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Militärbahn, Highlands und Spargeldörfer

Berlin, 29. April 2016

Südwestlich von Berlin erstreckt sich der Naturpark Nuthe-Nieplitz. Die Landschaften sind geprägt von einst riesigen Truppenübungsplätzen und Sperrgebieten des Kalten Krieges. Heute erinnern hier ebenso riesige Highland-Rinderherden schon mal an die schottischen Lowlands. Das ist natürlich geheim. Aber am Samstag, 30. April 2016 verrät Benno Koch ausnahmsweise die beschaulichsten Entdeckungen im Fahrradfrühling.

Der russische Schlafwagen ist gerade eingetroffen und öffnet an diesem Wochenende als romantisches Hotel. Schon vor drei Jahren diente das riesige Bahnhofsgelände den amerikanischen The Monuments Men um George Clooney als Kulisse. Der fiktive Bahnhofsname Le Bourget steht noch immer an einer alten Stahlbrücke. Ganz anders im Inneren der Kathedrale der Königlich Preußischen Militär-Eisenbahn: Im historischen Wartesaal wird seit einem Jahr französische Küche serviert. Ganz bodenständig.

Diese rund 50 Kilometer kurze Radtour führt von Zossen nach Seddin. Sie könnte Teil des theoretischen Radweges Rund um Berlin sein. Ist sie aber nicht. So wie jene offiziell als Regionalpark Fahrradroute bezeichnete Strecke nie systematisch ausgebaut wurde, so gibt es hier im und rund um den Naturpark Nuthe-Nieplitz kein Fahrradkonzept. Also keines, was nachhaltig ausgebaute, asphaltierte Radwege abseits der Landstraßen systematisch mit den Bahnhöfen der Region verbindet.

Trotzdem ist es natürlich und sogar überraschend schön möglich hier Routen für Tagesausflüge zu finden. Wenn man sich auskennt. Den Anfang macht der Nottekanal-Radweg. Ein Relikt aus den 1990er Jahren, als der Trampelpfad eine der ersten grünen Strecken abseits des Autoverkehrs war. Unter alten Bäumen führt ein Abschnitt heute als inzwischen besser befahrbarer Kiesweg von Zossen nach Mellensee. Immer in Sichtweite der rostigen Gleise der einstigen Königlich Preußischen Militär-Eisenbahn.

Wer sich dann durch Vorortsiedlungen von Süden an den Bahnhof Rehagen heranschlängelt, befindet sich irgendwann im Wald inmitten eines einzigartigen Ensembles aus zugewachsenem Lokschuppen, Gleisen, Bahnsteigen, einer Bahnhofsbrücke und natürlich dem riesigen Klinkergebäude des Bahnhofes von 1897. Historische Eisenbahnwagen machen die Illusion perfekt. Und drinnen warten der Espresso und die frische Küche von Christophe Boyer, dem Gründer und Inhaber des Bahnhofes Rehagen.

Dann führen straßenbegleitende Radwege zum Koster Alexanderdorf, wo in der Hostienbäckerei schon die Oblaten für Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. gebacken worden sein sollen.

Jetzt geht es in den Wald. Irgendwann hören die Markierungen für einen Wanderweg auf. Die ersten Bunker erscheinen. Namen wie Behrendts Grab, Scharfer Winkel und Fauler Brückenhorst scheinen hier nicht zu viel zu versprechen. Doch keine Angst: Die Wege sind besser befahrbar, als viele offizielle Radwege. Irgendwann ist man dann in einem offenen Luch. Wenn dann die Namen der Fließe von Sperrgebietsgraben und Schießplatzgraben langsam in Amtsgraben und Moorgraben übergehen, ist man in Sicherheit.

Dann werden die Feldwege immer besser, sind schließlich asphaltiert und führen ruhig mitten in die Kleinstadt Trebbin. Wo sogar ein richtiger Bahnhof und Regionalzüge zurück nach Berlin warten. Doch jetzt locken im folgenden Naturpark Nuthe-Nieplitz mit einem zweiten Teil dieser Radtour nicht nur die Spargeldörfer.

Die Strecke führt auf einem straßenbegleitenden Radweg in die Friedensstadt Glau. Der Name verrät es schon: Auch hier waren im Kalten Krieg riesige Sperrgebiete - 60 Jahren militärische Nutzung haben auch heute noch sichtbare Spuren hinterlassen. Auf einem 160 Hektar großen Truppenübungsplatz gleich gegenüber dürfen sich heute im Glauer Tal Mufflons und Hirsche so naturnah wie möglich vor den Augen der Naturparkbesucher bewegen.

Etwas weiter ist die Idylle im Dorf Blankensee kaum zu übertreffen: Ein Schloss aus dem Jahre 1740, ein Bauernmuseum in einem Mittelflurhaus von 1649, der Park natürlich von Peter Joseph Lenné, jeder Menge malerischer Bauernhäuser mit leuchtenden Frühblühern im Vorgarten und einer richtigen Landbäckerei in der Ortsmitte, wo seit mehr als 100 Jahren die Brote mit Natursauerteig gebacken und die Brötchen handgeformt werden.

Gleich hinter dem Dorf gibt es dann doch noch eine Steigerung: Riesige Highland Rinderherden auf saftigen Weiden bis zum Horizont machen die Reise nach Schottland inzwischen entbehrlich. Die Illusion der Lowlands gibts nun auch direkt vor der Berliner Haustür.

In Stücken, Kähnsdorf oder Seddin werben dann alle Gasthöfe und offenen Höfe mit Beelitzer Spargel. Der schönste in der Reihe soll dann direkt am See den Abschluss einer einzigartigen Radtour für Genießer bilden.

 

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