Login  

Tour-Tagebuch BUGA: E-Bike-Test bei gefühlten minus Zehn Grad

Berlin, 2. Dezember 2014

BUGA 2015: In gut vier Monaten startet die erste Bundesgartenschau an fünf Standorten. Auf einer Länge von 80 Kilometern entlang der Havel zwischen der Stadt Brandenburg und Havelberg wird vor allem der Fahrradtourismus eine neue Rolle spielen. Erstmals sollen 250 E-Bikes über einen langen Zeitraum eine Region verändern. Einen wohltemperierten Test der BUGA Havelregion mit dem E-Bike beschreibt eine neue Seite im Tour-Tagebuch von Benno Koch.

Es ist Ende November. Das Winterhalbjahr versucht in diesen Tagen mit der ganzen Palette an Grautönen alle Vorurteile zu bestätigen. Die Temperaturen klettern kaum noch über Null Grad. Der eisige Ostwind lässt die gefühlte Temperatur locker auf minus Zehn Grad sinken. Zwei Tage vor einem E-Bike-Test in der BUGA Havelregion bin ich in Berlin zu Fuß unterwegs. Wie die anderen Passanten auch, friere ich an jeder Bushaltestelle.

Szenenwechsel. Der vergangene Sonntag bestätigte wieder alle Vorurteile. Wer nicht musste, blieb zu Hause. In der Havelregion war niemand mit dem Rad unterwegs, zu Fuß auch nicht. Der Havel-Radweg lag ebenso menschenleer vor sich hin, wie auch die Strände und Häfen der BUGA-Region 2015.

Doch im frisch sanierten Brandenburger Hauptbahnhof war alles anderes. Ein Dutzend Neugieriger wollte es wissen: Wie funktionieren die 250 BUGA-E-Bikes und wie die riesige Bundesgartenschau erstmals auf 80.000 Hektar?

Die neue Fahrradstation des gleichnamigen Unternehmens aus Berlin im alten Bahnhofsgebäude war wohltemperiert. Veranstaltungsmanagerin Katja Richarz hatte die E-Bike Akkus noch mal überprüft. Aufgrund der Minusgrade gab es zu jedem E-Bike einen Ersatzakku dazu. Normalerweise soll eine Ladung für 60 Kilometer reichen.

Christian Bodach ist Leiter Touristische Infrastruktur der BUGA Havelregion. Mehr als 100.000 Fahrradfahrer werden 2015 zwischen Brandenburg und Havelberg erwartet. So hat man sich gleich zwei BUGA-Routen ausgedacht: Eine Express-Route auf straßenbegleitenden Radwegen zu den wichtigsten Städten und eine landschaftlich ruhigere im Verlauf des Havel-Radweges. Die meisten Radwege waren bereits vorhanden, aber drei größere Lückenschlüsse sind vor allem der BUGA zu verdanken.

Dann wird es ernst: Mützen, Kaputzen, Handschuhe und Funktionsbekleidung sollten für die nächsten Kilometer gut sitzen, längere Pausen im Freien sind nicht geplant. Ein letztes Foto der E-Bikes vor der Fahrradstation und dann lassen wir uns vom eiskalten Ostwind in Richtung der Havelauen peitschen.

Nach einem kleinen Schlenker durch die Brandenburger Altstadt ging es schnell zum Havel-Radweg, der hier am Breitlingsee, am Möserschen See und am Plauer See zum Besten zählt, was die BUGA-Havelregion für Fahrradtouristen zu bieten hat: Abseits des Autoverkehrs, bestens asphaltiert durch dichte Wälder und immer am Wasser entlang. Es ist Idealbild eines touristischen Radfernweges.

Beim ersten Stopp am Strand des Breitlingsees strahlten die Gesichter. Gleich wurden von vielen Teilnehmern Gespräche und Verhandlungen über den Kauf eines E-Bikes begonnen. Der Spaß ist einzigartig. Selbst an einem Tag wie diesem mit Temperaturen unter Null, im Wind mit 4-5 Windstärken gefühlt locker bei minus Zehn Grad, war alles wohlig warm und ohne Spur einer sonst vielleicht kräftezehrenden Radtour.

Natürlich wurde die Tour korrekt in den Wind gedreht. Und die richtige Mischung aus gesunder Bewegung auf dem E-Bike und den richtigen Funktionstextilien ließen den grauen, kalten Tag nun plötzlich warm und hell erscheinen.

Am Fischerufer in Kirchmöser wartete ein wohltemperiertes Restaurant mit heißer Fischsuppe. Der Blick auf die Schaumkronen des Plauer Sees direkt hinter den Panoramascheiben des Restaurants war atemberaubend.

Dann folgte die zweite Hälfte der 50 Kilometer kurzen E-Bike-Tour: Am Schloss Plaue vorbei und über eine alte Straßenbahnbrücke ging es durch kleine Dörfer wie Kaltenhausen, Briest, Kranepuhl und Tieckow nach Fohrde. Die Strecke verläuft unweit der Havel als offizieller Havel-Radweg - ein Radweg gibt es hier jedoch nicht. Außerhalb der Ortschaften wären nicht nur zur BUGA Tempo-60-Zonen sinnvoll, wie sie zum Beispiel in fahrradfreundlichen Regionen wie Gelderland (Niederlande) selbstverständlich sind.

In Fohrde schlängelt sich wieder ein Radweg zum Hafen von Pritzerbe. Vielleicht ist hier der Idealort zu finden, den Städter mit dem Landleben verbinden: Es gibt eine kleine Havelfähre, kleine Gassen und sanierte Fassaden, ein sehr gutes Eiscafé zumindest im Sommerhalbjahr, eine Bäckerei, einen kleinen Laden, einen alten Gasthof, der bisher nachmittags immer geschlossen war. Zur BUGA wird bestimmt alles anders.

Auf dem neuen 2,5 Meter breiten Asphaltstreifen an der B102 gibt es nun einen perfekten Schlussspurt nach Premnitz. Hier verkehrt die Regionalbahn RB51 im Stundentakt zurück zum Brandenburger Hauptbahnhof.

Auch unter den Extrembedingungen mit Temperaturen unter Null Grad hielten die BUGA-E-Bikes tapfer durch: Rund 50 Kilometer und im Durchschnitt mit 19 Kilometern pro Stunde - ganz locker von allen in der Gruppe ganz gleichmäßig zurückgelegt.

Wer im maximalen Unterstützungsmodus "High" unterwegs war, musste bereits auf der Hälfte dieser Radtour den Akku wechseln. Im Unterstützungsmodus "Mid", also dem mittleren von insgesamt drei Modi, reichte der erste Akku gut 30 Kilometer. Im Sommerhalbjahr sollen die Akkus für 60 Kilometer Unterstützung ausreichen.

Die verwendeten Fahrräder des britischen Herstellers Raleigh Cycle Company sind mit Akkus und Mittelmotoren von Panasonic ausgestattet. Irgendwo im mittleren Marktsegment der E-Bikes angesiedelt sind die Räder für die Havelregion nicht nur ausreichend, sondern ein vollkommen neuer Fahrspaß mit 250 E-Bikes im One-Way-Verleih während der BUGA Havelregion 2015.

 

Hintergrund