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Radio Eins Radtourentipp (3): Radfahren in Polen

Berlin, 29. Juli 2014

Polen ist noch immer touristisches Neuland. Dabei macht der Spagat zwischen einer Reise in die Vergangenheit und dem rasanten Aufbruch in die Gegenwart das Land so spannend wie kaum ein anderes in Europa. Benno Koch verrät am heutigen Dienstag, 29. Juli 2014 im Radio Eins Interview um kurz nach Zwölf die schönsten Strecken durch den Fahrradsommer. Und am Samstag nach der Sendung (2. August 2014) gibt's die 50 Kilometer kurze Strecke als geführte Radtour zum Mitradeln.

Natürlich hat Friedrich Liechtenstein sein Video Belgique, Belgique nicht in Brüssel, sondern in Danzig gedreht. So alte Züge und so schöne Hafenanlagen gibt es nur hier. Zehn Jahre nach dem EU-Beitritt hat sich Polen aber auch rasant modernisiert. Kaum ein Marktplatz ist nicht saniert worden, neue Niederflurtriebwagen mit großen Mehrzweckabteilen für die Fahrradmitnahme wurden angeschafft, die neuen SPA-Hotels lassen ein ungekanntes Urlaubsgefühl aufkommen.

Im dritten Teil des Radio Eins Radtourentipps geht es diesmal um das wohl exotischste Reiseziel direkt vor der Berliner Haustür: Westpolen. Ganz inoffiziell natürlich im Ranking des Radio Eins Fahrradexperten Benno Koch. Aber es gibt gewichtige Gründe: Die ersten Radwege sind neu gebaut. Schlösser erwachen aus dem Dornröschenschlaf. Und vor allem die Gastfreundschaft ist grenzenlos.

Ein schöner unkomplizierter Einstieg in den Fahrradtourismus in Westpolen ist der inoffizielle Oder-Neiße-Radweg zwischen Forst (Lausitz) und Guben. Die Strecke ist keine 50 Kilometer lang. Natürlich ist hier kein Radweg durchgängig ausgebaut worden. Abgesehen vom straßenbegleitenden Radweg nach Brody. Und die Radroute führt auch nicht am Ufer der Neiße entlang. Die Idee ist vor allem die Kulturlandschaft und die Akteure der Region einzubeziehen. Auf ruhigen Landstraßen.

Plötzlich bekommen die Ländereien des Grafen Brühl wieder ein Gesicht. Aus den Ruinen des Pałac Brody (Schloss Pförten) wird seit einigen Monaten nach und nach wieder ein großartiges Ensemble. In mehreren deutsch-polnischen Parkseminaren wurde der Landschaftspark beräumt und ist wieder erkennbar. Das Dach des Schlosses ist wieder dicht, die Sanierung macht sichtbare Fortschritte. 2017 soll im Schloss die erste Hochzeit gefeiert werden.

Ein paar Kilometer weiter in Welhto (Wielotów) hat Dorota Schewior dem Traum vom Landleben ein neues Gesicht gegeben. Auf ihrem Hof wird alles angebaut, was eine frische Küche braucht. Die hauseigene Konditorei ist ein Gedicht. Dorotas Gartencafé beweist weit ab jeder Hauptstraße, jedes Bahnhofes und jeder größeren Siedlung, was möglich ist. Mit Gastfreundschaft und Qualität.

Alle Details zur Strecke gibt's wie immer live als Radio Eins Radtourentipp zunächst theoretisch. Und wer möchte, kann die Strecke am Samstag, 2. August 2014 mit dem Radio Eins Fahrradexperten Benno Koch nachradeln.

 

Alle Infos zum Fahrradtourismus in Polen:

  • Sicher Radfahren: ausgebaute Radfernwege mit Fahrradstraßen abseits der Landstraßen gibt es in Polen noch nicht, aber es gibt erste sehr gute Beispiele wie der neue Radweg auf dem alten Bahndamm der Kolberger Kleinbahn; wer mit dem Rad in der Gruppe unterwegs ist, wird meist viel Respekt erfahren, viele Autofahrer fahren in Fällen wie diesem dann fast in Straßengraben; wer alleine mit dem Rad unterwegs ist, wird ein anderes, gleichgültigeres Verhalten erleben, aber das Verkehrsklima hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert; mehr allgemeine Infos unter www.benno-koch.de nachlesen; und nicht vergessen: Das eiskalte Feierabendbier sollte man in Polen erst am Ende der Radtour genießen, es gilt eine 0,2 Promillegrenze und die Strafen bei Verstößen sind drastisch und können auch schnell zwei Tage Untersuchungshaft bedeuten

  • Fahrrad und Bahn Polen: die Fahrradmitnahme in den polnischen Bahnen ist praktisch immer möglich, auch wenn es kein Fahrradabteil gibt (offiziell letzten Wagen, letzten Einstieg nutzen); die Low Cost Fernzüge TLK von Stettin (Szczecin) nach Danzig (Gdansk) haben seit 2014 alle Fahrradabteile, der Berlin-Warschau-Express bereits seit 2006 und die neuen Niederflugtriebwagen zum Beispiel auf der Ostbahn von Küstrin (Kostrzyn) über Landsberg (Gorzow) nach Schneidemühl (Pila) oder von Stettin (Szczecin) nach Kolberg (Kolobrzeg) sowieso; in den alten elektrischen Triebzügen (zum Beispiel nach Swinemünde oder Grünberg) ist das Fahrradabteil immer im letzten Wagen, bei längeren Triebeinheiten auch in der Mitte; die Fahrradmitnahme im Regionalverkehr kostet 7 Zloty (1,69 Euro) und ist zusammen mit dem Bilet turystyczny (45 Zloty (10,85 Euro) gilt von Freitag 18 Uhr bis Montag 6 Uhr für eine Person beliebig weit in allen Regionalzügen) ein unkompliziertes Angebot; Bahnverbindungen sicher und aktuell abfragen sollte man nicht über deutsche Websites wie bahn.de, sondern direkt unter rozklad-pkp.pl (Ortsnamen müssen in Polnisch eingegeben werden, aber es werden auch Anschlüsse berücksichtigt, die bahn.de nach deutschen Vorstellungen wie Umsteigezeiten ausschließt); Tickets gibts an erstaunlich viele Bahnhöfen noch vor Ort oder einfach gleich nach dem Einsteigen den Schaffner ansprechen, um Missverständnisse zu vermeiden

  • Fahrrad und Übernachten: die Zahl der Hotelbetten hat sich in Polen in den letzten Jahren vervielfacht, die Qualität auch, die Preise sind oft niedriger als in Deutschland; zwar gibt es kein offizielles Label Bett&Bike, aber bei entsprechender Nachfrage ist es selbst im InterContinental Warsaw und in allen anderen modernen Hotels kein Problem sein Rad sicher zu parken; wer zum Beispiel entlang der Oder von Frankfurt (Oder) nach Breslau (Wroclaw) unterwegs ist, wird in den meisten Orten keine Zeltplätze finden, aber auf Nachfrage beim (Wasser-)Sportverein oder beim Bauern sollte es keine Probleme geben, wildes Campen ist übrigens offiziell verboten, wird aber offenbar nicht nur geduldet, sondern von den Anwohnern mit großer Gastfreundschaft aufgenommen

 

Info und Anmeldung Radtour "Brühlsches Schloss und Dorotas Gartencafé"