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Radio Eins: Fahrrad und Bahn - der Fahrplanwechsel aus Fahrradsicht

Berlin, 10. Dezember 2014

Noch nie war ein Fahrplanwechsel der Bahn in Berlin und Brandenburg so fahrradfreundlich wie dieses Mal. Mit 120 möglichen Fahrrädern pro Regionalexpress in den neuen Zügen zwischen Berlin und der Ostsee, ist die Hauptstadtregion auch ein bundesweites Vorbild. Benno Koch erklärt die wichtigsten Änderungen zum neuen Fahrplan aus der Fahrradperspektive - am Mittwoch kurz nach Elf live auf Radio Eins.

27 Prozent der Berliner nutzen für Ausflüge nach Brandenburg Bahnen und Busse. Bundesweit sind es nur 16 Prozent, wie eine aktuelle Untersuchung im Auftrag der Tourismus Marketing Brandenburg (TMB) vor einigen Wochen ergab. Fahrradtourismus ist seit zehn Jahren die Hauptfreizeitaktivität der Berliner. Weit vor Baden, Golfen, Reiten, Wassersport oder Wandern. Wenn man das Spazierngehen nicht als Wanderung zählt. Exakte Zahlen zur Fahrradmitnahme in den Zügen sind trotzdem Mangelware: "Aus den Erhebungen der Eisenbahn Verkehrsunternehmen haben wir keine Erkenntnisse zur Anzahl von Fahrrädern in den Zügen", sagt Elke Krokowski, Pressesprecherin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB).

"Wir wissen doch, dass die Fahrradnutzung steigt", ist die Standardantwort auf die Frage nach konkreten Zahlen. Nicht nur bei der Verknüpfung von Fahrrad und Bahn. Oft folgt der schwammigen Erkenntnis Nichts. Doch diesmal soll alles ganz anders werden. Mit dem bundesweiten Fahrplanwechsel am kommenden Sonntag, gibt es in Berlin-Brandenburg im Regionalverkehr vor allem guten Nachrichten aus der Fahrradsicht.

Die beiden wichtigsten Regionalexpresslinien RE3 und RE5 von Berlin zur Ostsee werden jetzt erstmals in allen Umläufen einen zusätzlichen Fahrradwagen erhalten. Die ersten der neuen Doppelstockwagen mit dem kompletten Unterdeck für Fahrräder konnten in diesen Tagen bereits an einzelnen RE5 zwischen Berlin und Rostock bzw. Stralsund entdeckt werden. Ab Karfreitag 2015 sollen die Fahrradwagen als fünfter Wagen an allen von der Deutschen Bahn betriebenen Regionalzügen von Berlin zur Ostsee hängen. Zusammen mit den vier Mehrzweckabteilen in den anderen vier Doppelstockwagen erhöht sich so der Platz für Fahrräder um rund 50 Prozent, auf dann 120 pro Zug. Wenn man die Räder platzsparend stapelt.

Auch auf weiteren Linien soll es Verbesserungen geben. So werden die Regionalbahnen RB35 (Fürstenwalde (Spree)-Bad Saarow), RB36 (Königs Wusterhausen-Frankfurt (Oder)), RB60 (Eberswalde-Frankfurt (Oder)), RB61 (Angermünde-Schwedt (Oder)), RB62 (Angermünde-Prenzlau) und RB63 (Eberswalde-Joachimsthal) weiterhin mit den bekannten Regioshuttles verkehren, aber auf einer Seite komplett mit Klappsitzen für mehr Platz für die Fahrradmitnahme. Die neue Linie RB24 von Berlin-Lichtenberg nach Eberswalde soll mit neuen Talent-2-Zügen und größeren Mehrzweckabteilen verkehren.

Doch wo ist diesmal eigentlich der Haken? Bei den Regionalbahnstrecken ist es vor allem die Brechung einzelner Linien. Die Direktverbindung in nordöstlicher Richtung von Berlin-Lichtenberg nach Bad Freienwalde und Wriezen ist Vergangenheit, in Eberswalde muss umgestiegen werden. In südlicher Richtung ist der ersatzlose Wegfall der Regionalbahn zwischen Berlin-Lichtenberg und Königs Wusterhausen schmerzlich, zumal der Regionalexpress von Berlin Hauptbahnhof kommend nach Königs Wusterhausen nicht am Bahnhof Berlin-Karlshorst hält - die Fahrtzeit wird sich so um mindestens eine Viertelstunde verlängern.

Zuletzt nach Protesten gegen seine Streichung wieder mit einer gewissen Hoffnung verbunden, könnte der Warnmünde-Express als zusätzlicher RE5 am Wochenende wohl erhalten bleiben. Als eigenwirtschaftliches Angebot der Deutschen Bahn. Ein wichtiges Signal für den Tourismus insgesamt von Berlin in Richtung Mecklenburg-Vorpommern.

Auch die Preise für die Fahrradmitnahme steigen, jedoch sehr "moderat", wie VBB-Pressesprecherin Krokowski betont: Im Fall der Fahrradmonatskarte für das VBB Gesamtnetz sind dies 40 Cent mehr auf dann 20,40 Euro, die VBB Fahrradtageskarte Gesamt bleibt mit 6,00 Euro im Preis stabil, für die Einzelfahrten Berlin AB und VBB Gesamt sind es je 10 Cent mehr auf dann 1,80 Euro bzw. 3,30 Euro.

Unverändert bleibt auch der Preis der Fahrradkarte im Nahverkehr mit bundesweit 5 Euro. Dieses Angebot gilt zum Beispiel in Verbindung mit dem Brandenburg-Berlin-Ticket zum stabilen Preis von 29 Euro am Automaten und für bis zu fünf Personen.

Spürbar teurer wird dagegen das Schönes-Wochenende-Ticket. Wer mit fünf Personen zum Beispiel von Berlin zur Ostsee unterwegs ist, zahlt anstatt bisher 44 Euro (8,80 Euro pro Person) ab 1. Januar 2015 dann 56 Euro (11,20 Euro pro Person) - ein überdurchschnittliche Erhöhung um mehr als 27 Prozent.

Versprochen hatte die Deutsche Bahn eine "durchschnittliche Erhöhung im Nahverkehr um 2,9 Prozent". Natürlich ist das Angebot des Schönes-Wochenende-Ticket noch immer günstig, aber die Konkurrenz mit Fernbussen samt Fahrradmitnahme schläft nicht. Doch vielleicht ist diese Preiserhöhung diesmal zumindest für die Bahnfahrt von Berlin zur Ostsee nicht ganz unbegründet.

 

Hintergrund

  • Der neue Fahrradwagen zwischen Berlin und Ostsee: einen Hintergrundartikel auf www.benno-koch.de finden

  • Fahrrad und Bahn: Damit auch die Fahrt mit der Bahn entspannt wird, bitte immer ausschließlich Packtaschen mit Quick Lock (lassen sich mit einem Handgriff vom Rad nehmen) verwenden und auf Fahrradkörbe generell verzichten (diese nehmen in der Bahn den Platz für zwei Fahrräder weg).

    Im Mehrzweckabteil der Regionalzüge immer alle Packtaschen vom Fahrrad nehmen und die Räder mit den Lenkern entgegengesetzt an die Klappsitze lehnen, Fahrgäste auf den Klappsitzen ohne Fahrräder freundlich bitten aufzustehen – und natürlich Rücksicht nehmen!

    Als Faustregel gilt: Im Zweifel sind die Züge am Sonntagabend am vollsten, die zur "normalen" Zeit in Berlin ankommen. Also zur Tagesschau und zum Tatort. Wer also nach der Radtour noch ein Restaurant in Brandenburg besucht und einen Zug später nimmt, kommt satt und entspannt in Berlin an.

  • Radio Eins hören: unter www.radioeins.de