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8-er de grens:
An einem Trampelpfad
hinter dem
Zwillbrocker Venn
wacht noch immer
der deutsche Zoll-
naja, nur so aus Spaß für
harmlose Fahrradtouristen

8-er de grens: Grenzgeschichten auf dem Rad

Berlin, 5. August 2014

Das Hotel Kloppendiek steht fast auf der Grenze. Wenige Meter hinter dem Anwesen haben sich im Zwillbrocker Venn bis zu 50 wilde Flamingos angesiedelt. Schmale Pfade führen am Teich entlang durch die Felder. Hier trafen sich einst die Schmuggler. Mit einer neuen 75 Kilometer kurzen Radroute wird die Geschichte wieder lebendig. Benno Koch hat die Region auf einer größeren Runde zwischen Münster, Zwillbrock, Doesburg, Zutphen, Deventer und Bad Bentheim getestet.

8-er de grens ist die erste grenzüberschreitende Radroute mit Knotenpunktsystem. Wenn alles klappt, kann man sich ganz individuell seine Strecken und Abkürzungen zwischen den einzelnen Knoten zusammenstellen. Doch hier im Grenzgebiet zwischen dem niederländischen Gelderland und dem deutschen Borken war Rad fahren schon immer einfacher. Bei praktisch jeder Verkehrsplanung scheinen Radfahrer angemessen berücksichtigt zu werden: Es gibt Radspuren und Tempo-60-Zonen auf Landstraßen außerhalb der Ortschaften, vier Meter breite straßenbegleitende Radwege und auch mal abgetrennte befahrbare Seitenstreifen neben Sandwegen.

Noch 1995 gab es zwischen Deutschland und den Niederlanden an den Grenzübergängen Personenkontrollen. Und die unglaublichsten Schmuggelgeschichten. Nicht nur Alkohol, Tabak, Benzin und Kaffee wurden gerne zollfrei über die grüne Grenze gebracht. Eine Frau schmuggelt unter ihrem Mantel gute holländische Butter und wurde erwischt. Die Kontrolle ging nicht ganz so zügig voran und so begann sich das Milchfett wieder zu verflüssigen.

So oder so ähnlich spielten sich manchmal wahre Dramen ab. Heute begrüßt ein einstiger Zollbeamter auch mal gerne Fahrradtouristen an der 8-er de grens. Dann wird wahlweise mit Zöllner- oder Schmuggler-Trunk ordentlich auf die gute alte Zeit angestoßen.

Gelderland wirkt ein bisschen wie Brandenburg. Nur reicher. Es gibt schmale alte Alleen, Gutshäuser, Wind- und Wassermühlen. Natürlich ist die Region dichter besiedelt und lebendiger. Und dabei immer grün auf praktisch jedem Weg mit dem Fahrrad stressfrei zu erleben. Touristisch ist sie jedoch so etwas wie ein Geheimtipp.

Von Berlin aus kommt man schnell mit Rad und Bahn in die Region. In gut vier Stunden ist man mit dem Intercity der Deutschen Bahn samt Fahrradmitnahme schon mal in Münster. Einmal umsteigen inklusive. Von der offiziellen Fahrradhauptstadt Deutschlands führt der Europaradweg R1 direkt nach Zwillbrock. Mit einer Tagestour ist die Strecke auf dem Rad zu schaffen.

Und hier erschließt sich dann nicht nur die kleine Welt der Schmuggler entlang der 8-er de grens. Rund 50 Kilometer weiter liegt die ganz große Welt der Hanse. Doesburg, Zutphen und Deventer sind drei Perlen, die sich entlang der Ijssel aufreihen. Der passende, insgesamt 135 Kilometer lange Radfernweg dazu heißt LF3 Hanzeroute. Gelderland ist ein Traum für den perfekten Kurzurlaub mit dem Rad.

 

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