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Radio Eins: Test - Schlaubetal-Radweg zwischen Goldrausch und guter Küche

Berlin, 3. Juni 2015

Alles fing mit einem bizarrem Streit an: Vor einem Jahr wurde der Uferweg am Großen Müllroser See plötzlich zu einem "Qualitätswanderweg" erklärt und für Radfahrer gesperrt. Natürlich war alles ganz harmlos. Inzwischen ist der Schlaubetal-Radweg zum Newcomer unter den Klassikern aufgestiegen. Ganz inoffiziell natürlich. Benno Koch hat sich kreuz und quer im Schlaubetal umgesehen - am Mittwoch kurz nach Elf live auf Radio Eins.

Obwohl der Mann vermeintlich überall war, hat Theodor Fontane das Schlaubetal offenbar übersehen. Vielleicht gab es hier keinen geeigneten Weg für seine Kutsche. Auch in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" wurde in Wahrheit schon vor hundert Jahren mehr gefahren als gewandert. Später herrschte hier kurzzeitig sogar so etwas wie Goldgräberstimmung. Natürlich nur für Eingeweihte. Und heute löst schon der Begriff Schlaubetal eine Faszination aus, wie sie für die sonst oft kargen Landschaften der Mark äußerst ungewöhnlich ist.

In dem nur 20 Kilometer kurzen Schlaubetal sollen sich einst 17 Wassermühlen gedreht haben, elf sind heute noch mehr oder weniger erhalten. Die eiszeitliche Schmelzwasserrinne mit ihren bis zu 30 Meter tiefen Schluchten ist in Brandenburg überraschend.

Natürlich wandert auch hier fast niemand 20 Kilometer. Die meisten Restaurantbesucher spazieren maximal um den nächsten Parkplatz herum. An einem wunderschönen Pfingstmontag Nachmittag ist der Uferweg vom Langesee bis zum Großen Schinkensee ganz still. Es ist der Abschnitt von der Wassermühle Kupferhammer zum Forsthaus Siehdichum. 30 Fahrradtouristen begegnen hier gerade mal fünf Spaziergängern. Und einem Auto mitten im Naturschutzgebiet.

In den letzten Jahren sind auf einzelnen Abschnitten asphaltierte Fahrradstraßen und straßenbegleitende Radwege entstanden. Am Rande des Schlaubetals zwischen Kieselwitz und der Landesstraße L43 in Richtung Neuzelle ist der Asphalt auf dem soeben eröffneten Radweg fast noch warm.

Es ist vor allem die Mischung, die das Schlaubetal so außergewöhnlich begehrenswert macht: Die Stille und Beschaulichkeit der Natur selbst an Peak-Wochenenden, die überraschend gute Küche vieler Gasthäuser in den alten Wassermühlen und Forsthäusern, natürlich der Schlaubetal-Radweg - den es merkwürdigerweise unter diesem Namen offiziell gar nicht gibt - und manche Geheimnisse. Dazu zählen das Forsthaus Siehdichum und die unglaubliche Geschichte eines Stasioffiziers, der hier mit 86 Kilogramm Gold, mehreren Millionen D-Mark und allerhand Luxus zumindest für sich den Kommunismus schon mal Wirklichkeit werden ließ ...

 

Hintergrund

  • Schlaubetal-Radweg: Einen Hintergrundartikel, die Karte, einen gpx/gps-Track zum individuellen Nachradeln oder für eine geführte Radtour auf www.benno-koch.de finden.

  • Radio Eins: unter www.radioeins.de hören

  • Fotos: Impressionen vom (inoffiziellen) Schlaubetal-Radweg in der Bildergalerie www.benno-koch.de anschauen.