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Berlins geheime Fahrradparkhäuser

Berlin, 12. November 2014

Berlins Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler kündigte im September "erstmals" den Bau von Fahrradparkhäusern in der Bundeshauptstadt an. Einziges Problem: Die Finanzierung, die Gestaltung und ein Betreiber sind noch offen. Fahrraddiebstahl ist das häufigste Einzeldelikt in der Kriminalstatistik und sicheres Fahrradparken ein massives Problem. Benno Koch hat eine kleine Bestandsaufnahme gemacht.

Es ist warm, trocken, beleuchtet, videoüberwacht, rund um die Uhr geöffnet, kostenlos, zentral gelegen und praktisch unbekannt: Das erste Fahrradparkhaus Berlins. Seit seiner Eröffnung vor 16 Jahren am 2. Oktober 1998 ist es einer der geheimsten Orte für Radfahrer. Mitten in Berlin-Mitte. Während sich oben die Fahrräder an nur 270 Fahrradbügeln stapeln, stehen hunderte Fahrradstellplätze nur wenige Meter darunter leer.

Der Potsdamer Platz ist noch immer einer der Verkehrsknoten Berlins. Genauer gesagt: Wieder. Nach dem Fall der Berliner Mauer hat sich das Areal neu erfunden. Ein neuer Regionalbahnhof, eine reaktivierte U-Bahn- und mehrere S-Bahnlinien sowie ein wichtiger Kreuzungspunkt für viele Fahrradfahrer am Rand des Großen Tiergartens treffen hier aufeinander. Mit den Potsdamer Platz Arkaden und dem Sony Center ist zudem eine Stadt in der Stadt neu entstanden. Mit Kinos, Theatern, Malls, Hotels, Restaurants, Wohnungen und Büros.

Während es beim Neu- oder Umbau von Bahnhöfen in Berlin noch immer keine verbindlichen Vorgaben für den Bau von Fahrradparkplätzen gibt, sind letztere beim Bau von Wohnungen, Geschäften, Büros, Schulen oder Veranstaltungsorten seit Jahren detailliert qualitativ und quantitativ vorgeschrieben. Die Berliner Bauordnung und die dazugehörigen Ausführungsvorschriften AV Stellplätze geben den gesetzlichen Rahmen vor.

So entstanden beim Bau der Potsdamer Platz Arkaden 540 Fahrradstellplätze an 270 Fahrradbügeln oberirdisch an den Straßenrändern. Der Parkdruck ist hier jedoch so groß, dass praktisch jedes Geländer, jedes Verkehrsschild und jeder Baum zum Abschließen von Fahrrädern mitgenutzt werden muss.

Die Parkhäuser unter und neben dem Potsdamer Platz verfügen dagegen über mehr als 4.000 Kfz-Parkplätze. Offensichtlich auch nach 16 Jahren noch immer vollkommen unbekannt befinden sich hier auch 688 Fahrradstellplätze. Die Fahrradbügel sind auf freien Flächen in den Kurven, Nischen und zwischen den Säulen fest eingebaut. Alle Zufahrten zum Parkhaus sind nutzbar. Verbote sind nicht zu finden. Aber auch keine Hinweise auf Berlins erstes und größtes Fahrradparkhaus Potsdamer Platz.

Das Center-Management der Potsdamer Platz Arkaden hat auf Nachfrage versprochen, nun wenigstens die eigene Website um ein paar Informationen zur Anfahrt mit dem Fahrrad zu ergänzen - bis Anfang November 2014 stand dort nichts zum Fahrradparken. Für Hinweise am und im Parkhaus selbst sei eine weitere Servicegesellschaft zuständig.


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