Login  
/uploads/zE/iX/zEiXksLrf-9kmYtJ_h_1CA/Radio_Eins1.jpg

Radio Eins: Test - eine Brücke zum Oder-Radweg Westpolen

Berlin, 20. Mai 2015

Die Aufregung war groß: "Eine Brücke ins Nirgendwo", titelte die rbb-Redaktion Klartext. Andere glaubten an einen Anstieg einer Grenzkriminalität. Vor einem halben Jahr wurde die neue Brücke Coschen-Żytowań eröffnet. Über die Neißewelle geht es nun von Brandenburg in die polnische Woiwodschaft Lebus. Benno Koch hat sich im "Nirgendwo" hinter der Brücke umgesehen - am Mittwoch kurz nach Elf live auf Radio Eins.

Auf zwei Einwohner kommt in Kłopot (Kloppitz) ein Storch. Genau 84 Weißstörche zählte die Kolonie im vergangenen Jahr. Damit ist das kleine Dorf in Westpolen eines von Europas größten Storchendörfern. Mitten im Krzesiński Landschaftspark am Zusammenfluss von Oder und Neiße gelegen, ist Kłopot nur zwei Kilometer Luftlinie von Eisenhüttenstadt entfernt. Eigentlich. Doch die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Oderbrücke ist hier noch immer ein scheinbar unüberwindbares Hindernis.

Mit einer neuen Brücke in Coschen - auf dem Oder-Neiße-Radweg 18 Kilometer südlich von Eisenhüttenstadt gelegen - haben sich seit November 2014 nun die Umwege über die Neißewelle etwas verkürzt. Doch auch an der Neiße fehlen von einst 66 noch immer 32 Brücken, die am Ende des Krieges zerstört und in den vergangenen 70 Jahren nicht wieder aufgebaut wurden.

Wer die Neißewelle testen möchte, ist vom Berliner Hauptbahnhof genau eine Stunde und 47 Minuten mit dem Regionalexpress bis zum Bahnhof Coschen unterwegs. So die Gewerkschaft der Lokführer will. Dann ist es noch einen Kilometer bis zur Brücke, hinter der sich eine ganz neue Welt öffnet.

Als Tages- oder Wochenend-Radtour sind drei Varianten auf dem theoretischen Oder-Radweg durch Westpolen möglich. Bisher sind hier nur kurze Abschnitte wirklich als Radweg ausgebaut, aber fast immer geht es auf ruhigen Landstraßen oder befahrenbaren Betonplattenwegen auf Deichen durch die Landschaft. Autos begegnen einem nur selten.

Wer die Weißstörche in Kłopot zählen möchte, ist zwischen Coschen und Frankfurt (Oder) am östlichen Oderufer mindestens 75 Kilometer unterwegs. Auf halber Strecke liegt hier das Paradies für Birdwatcher rund um das Storchendorf. Zuvor ist der Boreksee mit einer schönen Badestelle und einem Restaurant bei Kosarzyn (Kuschern) und die kostenlose Oderfähre bei Połęcko bereits weit mehr als das angekündigte Nirgendwo.

Auf dem Gelände des Weißstorch-Museums in Kłopot darf übrigens gezeltet werden und das Museum selbst ist zugleich eine kleine Herberge.

Wer die Tour hier nicht teilen möchte, radelt nun auf dem östlichen Oderdeich an den Brückenresten und Eisenhüttenstadt vorbei. Einige Kilometer weiter in Urad darf man sich noch ein wenig auf die versprochene, aber nicht vorhandene Oderfähre nach Aurith freuen, bevor schließlich Słubice und der Bahnhof Frankfurt (Oder) erreicht ist.

Die neue Neißewelle Coschen macht Lust auf mehr. Sie ist auch das Abenteuer auf der Suche nach dem Oder-Radweg in Polen. Mit Krosno Odrzańskie (Crossen an der Oder) als Tagestour ist eine zweite Variante machbar. Und wer dann noch nicht genug hat, dem stehen entlang der polnischen Oder vorbei an Zielona Góra (Grünberg), über Głogów (Glogau) und weiter nach Wrocław (Breslau) rund 350 einzigartig spannende Kilometer bevor.

 

Hintergrund

  • Tourtagebuch: Einen Hintergrundartikel zur Radtour nach Krosno Odrzańskie (Crossen an der Oder) auf www.benno-koch.de finden.

  • Radio Eins: unter www.radioeins.de hören

  • Fotos: Impressionen vom Oder-Radweg in Polen in der Bildergalerie www.benno-koch.de anschauen.

  • gpx/gps-Track der Radtour von Coschen über Klopot nach Frankfurt (Oder) als zip-Datei (26 kb) herunterladen