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Das wahre Wirtshaus im Spessart

Berlin, 11. Februar 2016 [zuletzt geändert am 12.02.16 um 23:00 Uhr]

Natürlich ist das alles ein Märchen. Und doch scheint es hier mitten im Schlaubetal wahr geworden zu sein. Mehr als 600 Kilometer vom Spessart entfernt. Für ein paar Tage hat sich hier wirklich eine alte Wassermühle in das sagenumwobene Wirtshaus verwandelt. Sogar mit richtigen Geistern. Eigentlich muss das alles unter uns bleiben. Aber am Samstag, 13. Februar 2016 verrät Benno Koch ausnahmsweise die unglaublichsten Entdeckungen auf dem Weg vom Schlaubetal ins Odertal.

Die Schatten der riesengroßen Fichten und Buchen liegen über der Szenerie. Kristallklar schlängelt sich der Bach durch das schmale Tal. Ganz wie es Wilhelm Hauff 1828 in seinem Märchen-Almanach beschrieben hat. Genau 182 Jahre später dreht ein großer deutscher Privatsender genau hier seine Geistergeschichten aus dem Spessart. Mitten in Brandenburg, mitten im Schlaubetal. Die Bremsdorfer Mühle lässt noch immer Märchen Wirklichkeit werden.

An diesem Wochenende ist es wieder soweit: Vielleicht liegt ein zarter Hauch Winterromantik über dem Tal. So wie vor knapp einem Monat, als das jungfräuliche Weiß für einen kurzen Augenblick alle Räuber aus dem Schlaubetal vertrieben hatte.

Diese rund 35 Kilometer kurze Radtour für Genießer führt von Grunow durchs Schlaubetal nach Eisenhüttenstadt. Schon der Bahnhof ist der Inbegriff der Stille. Einst kreuzten sich hier in der Niederlausitz die Bahnlinien zwischen Cottbus, Beeskow und Frankfurt (Oder). Heute biegt hier noch ein einzelner Triebwagen auf dem verbliebenen Gleis ab.

Auch auf der Bundesstraße ist niemand unterwegs. Es ist vermutlich eine der am wenigsten frequentierten Bundesstraßen überhaupt. Der asphaltierte Radweg ist auch im Winter schnee- und eisfrei. Rund um die alte Fachwerkkirche in Grunow ist nicht eine Spur im Schnee zu finden, im nahe Dammendorf auch nicht.

Dann sind schon die ersten Seen im Schlaubetal erreicht. Was andere am anderen Ende der Welt suchen, ist hier zu finden. Auch die alte Bremsdorfer Wassermühle. Jetzt im Winter wird die Romantik perfekt: Das Holzfeuer im offenen Kamin lodert. Der Gastraum ist aktuell unter der Woche eine kleine Werkstatt mit vielen Puzzles aus längst vergangenen Zeiten. Die berühmten Torten werden aber auch jetzt am Wochenende gebacken.

Dann geht es zunächst leicht hüglig und später mit einer rasanten Abfahrt in die erste sozialistische Stadt Deutschlands. Eisenhüttenstadt sei heute in Wahrheit schöner, als es zu DDR-Zeiten jemals war. Die Fassaden sind makellos saniert. Nur auf den großzügigen Hinterhöfen hinter den Säulenportalen parken heute Autos. Früher gab es hier Parks mit Springbrunnen. Doch nicht nur Tom Hanks ist in den Drehpausen immer wieder fasziniert von seiner Iron Hut City.

Das große Finale hat jedoch nicht mal Tom Hanks erlebt. Zumindest hat er es nicht verraten. Etwas außerhalb der Stadt sind am Oder-Neiße-Radweg die Reste der einstigen Oderbrücke hinüber ins Storchendorf Klopot zu entdecken. Es soll das größte Westpolens sein. Tourismus gibt es hier keinen. Die inzwischen im Sonnenuntergang wildromantisch anmutenden Brückenreste bedeuten auch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende immer noch 70 Kilometer Umweg. Für 500 Meter Luftlinie.

Und doch ist heute das Leben nach Eisenhüttenstadt zurückgekehrt. Die Einwohnerzahl ist erstmals seit 25 Jahren wieder kräftig gestiegen. Auf dem Bahnhof drängen sich die Menschen. Es ist alles ganz friedlich. Einige zeigen mir Behördenschreiben und fragen mit ein paar Brocken Englisch nach dem Weg. Es sind syrische Kriegsflüchtlinge. Auch für sie ist hier ein Märchen wahr geworden.

 

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