Login  

RBB TV Kurz vor 5: Tipps für den Fahrradwinter

Berlin, 14. November 2014

Gibt es eigentlich Tage im Jahr an denen man das Fahrrad stehen lassen sollte? Mit welcher Kleidung kommt man gut durch die kalte Jahreszeit? Und wann ist man als Fahrradfahrer gut sichtbar? Fahrradexperte Benno Koch hat einige dieser Fragen im Gespräch mit Marion Pinkpank versucht zu klären - am heutigen Freitag um "Kurz vor 5" im RBB Fernsehen.

Mitte November am Großen Stern in Berlin: Der zähe Nebel hüllt die Stadt in ein einziges Grau. Schon mittags will man jedes verfügbare Licht anschalten. Berlin hat sich verändert. Während vor zehn Jahren Nabendynamo und Diodenscheinwerfer für die meisten Radfahrer so unvorstellbar waren, wie sagen wir mal ein Smartphone mit Touchscreen, ist heute die Mehrzahl auch tagsüber mit richtigem Licht am Rad unterwegs.

Und auch die Zahl der Radfahrer am Großen Stern ist selbst am frühen Nachmittag so beeindruckend, dass der Kameramann bei der ersten "Gruppe" von vielleicht 20, 30 Radfahrern aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Dass gerade in diesem Moment die Kamera versagt, geht als Murphy's Law durch.

Doch wie kommt man nun gut mit dem Fahrrad durch das Winterhalbjahr? In jedem Fall ist Rad fahren wärmer, als eine Stunde zu Fuß am Großen Stern zu verbringen. Alles beginnt mit der ersten Bekleidungsschicht, der Funktionsunterwäsche. Gerade in jüngster Zeit hat sich hier einiges verändert: Eng anliegend direkt auf der Haut bilden sich keine Luftpolster, kann also die Feuchtigkeit am besten abgeleitet werden und die Hautoberfläche bleibt gleichmäßig warm und trocken. Eine spezielle Seite zur Ausrüstung bei Radtouren sowie eine kompetente Beratung für Funktionsbekleidung gibt es bei Outdoorspezialisten wie Globetrotter.

Das Thema richtiges Licht am Fahrrad hat in den letzten Jahren eine Innovation nach der anderen erlebt. Inzwischen gibt es nicht nur Diodenscheinwerfer mit 90 Lux im Dynamobetrieb und Tagfahrlicht, sondern auch Fernlicht und Bremslicht für Radfahrer. Der deutsche Hersteller Busch & Müller treibt dabei den Wettbewerb mit immer neuen Ideen vor sich her.

Der Scheinwerfer Lumotec IQ2 Luxos U ist dabei das Flaggschiff des Unternehmens "wie es nur alle zehn Jahre einmal entwickelt werden kann". Das Lichtfeld ist doppelt so breit wie bisher, weitgehend homogen und mit Tag- und Fernlichtfunktion. Der Pufferakku und die USB-Buchse für's Smartphone sind schon integriert. Beim Listenpreis von 179 Euro ein echtes Weihnachtsgeschenk.

"In Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Köln investieren die Fahrradfahrer viel häufiger in gutes Licht, als bei uns auf dem Land", sagt Ulrich Haase, Verkaufsleiter von Busch & Müller.

Doch wie stellt man einen Fahrradscheinwerfer professionell ein und vermindert so die Blendwirkung? Haase: "Wir haben ein Tool Einstellung Scheinwerfer entwickelt, mit dem man den Neigungswinkel richtig einstellen kann."

Bleibt noch die Frage: Ist Radfahren in der Dämmerung oder der Dunkelheit eigentlich gefährlicher als bei Tageslicht? Ganze 64 Fahrradunfälle registrierte die Berliner Polizei im Jahre 2013 aufgrund von "Radfahren ohne Licht". Das entsprach 0,92 Prozent aller Fahrradunfälle. Augenscheinlich fahren immer mehr Radfahrer mit Licht und eben auch mit gutem Licht.

Statistisch gesehen ist das Winterhalbjahr für Fahrradfahrer sicherer: Während auf dem Höhepunkt des Jahres im Juli 2013 bundesweit 11.239 Fahrradunfälle registriert wurden, waren es im November 2013 nur noch 4.671. Der tiefste Stand war im Februar 2013 mit nur 2.052 Fahrradunfällen erreicht. Dunkelheit, Kälte oder Glätte müssen also keine Risikofaktoren sein. Und augenscheinlich vor allem auch im Winter hat zumindest der Alltagsfahrradverkehr zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit deutlich zugenommen.

Und an welchen Tagen im Jahr sollte man nun sein Fahrrad stehen lassen? Auf Neuschnee kann man sicher Rad fahren. Die Outdoor-Ausrüster für das Leben draußen boomen noch immer. Kälte ist kein Grund an der Bus-Haltestelle zu frieren. Gesunde Bewegung auf dem Rad hält wirklich warm. Doch der erste Glatteistag im Jahr darf ruhig mal fahrradfrei sein.

 

Hintergrund