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Entdeckungen im Königsberg-Dreieck

Berlin, 10. März 2016 [zuletzt geändert 11.03.16 um 15:15 Uhr]

Das Tal der Liebe, einsame Alleen, die Tore, Mauern und Kirchen von Königsberg, der glasklare Mohriner See. Diese Region hat alles, was zu einem richtigen Abenteuer für Rad fahrende Genießer gehört. Das ist natürlich geheim. Aber am Samstag, 12. März 2016 verrät Benno Koch ausnahmsweise die unglaublichsten Entdeckungen im magischen Königsberg-Dreieck.

Mit dem Schwedter und dem Bernikower Tortürmen sind noch zwei der einst drei Stadttore aus dem 13. und 14. Jahrhundert erhalten. Die 50 Meter hohe Aussichtsplattform der St. Marien ist noch beeindruckender. Der Wiederaufbau der mittelalterlichen Backsteinkirche aus dem Jahre 1389 ist ein Musterbeispiel für deutsch-polnische Gemeinschaftsprojekte. Das alte Rathaus aus dem 14. Jahrhundert ist eine Perle der Baukunst von Hinrich Brunsberg. Die einstige Neumark ist heute Teil der Woiwodschaften Westpommern und Lebus. Und es ist eine einsame Sehnsuchtslandschaft.

Diese rund 75 Kilometer kurze Radtour führt von Schwedt (Oder) durch Westpolen nach Chojna (Königsberg in der Neumark) und zurück nach Bad Freienwalde. Es ist das legendäre Königsberg-Dreieck. Natürlich ganz inoffiziell. Eine Ausschilderung oder gar ausgebaute Radwege gibt es hier nicht. Aber mit ein wenig Erfahrung und einiger Neugierde lassen sich hier leicht hüglige Landschaften mit einsamen Alleen und kaum entdeckten Sehenswürdigkeiten verbinden.

Los gehts von Schwedt über die Oder, die inzwischen wieder richtig Wasser führt. Dann geht es in das Tal der Liebe. Der Uferweg ist hier vor wenigen Jahren als "Radweg" "ausgebaut" worden - der schlechteste Abschnitt dieser Radtour: Eine Bauschotter-Waschbrett-Piste mit Schlaglöchern. Dieser Mist ist vielleicht drei Jahre alt und bereits seitdem schon wieder eine Ruine.

Natürlich ist der Abschnitt nur kurz, bevor einsame asphaltierte Alleen auf dem Weg nach Königsberg entdeckt werden können. Tatsächlich liegt die Stadt mit dem mächtigen Namen eher in einem Tal. Aber mit ihren 7.376 Einwohnern hat das am Ende des Zweiten Weltkrieges zu 75 Prozent zerstörte Königsberg Erstaunliches vollbracht und wirkt heute lebendiger als vergleichbare Städte in Brandenburg.

Dazu zählt die ab 1389 von Brunsberg errichtete gotische St.-Marien-Kirche. Noch 1991 standen von der einst riesigen Stadtkirche nur noch die Außenmauern ohne Dach und mit einsturzgefährdetem Turm. Im Kirchenschiff wuchsen Bäume. Doch die äußerlich scheinbar abgeschlossene Sanierung der mit 57 Metern Länge und 40 Meter Höhe riesigen Hallenkirche bleibt weiter eine Lebensaufgabe: Das vor gut 20 Jahren neu gedeckte Dach weist Bauschäden auf und muss neu eingedeckt werden.

Jetzt wird die Landschaft immer offener. Mit weiten Blicken über die sanften Hügelketten. Die schmalen asphaltierten Straßen werden immer menschenleerer. Aber manche kleine Dörfer erwachen langsam zu neuem Leben. So wird in Mirowo (Woltersdorf Neumark) gerade das Herrenhaus von 1893 saniert.

Dann geht es schnell hinunter nach Mohrin (Moryn), dass sich außergewöhnlich engagiert zu einer echten touristischen Perle entwickelt. Das Strandbad ist traumhaft schön neu gebaut. Der Mohriner See ist mit fast 60 Meter der tiefste der Pommerschen Seenplatte und einer der saubersten. Natürlich gibt es mit dem auf seinem Grund angeketteten Großen Krebs auch ein passendes Seeungeheuer. Unweit des Sees hat mit dem Złota Rybka Moryń (Goldfisch) ein neues Fischrestaurant eröffnet, in dem es auch Maränen aus dem See gibt - ein Zeichen für die außerordentliche Wasserqualität. In der Altstadt gibt es ein neues Eiscafé und ein paar Meter wird die alte Schule zu einem neuen Hotel ausgebaut.

Am Bergbach Slubia geht es dann elf Kilometer bergab ins Odertal nach Stare Łysogórki (Alt Lietzegöricke). Vermutlich Biber haben abschnittsweise den Fluss aufgestaut. Die Straße ist schmal und der Wald dicht. Ein wunderbar mystisches Tal.

Auf der Uferstraße geht es dann nach Stary Kostrzynek (Alt Küstrinchen). In Siekierki wird die einstige Eisenbahnlinie der Wriezener Bahn nach Mohrin überquert. Die noch existierende riesige offenbar noch nicht entwidmete Eisenbahnbrücke hinüber nach Bienenwerder hat in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Ein bizarrer Streit zwischen einem Draisinenbetreiber und den Naturschutzbehörden hat jedoch statt der versprochenen Öffnung zu nichts als Stillstand und 20 Kilometer Umweg zum gegenüberliegenden Ufer geführt. Jetzt soll angeblich wieder eine Öffnung der Eisenbahnbrücke Bienenwerder als Radweg geplant sein.

Schließlich ist bei Krajnik Dolny (Niederkränig) die Oderbrücke nach Hohenwutzen erreicht. Der alte Bahndamm der Zehdener Kleinbahn führt von hier inwischen als ausgebauter Radweg nach Bad Freienwalde.

 

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