radweg zwischen Fangschleuse und Beeskow entdecken!

  • Sonnenuntergangstour: geführte Radtour mit Benno Koch am Samstag, 28. September 2013

  • Strecke: Die rund 65 Kilometer kurze Tour auf dem Spree-Radweg ist kein Radrennen, sondern ein Angebot für Rad fahrende Genießer.

  • Treffpunkt: 11:00 Uhr, Berlin Hauptbahnhof

  • Ende: kurz vor 22:30 Uhr in Berlin-Mitte

  • Teilnahmegebühr für die Radtour: 12 Euro ermäßigt 8 Euro pro Person

  • externe Kosten: die Bahnfahrt (5,80 Euro bei einer durch fünf teilbaren Teilnehmerzahl plus 5,00 Euro fürs Fahrrad) sowie der Café- und Restaurantbesuch kommen hinzu

  • Anmeldung: schickt mir bitte einfach eine SMS an Mobil 0157/73746049 oder eine E-Mail an kontakt@benno-koch.de

  • Anmeldestand (25. September 2013, 01:09 Uhr): noch 13 von 20 Plätzen frei

  • Badepausen: entlang der Radtour möglich, Badesachen bitte nicht vergessen!

  • Teilnahmebedingungen: es gelten die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), die Teilnehmer tragen selbst das allgemeine Risiko, das die Teilnahme am Straßenverkehr mit sich bringt und sind für die Sicherheit ihres Fahrrades selbst verantwortlich, die Rückfahrt erfolgt in der Dunkelheit (Licht)

  • Fahrrad und Bahn: damit auch die Fahrt mit der Bahn entspannt wird, bitte im RegionalExpress immer sämtliche Packtaschen und Körbe (auf die eigentlich generell verzichtet sollte) vom Fahrrad nehmen und die Räder mit den Lenkern entgegengesetzt an die Klappsitze lehnen, Fahrgäste auf den Klappsitzen ohne Fahrräder freundlich bitten aufzustehen – und natürlich Rücksicht nehmen!

 

Hintergrund

  • Fotos vom Spree-Radweg in der Bildergalerie www.benno-koch.de ansehen

  • gpx/gps-Track der Radtour Fangschleuse-Beeskow als zip-Datei (39 kb) herunterladen