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Unteres Odertal: Stettin, Wildgänse und Blockhaussauna

Berlin, 25. November 2016

Was macht eigentlich der Oder-Neiße-Radweg nach Stettin? Als vor fünf Jahren der erste Abschnitt bei Pargowo eröffnet wurde, waren die Hoffnungen groß. Ein paar Kilometer weiter im Odertal ist jetzt die schönste Zeit für Birdwatcher angebrochen. Zehntausende Wildgänse und Singschwäne überwintern hier. Und am Ende wartet eine Blockhaussauna mit knisterndem Kaminfeuer. Benno Koch verrät am Sonntag, 27. November 2016 die überraschendsten Entdeckungen zwischen Stettin und Schwedt.

Der neue Radweg auf dem Stettiner Bulwar Piastowski entlang der Oder zwischen Hauptbahnhof, Schloss und Hakenterrassen ist längst selbstverständlich. Am Hafen von Gryfino ist das erste Stück eines asphaltierten Radweges fertig. Und die Fahrradstraße von Staffelde nach Pargowo ist bereits vor fünf Jahren asphaltiert und ausgeschildert worden. Alles zusammen gehört zu einem Puzzle namens Oder-Neiße-Radweg. Durchgängig fertig ist hier nichts. Trotzdem ist das Ganze ein gutes Beispiel wie Europa inmitten der einzigartigen Flusslandschaft des Unteren Odertals langsam zusammenwächst.

Diese 60 Kilometer kurze Radtour startet mit einer kleinen Stadtrundfahrt durch Stettin und führt auf Abschnitten des neuen polnischen Oder-Neiße-Radweg nach Staffelde und weiter durchs Odertal nach Schwedt. Unterwegs wartet das Alte Zollhaus in Mescherin mit seiner guten Küche wohltemperiert direkt an der Oder.

Ein paar Kilometer weiter ist es der morbide Charme der alten Hansestadt Gartz (Oder). Den manchmal sogar ABBA zum Leben erweckt. Und wenn man extra den Oderfischer bestellt, wirkt die Szenerie wie im Märchen. Eine Fischerkneipe am Oderufer gibt es aber nicht, stattdessen prägt noch immer eine Garagensiedlung in der ersten Reihe. Doch mit dem Stettiner Stadttor in schönster Backsteingotik, dem Heilig-Geist-Hospital oder der turmlosen Stadtkirche St. Stephan in der Gartzer Altstadt ist der einstige Glanz der alten Hansestadt noch zu erahnen.

Seit ein paar Jahren definiert sich Gartz als Speckgürtel der Metropolregion Stettin und profitiert vom Zuzug junger Familien aus dem Nachbarland Polen. Leerstehende Häuser oder Wohnungen gibt es hier in der von Demoskopen gerne abgeschriebenen Uckermark praktisch keine mehr.

Und Fahrradtourismus spielt hier eine große Rolle. Doch aktuell leidet Gartz unter der seit Jahren für eine grundhafte Deichsanierung angekündigten Sperrung des Oder-Neiße-Radweges, die inzwischen auf Ende 2017 verschoben wurde. Und auch der sinnlose Streit darum, wer nun endlich den offiziellen Radweg Berlin-Stettin ausschildern darf, hilft der Region nicht. Warum Brandenburg beim Ausbau der erfolgreichen Radfernwege schon vor Jahren eine Vollbremsung hingelegt hat, muss ein wirtschaftliches Rätsel bleiben.

Was nun folgt ist ein Naturschauspiel ohne Gleichen in Brandenburg. Das Odertal weitet sich, die Oder mit ihren Polderlandschaften wird hier manchmal zu einem kleinen Meer, am Horizont erstrecken sich die Hügelketten am polnischen Oderufer. Mitten hindurch führt der breite asphaltierte Oder-Neiße-Radweg fast immer auf dem Deich entlang.

In kleinen Brackwasserseen sammeln sich jetzt oft riesige Kolonien von Wildvögeln, direkt am Radweg und zum Greifen nah. Und so geht es kilometerweit durch die einsame Flusslandschaft durch den Sonnenuntergang nach Schwedt.

Im Aquarium Schwedt wartet eine der entspannendsten Saunalandschaften Brandenburgs. Ohne Touristenschlangen lodert hier das Kaminfeuer in der geräumigen Blockhaussauna, bietet das Sportbecken viel Platz und gleich nebenan verspricht ein Restaurant die gute Küche danach.

 

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