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Westpolen: Brühlsches Schloss und Martinsgansessen am Kamin

Berlin, 14. November 2016

Alle hatten ihr abgeraten. Selbst ihr Vater. Heute ist der abgelegene Hof von Dorota Schewior ein Musterbeispiel was geht. In einer Region, die noch immer viele Chancen verpasst. Und die von einem neuen Braunkohletagebau bedroht ist. Am Samstag, 19. und am Sonntag, 20. November 2016 verrät Benno Koch gleich zwei Mal die spannendsten Entdeckungen östlich der Neiße.

Wielotów ist ein beschauliches Dorf in der Woiwodschaft Lebus. Jetzt durchziehen mystisch Nelbelfelder die Landschaft. Doch Wielotów ist anders. Über die sanften Hügel am Ortsausgang erstrecken sich bis zum Horizont Erdbeer-, Himbeer-, Brombeer- und Spargelplantagen. Im Winterhalbjahr wärmt der Kamin. Es gibt Gänsebraten und selbstgemachte Torten. Als Dorota Schewior 1995 hier anfing ihren Traum zu verwirklichen, haben ihr alle abgeraten. Auch ihr Vater. Dorota ist in Wielotów aufgewachsen und hat zunächst wie viele ihrer Generation das karge Land verlassen. Spätestens als sie vor sechs Jahren das Gartencafé samt Hofladen öffnete, wurde ihr Erfolg für jeden sichtbar.

Das Gartencafé, der Hofladen und ein kleines Restaurant in den alten Backsteingemäuern vermitteln das angenehme Gefühl eher Teil einer Familie zu sein. Zwei rustikale Kamine sorgen an kalten Tagen für Wärme. In der hauseigenen Konditorei werden frische Torten selbst hergestellt.

Umrahmt ist die Landschaft von den Ruinen des Brühlschen Schlosses in Brody (Pförten). Heinrich Graf von Brühl ließ hier 1741 bis 1749 das alte Schloss samt Stadt und Park aufwändig umgestalten, Kavalierhäuser und Stadttore bauen. Noch heute versprüht der irgendwie untouristische Flecken eine Ahnung der adligen Blütezeit, als der Graf den Kurfürsten und sein Gefolge hier in Pförten und nicht in der Residenzstadt Dresden empfing.

Jene Blütezeit war kurz. Nach dem Siebenjährigen Krieg ließ Preußenkönig Friedrich II. 1758 das Schloss seines Lieblingsfeindes niederbrennen. 100 Jahre später wurden Teile wiederaufgebaut und schließlich 1945 erneut geplündert und in Brand gesteckt.

Doch inzwischen erwacht das Schloss Pförten aus seinem Dornröschenschlaf. In den letzten Monaten wurde der Dachstuhl saniert, das Dach neu gedeckt und die Innensanierung begonnen. Während von der Orangerie nur noch ein paar Außenwände stehen, schreitet auch die Sanierung des Marstalls voran.

Ihren wichtigsten Kampf hat die Region noch nicht gewonnen: Zwischen Brody und Gubin soll ein riesiger Braunkohletagebau neu erschlossen werden. 60 Dörfer wären betroffen, die Grube bis zu 140 Meter tief, die Abraumhalden bis zu 70 Meter hoch.

Der Hof von Dorota Schewior würde dann genauso den Riesenbaggern geopfert werden, wie die seit Jahrhunderten gewachsene liebliche Kulturlandschaft östlich der Neiße mit weiteren verwunschenen Schlössern wie in Luboszyce (Liebesitz). Wie friedlich und schön sind gegen die gigantische Landschaftszerstörung durch Braunkohlebagger doch moderne Windkraftanlagen und Hybridkraftwerke als preiswerte Speicher.

Diese knapp 50 Kilometer kurze Tour führt von Forst (Lausitz) über einen straßenbegleitenden Radweg zum Schloss nach Brody, über ruhige Landstraßen nach Wielotów zum Martinsgansessen ins Gartencafé, ins überraschende Gubin und zurück zum Bahnhof in Guben - auf einer entspannten Radtour für Genießer.

 

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