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Berlin-Ostsee: 120 Fahrräder pro Regionalexpress möglich

Berlin, 10. Dezember 2014

Fahrplanwechsel: Es wird ein bisschen wie Ostern und Weihnachten zusammen. Wenn ab Karfreitag 2015 an jedem Regionalexpress von Berlin zur Ostsee ein fünfter Wagen hängt, geht ein Traum in Erfüllung. Was 2006 mit einem Prototypen als "FahrradExpress"-Wagen begann, wird nun auf gleich zwei Bahnlinien von DB Regio Nordost Standard. Benno Koch hat sich den neuen Fahrradwagen schon mal angesehen und eine kleine Bestandsaufnahme gemacht.

"Aus den Erhebungen der Eisenbahn Verkehrsunternehmen haben wir keine Erkenntnisse zur Anzahl von Fahrrädern in den Zügen", sagt Elke Krokowski. Dennoch versucht die Pressesprecherin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) mit den verkauften Fahrradtickets einen Anhaltspunkt zu geben: Alleine die verkauften Einzelfahrausweise für das VBB-Gesamtnetz erhöhten sich von 176.800 (im Jahr 2011) auf 187.400 (2013). Bei den Fahrradtageskarten (VBB Gesamt) stieg der Verkauf sogar um ein Drittel, von 30.300 (2011) auf 40.000 (2013). Hinzu kommen 53.200 Fahrradmonatskarten (für Berlin ABC und VBB Gesamt).

Dabei ist die Liste der möglichen Inhaber von Fahrradtickets noch länger: Semester- und Jobtickets beinhalten ebenso die Fahrradmitnahme wie auch eigene Angebote der Deutschen Bahn. So ist die Fahrradtageskarte im Nahverkehr für viele Nutzer des Brandenburg-Berlin-Tickets oder des Schönes-Wochenende-Tickets der Standard.

Susanne Paul von DB Regio Nordost hat für die Fahrradmitnahme in ihren Zügen eine eigene Schätzung: "Rund 330.000 Fahrräder werden pro Jahr in unseren Zügen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mitgeführt, Tendenz steigend." Im Sommerhalbjahr zählen mit den Regionalexpresslinien RE3 (Berlin-Stralsund) und RE5 (Berlin-Rostock/Stralsund) zwei der wichtigsten Verbindungen für Fahrradtouristen von der Bundeshauptstadt zur Ostsee dazu.

Rückblick: Am 19. Juli 2006 wurde der erste FahrradExpress-Wagen der Presse vorgestellt: Das komplette Unterdeck des rekonstruierten Doppelstockwagens war für Fahrräder vorgesehen. Dieser Wagen verkehrte seitdem als Teil des Warnemünde- und Ostsee-Express. Plötzlich passten 60 Fahrräder - richtig gestapelt und mit Gang - alleine in einen Wagen.

Inzwischen hat der VBB fast alle Regionalbahnstrecken in Berlin und Brandenburg neu ausgeschrieben. Nach den Vorgaben des Landes Berlin als einem der Besteller wurde das Platzangebot vor allem für Fahrräder deutlich erhöht.

Mit dem Fahrplanwechsel 2014/2015 werden alle Umläufe der Regionalexpresslinien RE3 (Elsterwerda-Berlin-Stralsund/Schwedt (Oder)) und RE5 (Lutherstadt Wittenberg/Falkenberg (Elster)-Berlin-Rostock/Stralsund) einen neuen Fahrradwagen mitführen. "Der Fahrradwagen verkehrt während der Sommersaison zwischen Ostern und Herbsferienende an allen Zügen der RE3 und RE5 als zusätzlicher 5. Wagen", sagt Susanne Paul. "Offiziell hat der Wagen 36 Fahrradstellplätze im Unterdeck, je nach Größe der Fahrräder und Platzverfügbarkeit können auch mehr Fahrräder befördert werden."

Für die Zahl der Fahrradstellplätze in den Regionalzügen gibt das Land Berlin als Besteller Mindestkriterien vor: Pro 13 Sitzplätze ein Fahrradstellplatz. Also als Platz in Mehrzweckabteilen mit Klappsitzen. Normalerweise ist in jedem Wagen ein Mehrzweckabteil, in das erfahrungsgemäß 20 Fahrräder passen. Mit Gang. Und natürlich nur, wenn alle Körbe und Packtaschen abgenommen und die Räder richtig gestapelt werden.

Künftig werden also bei vier "normalen" Doppelstockwagen und einem fünften Wagen als "neuer" Fahrradwagen 120 Fahrräder in einen Regionalexpress zur Ostsee passen. Natürlich ist diese Zahl nur eine von drei möglichen: Eine offizielle Zahl (die niedrigste), eine theoretische Zahl (aus Beladungsversuchen) und eine praktische Zahl (manchmal ist Erstaunliches möglich). Die letztere ist die höchste Zahl, wenn Fahrgäste ohne Fahrrad die Sitzplätze in den Oberdecks nutzen, Fahrradfahrer untereinander kommunizieren und Zugbegleiter ihren Zug auch zu Spitzenzeiten gut organisieren.

Dazu gehört natürlich auch die leichte Erkennbarkeit des neuen Fahrradwagens: "Sie werden speziell gekennzeichnet sein, die Art und Weise befindet sich momentan in Abstimmung", sagt Susanne Paul. "Der Fahrradwagen befindet sich je nach Richtung am Anfang/Ende des Zuges hinter der Lok, auf der anderen Seite verkehrt der Steuerwagen."

Helfen könnte auch die Auslastung der Züge besser zu kommunizieren. In allen neu bestellten Regionalzügen befinden sich im Türbereich automatische Zählsensoren, die die Fahrgäste, Fahrräder oder Kinderwagen mit einer Genauigkeit von 95 Prozent ständig und genau erfassen.

Wäre es da nicht denkbar, diese Daten aus den Zügen - ähnlich wie heute bereits die Staustrecken im Straßenverkehr - auch den Nutzern der Bahnen in Echtzeit vor Reiseantritt bekannt zu machen? "Solche Überlegungen gibt es bei uns und - soweit uns bekannt - auch beim VBB nicht. Allerdings werden wir ab dem kommenden Jahr in der Online-Auskunft die stark besetzten Züge kennzeichnen", heißt es bei DB Regio Nordost.

 


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