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Oder-Radweg Polen: Weißstörche, Fähren, Brücken

Berlin, 21. Mai 2015 [zuletzt geändert am 22.05.15 um 18:30 Uhr]

Südlich von Frankfurt (Oder) überquert auf einer Länge von 40 Kilometern Luftlinie keine Brücke und keine Fähre die Oder und die Neiße. So schlängelt sich eine Radroute rund 75 Kilometer immer am Wasser entlang, bis am Ende eine neue Brücke mit dem schönen Namen Neißewelle den Weg um zehn Kilometer verkürzt. Doch auf halber Strecke wartet in Kłopot eines der größten Storchendörfer Europas auf Entdeckungen. Am Samstag, 23. Mai 2015 verrät Benno Koch die neuesten Ausflüge am Pfingstwochenende.

Auf zwei Einwohner kommt in Kłopot (Kloppitz) ein Storch. Genau 84 Weißstörche zählte die Kolonie im vergangenen Jahr. Damit ist das kleine Dorf in Westpolen eines von Europas größten Storchendörfern. Mitten im Krzesiński Landschaftspark am Zusammenfluss von Oder und Neiße gelegen, ist Kłopot nur zwei Kilometer Luftlinie von Eisenhüttenstadt entfernt. Eigentlich. Doch die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Oderbrücke ist hier noch immer ein scheinbar unüberwindbares Hindernis.

Mit einer neuen Brücke in Coschen - auf dem Oder-Neiße-Radweg 18 Kilometer südlich von Eisenhüttenstadt gelegen - haben sich seit November 2014 nun die Umwege über die Neißewelle etwas verkürzt. Doch auch an der Neiße fehlen von einst 66 noch immer 32 Brücken, die am Ende des Krieges zerstört und in den vergangenen 70 Jahren nicht wieder aufgebaut wurden.

Diese Radtour wurde natürlich korrekt in den Wind gedreht: Von Frankfurt (Oder) geht es über die Stadtbrücke nach Slubice. Dort könnte ein sehr gutes Café für den ersten kulinarischen Höhepunkt sorgen. Denn kurz hinter der Stadtgrenze wird es am östlichen Oderufer schnell einsam.

Erst in Urad wartet der nächste Laden, der im vergangenen Jahr schon einmal Geschichte schrieb: Also genau hier wo die seit Jahren versprochene Oderfähre vom polnischen Ufer ins brandenburgische Aurith noch immer fehlt, kam ein halbes Dutzend Fahrradtouristen an einem Sonntag Abend nach Ladenschluss an. Der kleine Laden hatte natürlich auch am Sonntag auf, aber nach 18 Uhr war Feierabend. Die Dorfbewohner erkannten das Problem der halb verhungerten und verdursteten Fremden ohne Worte sofort und benachrichtigten den Ladenbesitzer. Ein paar Minuten später war das Paradies aus eiskalten Getränken und Snacks wieder geöffnet.

Nun beginnt der Oderdeich nach Klopot (Kloppitz). Die Betonplatten sind die der besseren Sorte. Und wenn alles klappt, schiebt der Rückenwind hier ordentlich. Wenn dann die imposanten Brückenreste in Richtung Eisenhüttenstadt auftauchen, sind es nur noch ein paar Meter in eines der größten Storchendörfer Europas. Klopot ist eine Art Paradies für alle Beteiligten: Auf zwei Einwohner kommt ein Weißstorch und Touristenmassen gibt es anderswo. Aber natürlich gibt es einen kleinen Laden, eine Herberge und ein Museum. Ganz ländlich beschaulich eben.

Kurz vor dem Zusammenfluss von Oder und Neiße zweigt die Radroute hier scharf Richtung Osten ab und erreicht bei Polecko tatsächlich eine existierende Oderfähre. Diese ist sogar kostenlos. Und als Gierfähre sogar lautlos. Eine wunderbar friedliche Stimmung. Auf der Südseite der Oder geht es nun wieder zurück in Richtung Westen, wo am Boreksee eine schöne Badestelle samt Restaurant wartet.

Bis Zytowan ist es nun nicht mehr weit, wo im Abendlicht die strahlend weiße Neißewelle auftaucht. Die Brücke, die angeblich ins Nirgendwo führt. Doch in Wahrheit wartet nicht nur der polnische Oder-Radweg darauf endlich entdeckt zu werden.

Und vielleicht entdecken die Planer in der Woiwodschaft Lebus jetzt auch die Fahrradtouristen. Dann könnte es irgendwann auf der östlichen Seite der Oder einen echten Radfernweg geben. Also mit Asphalt in Straßenqualität und als Fahrradstraße abseits der Landstraßen. Und dann natürlich gleich weiter nach Breslau, wo 2016 Europas Kulturhauptstadt vielleicht auch eine Idee für eine neue Fahrradkultur in Polen werden könnte.

 

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