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Radweg Berlin-Leipzig: Wege zur Reformation

Berlin, 13. Juni 2016 [zuletzt geändert 14.06.16 um 23:45 Uhr]

Wittenberg: Es gibt Wege, die sind verdammt lang. Im nächsten Jahr werden nach Luthers Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirchentür genau 500 Jahre vergangen sein. Es folgten Ketzerprozesse, Glaubenskriege und schließlich die Trennung von Staat und Religion. Letzteres ist in Deutschland noch keine 100 Jahre her. Am Samstag, 18. Juni 2016 verrät Benno Koch die schönsten Wege entlang des Radweges Berlin-Leipzig zur Reformation.

Als im Frühjahr 2006 ein Radweg zwischen dem Leipziger Zentralstadion und dem Berliner Olympiastadion eröffnet wurde, soll die Olympiabewerbung Leipzig 2012 die treibende Kraft gewesen sein. London hat schließlich die Spiele gewonnen und inzwischen den einen oder anderen Cycle Superhighway auf der Insel neu gebaut. Auch zehn Jahre nach der offiziellen Eröffnung fehlt dagegen eine durchgehend autofreie Asphaltpiste zwischen der Bundeshauptstadt und der sächsischen Messestadt. Doch es gibt Hoffnung: In Berlin wurden gerade ein paar hundert Meter Radweg Berlin-Leipzig neu gebaut. Und den Kern bilden die Fahrradstraßen des Fläming-Skate südlich von Berlin.

Diese rund 55 Kilometer kurze Radtour beginnt in Lutherstadt Wittenberg und führt nach Jüterbog. Nicht ganz entlang des offiziellen Radweges Berlin-Leipzig, sondern schöner.

Sogar der Bahnhof Lutherstadt Wittenberg soll für 12 Millionen Euro endlich vorzeigbar werden. Das alte Bahnhofsensemble wurde gerne als Vorhof zur Hölle bezeichnet und inzwischen abgerissen. Das neue Empfangsgebäude soll nach modernsten ökologischen Standards gebaut werden und ist seit ein paar Tagen im Rohbau fertig.

Die Altstadt Wittenbergs rund um das Schlosskirchenensemble putzt sich für das Reformationsjubiläum 2017 gerade heraus. Viele Fassaden erstrahlen schon jetzt schöner als vermutlich jemals in den 500 Jahren zuvor.

Dann geht es in einer schöneren Variante des Radweges Berlin-Leipzig durch die Elbauen und zur Külsoer Mühle, von der ein neu asphaltierter Radweg nach Zahna und damit zurück zur offiziellen Radroute führt.

Nun führen die Fahrradstraßen von Sachsen-Anhalt hinüber nach Brandenburg zum Fläming Skate und erreichen Jüterbog. Die mittelalterliche Stadt hat nicht nur den Zweiten Weltkrieg, sondern auch die DDR architektonisch nahezu lückenlos überstanden und ist inzwischen einzigartig wie aus dem Bilderbuch restauriert. Und sie ist ein wichtiger Ort der Reformation vor 500 Jahren.

Der Dominikanermönch und Ablassprediger Johann Tetzel zog als Generalsubkommissar mit seiner Lade auch durch Jüterbog. Dieser Tetzelkasten war eine Schatztruhe, in der die Erlöse aus dem Ablasshandel abtransportiert wurden. Gläubige sollten sich so von ihren Sünden und den Qualen des Fegefeuers freikaufen.

Für Martin Luther soll dieser Ablasshandel Auslöser seiner 95 Thesen und der Reformation gewesen sein. Ein Tetzelkasten steht heute in der Jüterboger Nikolaikirche. Und der Radweg Berlin-Leipzig wird von hier nach Wittenberg inzwischen auch als "neuer" Luther-Tetzel-Radweg vermarktet - neu gebaut wurde hier nichts.

Natürlich warten unterwegs ein nettes Café und am Ende ein gutes Restaurant - auf einer kleinen Entdeckungsreise mit einem Hauch Bildungsurlaub für Rad fahrende Genießer.

 

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