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Radweg Berlin-Usedom: Zwischen Biosphärenreservat und Seenkette

Berlin, 10. Juni 2015 [zuletzt geändert 12.06.15 um 22:00 Uhr]

Der Traum begann 1998: Von der Bundeshauptstadt sollte eine Fahrradstraße zur Badewanne der Berliner entstehen. Legendär wurde der Radweg Berlin-Usedom auch durch die Ostseefahrt. Ein Schreiadler an der Autobahn ist Teil der Legende. Seit einigen Wochen ist dieser Abschnitt nun offiziell fertiggestellt. Am Samstag, 13. Juni 2015 verrät Benno Koch die erfrischendsten Ausflüge durch die Wälder und an die Seen der Uckermark.

Im Vergleich zum Radweg Berlin-Usedom ist der Bau des Berlin-Brandenburger Flughafen BER noch locker im überschaubaren Zeitrahmen. Während ersterer nach schlappen 17 Jahren in diesem Frühjahr mit dem legendären Schreiadler-Radweg nun einen lange ersehnten Lückenschluss erhalten hat, war der erste Spatenstich für den BER gerade mal vor weniger als neun Jahren. Und so mal unter uns: Für wahre Traumlandschaften muss man gar nicht so weit fliegen. In der Uckermark liegen sie praktisch direkt vor der Haustür.

Diese rund 50 Kilometer kurze Radtour zeigt natürlich nur die schönsten Seiten. Leicht inoffiziell folgt sie dem Radweg Berlin-Usedom im Abschnitt Angermünde-Prenzlau. Schnell geht es in die tiefen Wälder des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin. Die asphaltierten Fahrradstraßen schlängeln sich hier praktisch von See zu See. Der erste Badesee in der Reihe ist der glasklare Peetzigsee.

In Steinhöfel ist dann der neue Schreiadler-Radweg erreicht. Die Geschichte ist schnell erzählt: In den 1950er Jahren entschied sich eine Schreiadler-Familie hier an einer in Betrieb befindlichen Kiesgrube ihre bescheidene Behausung zu errichten. Diese soll heute aus vier Horsten bestehen, die als Haupt- oder Nebenwohnsitz genutzt werden. Die unmittelbare Nähe zur Autobahn A11 garantierte zudem einen reich gedeckten Tisch - allein zehn Millionen Vögel sollen jährlich auf deutschen Straßen getötet werden. Für Aasfresser wie den Schreiadler ideal.

Als 1998 die Idee für den Radweg Berlin-Usedom entstand, war die Welt noch in Ordnung. Die Fahrradbrücke über die A11 war lange fertig als Ende 2007 endlich auch der gut drei Kilometer lange Radweg zwischen Steinhöfel und Stegelitz ausgebaut werden sollte. Das Bauschild stand, die Finanzierung und die Bauarbeiter auch.

Doch ein paar hundert Meter neben dem Schreiadler hatte sich kurz zuvor ein weiteres Pärchen im Außenbereich angesiedelt. Ein Beamter im Ruhestand mit seiner Frau. Natürlich ist ein Neubau im Außenbereich eines Dorfes gar nicht erlaubt. Aber in diesem Fall handelte es ich um eine alte Ziegelei. Und plötzlich verschoben sich den Grenzen des Nahrungshabitats gewaltig: Fahrradtouristen vor dem eigenen Gartenzaun? Das ging irgendwie gar nicht.

Schließlich sollte von Mitte Oktober bis Dezember 2013 das Ärgernis endlich aus der Welt geschafft werden: Auf 3,4 Kilometern sollten 510.000 Euro in den Neubau des Schreiadler-Radweges investiert werden. Mit fünf verschiedenen Belägen. Wirklich fünf? Als "Kompromiss" sollte es erst auf Betonsteinspuren, dann auf "wassergebundener" Oberfläche, später auf Betonsteinspuren "mit Natursteinpflaster" in der Mitte, schließlich über die unsanierten Feldsteinpflaster-Auffahrten über die Autobahnbrücke - und zum Erholen schließlich auf feinstem Asphalt hinab nach Stegelitz gehen.

Das Finale musste dann doch noch mal mehr als ein Jahr warten: Der neue Schreiadler-Radweg war für die schweren Holzerntemaschinen zu fragil und musste noch mal neu gebaut werden. Ob es ein wahres Happy End geworden ist, kann auf dieser Radtour überprüft werden.

Wenig später ist am Oberuckersee die nächste schöne Badestelle und auf Gut Suckow ein frisch renoviertes Traumschloss erreicht. Über winzige Dörfer geht es weiter nach Seehausen, wo der Huberhof eine wundervolle Oase bayrischer Gastfreundschaft mitten in der Uckermark ist.

Zum Finale geht es mit weitem Ausblick über den Unteruckersee nach Prenzlau, wo am Kap ein schöner Strand und die gute Küche des gleichnamigen Restaurants warten.

 

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