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Fahrrad und Fähren: Berliner Seeluft schnuppern

Berlin, 1. April 2015

Am Hafen Alt-Kladow sind schon viele Tränen geflossen. Jahrelang war die Wannseefähre das Nadelöhr, welches über eine wunderbare Seereise in den Sonnenuntergang oder mindestens zwölf zusätzliche Fahrradkilometer durch die einbrechende Nacht entschied. Nur 25 Fahrräder durften an Bord. Seit einem Jahr verkehren neue Fähren und es gibt mehr Platz für Fahrräder. An diesem Oster-Wochenende startet die BVG mit weiteren Fähren in die Ausflugssaison. Benno Koch hat die möglichen Verbindungen mit Fahrrad und Fähre in Berlin getestet.

Vor einem Monat wurde die brandenburgische Kleinstadt Ketzin/Havel zur fahrradfreundlichsten Stadt Ostdeutschlands gewählt. Irgendwie überrascht, aber auch stolz hatte Ketzins Bürgermeister Bernd Lück die guten Noten im ADFC Fahrradklimatest zur Kenntnis genommen. Ein Schlüssel zum Erfolg war wohl die kleine Havelfähre, die den Ort mit dem Havel-Radweg in Richtung Werder (Havel) verbindet. Genau 20.474 Fahrradfahrer haben die Ketziner Fähre 2014 genutzt. Natürlich geht es in Berlin um ganz andere Größenordnungen. Alle BVG-Fähren sollen zusammen rund eine Million Fahrgäste pro Jahr befördern. Nicht wenige davon wohl mit dem Fahrrad. Genaue Zahlen zu den transportieren Fahrrädern konnte die BVG auch auf Nachfrage nicht nennen.

"Am 09. April 2014 wurde die neue Fähre MS "Wannsee" getauft. Die neue Fähre ist barrierefrei und verfügt unter anderem über 60 Fahrradstellplätze", sagt Gesine Bartels von der Stern und Kreisschiffahrt. Das Unternehmen betreibt die Linie zwischen den Häfen Alt Kladow und Wannsee im Auftrag der BVG. Mit dem neuen Schiff hat sich die Zahl der Fahrradstellplätze von zuvor 25 um stolze 140 Prozent erhöht. "Leider gibt es keine statistischen Erhebungen über die Anzahl der transportierten Fahrräder in den vergangenen Jahren", entschuldigt sich Bartels.

Die Wannseefähre ist nicht nur Teil der klassischen Westberliner Ausflugsregion. Sie verbindet heute auch offiziell Abschnitte des Berliner Mauerwegs und des Havel-Radweges.

Neben der Wannseefähre betreibt die Stern und Kreisschiffahrt viele Ausflugslinien in Wannsee, Tegel sowie Treptow-Köpenick: "Fahrräder dort können mitgenommen werden, wenn die Auslastung es erlaubt und Platz genug vorhanden ist. Die Entscheidung darüber obliegt in jedem Fall dem Schiffsführer des jeweiligen Fahrgastschiffs", sagt Gesine Bartels und geht sogar noch weiter: "Wir sind uns bewusst, dass die Nachfrage nach Kombinationsmöglichkeiten mit dem Fahrrad weiter steigen wird und so sind wir aktiv dabei, neue Konzepte zu entwickeln, die genau diesen Bedürfnissen Rechnung tragen. Verbindungen über den Müggelsee sind dabei für uns von besonderem Interesse." Eine erfreuliche Entwicklung. In der Vergangenheit hatte die Stern und Kreisschiffahrt die Fahrradmitahme auf Ausflugsfahrten noch abgelehnt.

Eine Alternative zur BVG-Wannseefähre kann das rund fünf Kilometer von Alt Kladow entfernt verkehrende Potsdamer Wassertaxi sein. Von der Brandenburger Havelseite an der Sacrower Heilandskirche geht es im schwarz-gelben Taxilook zurück zum Krughorn im Berliner Volkspark Glienicke.

"Im Jahr 2014 haben wir knapp 7.300 Fahrradtickets verkauft", sagt Christine Hamann vom Betreiber Weisse Flotte Potsdam. "Auf den beiden Schiffen haben wir 20 bis 30 Stellplätze, je nach Fahrradgröße bzw. Anhängern." Die Fahrradmitnahme kostet hier zwei Euro und gilt zusammen mit einer Tageskarte für die Person auch für beliebig viele Fahrten an einem Tag.

Das Potsdamer Wassertaxi verkehrt bereits seit dem vergangenen Wochenende wieder sechs Mal pro Tag und Richtung auf einer dreizehn Stationen langen Linie vom Volkspark Glienicke quer durch die Potsdamer Innenstadt bis zum Templiner See.

Vier neue BVG-Solarfähren verkehren seit einem Jahr im Berliner Osten. Der Platz für Fahrräder hat sich auf den von der Weißen Flotte Stralsund betriebenen Katamaranfähren deutlich erhöht, offiziell werden jeweils zehn Fahrräder transportiert.

Die beiden Fähren Krampenburg-Schmöckwitz (F21) über die Große Krampe und Kruggasse-Neu Helgoland-Müggelhort-Müggelwerderweg (F23) über die Spree bei Rahnsdorf starten nach der Winterpause am Karfreitag in die neue Saison. Im Stundentakt können dann hier zum Beispiel der Europaradweg R1, der Müggelsee-Rundweg, der Hofjagdweg oder der Dahme-Radweg mit einer bis zu 25 Minuten langen Fährfahrt zum VBB-Tarif verbunden werden.

Die BVG-Fähren F11 (Oberschöneweide-Baumschulenweg) und F12 (Wendenschloss-Grünau) verkehren ganzjährig im 10- bis 20-Minuten-Takt. Erstere ist offizieller Teil des Europaradweges R1, letztere verbindet den Müggelsee-Rundweg mit dem Dahme-Radweg.

 

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