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Schlaubetal-Radweg: Zwischen Goldrausch und guter Küche

Berlin, 2. Juni 2015 [zuletzt geändert 6.06.15 um 22:30 Uhr]

Die Schlaube ist ein 20 Kilometer kurzer Fluss im Osten Brandenburgs. 17 Wassermühlen sollen sich hier einst gedreht haben, elf sind mehr oder weniger noch erhalten. Wirklich spektakulär ist die eiszeitliche Schmelzwasserrinne mit bis zu 30 Meter tiefen Schluchten. Auf einzelnen Abschnitten führt ein asphaltierter Radweg hindurch. Am Sonntag, 7. Juni 2015 verrät Benno Koch die schönsten Ausflüge durchs Schlaubetal.

Obwohl der Mann vermeintlich überall war, hat Theodor Fontane das Schlaubetal offenbar übersehen. Vielleicht gab es hier keinen geeigneten Weg für seine Kutsche. Auch in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" wurde in Wahrheit schon vor hundert Jahren mehr gefahren als gewandert. Später herrschte hier kurzzeitig sogar so etwas wie Goldgräberstimmung. Natürlich nur für Eingeweihte. Und heute löst schon der Begriff Schlaubetal eine Faszination aus, wie sie für die sonst oft kargen Landschaften der Mark äußerst ungewöhnlich ist.

Vielleicht ist es die Ahnung von Günter Wurm. Dessen Geschichte stellt alle Kutschfahrten Fontanes locker in den Schatten. Ersterer war Oberstleutnant im Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Sein Revier war das Schlaubetal. Genauer gesagt das Forsthaus Siehdichum. Damals fiel dessen Ausstattung unter "überdurchschnittlichen Luxus" - und im Sommer 1980 sogar dem MfS-Chef Erich Mielke auf.

Heute soll es hier Gäste geben, die den DDR-Charme des Hauses bemängeln. Doch eigentlich müsste man genau den hier unter Denkmalschutz stellen. Als Wurm mit seinen Scheinfirmen aufflog, war das Ausmaß des Korruptionsskandals erstaunlich: "Auf 86 Kilo Gold im Wert von fast 20 Millionen DDR-Mark und mehrere Millionen D-Mark bezifferte das MfS schließlich in einem streng geheimen Bericht Wurms "Reptilienfonds", schrieb nach der Wende die Sächsische Zeitung. Ein Teil des Goldes wurde übrigens im Schlaubetal vergraben ...

Das Schlaubetal wurde nun in den vergangenen Wochen auf gleich drei Radtouren irgendwie zufällig zum Inbegriff des entspannten Genusses. Noch wurde dabei das Gold nicht gefunden. Aber eine erstaunlich gute Küche. Auch im Forsthaus Siehdichum.

Diesmal soll es in einer rund 50 Kilometer kurzen Variante von Finkenheerd nach Neuzelle gehen. Am Friedrich-Wilhelm-Kanal mit seinen Ursprüngen von 1668 und ein paar wildromantischen längst stillgelegten Schleusentoren geht es schnell ins Herz des Schlaubetals. Als erstes steht die Kaisermühle auf der Liste der Schlaubemühlen. Bereits 1275 soll es hier eine Wassermühle gegeben haben. Das heute in alter Schönheit sanierte Fachwerkhaus erinnert an die Architektur der Mühle von 1680. Die Lage und der selbstgebackene Kuchen sind ein Traum. Nur mit der Gastgeberin muss man etwas behutsamer als gewöhnlich umgehen.

Auf anfangs perfekten Fahrradstraßen geht es weiter zur einstigen Wassermühle Kupferhammer, natürlich zum Forsthaus Siehdichum und zur Bremsdorfer Mühle. Vor allem letztere beide haben in diesem Frühjahr alle Erwartungen übertroffen und gehen durchaus als kleine Gourmettempel durch.

Während die Restaurantgäste mit Auto maximal einen kleinen Spaziergang um den Parkplatz machen, wird es auf dem Weg zur Kieselwitzer Mühle schnell wieder einsam. Hier und anderswo abseits der Gasthäuser trifft man höchstens andere Radfahrer.

Von Kieselwitz in Richtung Treppeln ist vor einigen Tagen ein neuer straßenbegleitender Radweg entstanden. Nach Meinung der Test-Radfahrer irgendwie surreal. Natürlich braucht hier niemand einen Radweg, Autoverkehr gibt es praktisch keinen. Aber man kann auf bestem Asphalt entspannt nebeneinander radeln. In der Hoffnung, dass der Weg einen richtigen Unterbau hat und die Garantiezeit überlebt.

Auf straßenbegleitenden Radwegen an ruhigen Landstraßen geht es dann immer bergab in Richtung Neuzelle, wo zum Finale das Barockkloster zu seinem großen Auftritt kommt. Und weil man auf der Rückfahrt mit der Regionalbahn in Frankfurt (Oder) sowieso umsteigen muss, könnte auf der Slubicer Seite sogar noch das eine oder andere eiskalte polnische Bier warten.

 

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