Login  

Stechlinseebahn-Radweg: Ein Traum wird wahr

Berlin, 28. Februar 2017 [zuletzt geändert 4.03.17 um 23:30 Uhr]

Einst war die Bahnlinie 23 Kilometer lang: Am 8. August 1930 fuhren die ersten Personenzüge von Gransee zum Stechlinsee. Bereits im Sommer 1945 wurden die Gleise als Reparationsleistung nach dem Zweiten Weltkrieg demontiert. Auch aus militärischen Gründen bekam die Strecke von 1952 bis zum 1. Juni 1969 noch eine zweite Chance. Dann kam das endgültige Aus. Mit dem neuen Stechlinseebahn-Radweg kehrt nun das Leben auf dem alten Bahndamm zurück. Am Sonntag, 5. März 2017 verrät Benno Koch die schönsten Entdeckungen im Fahrradfrühling.

Eigentlich ist der Asphaltstreifen zwischen Gransee und Schulzendorf bereits seit Herbst fertig. Doch jetzt im Frühjahr soll der acht Kilometer lange Abschnitt auch offiziell neu eröffnet werden. Bereits vor einem Jahr wurden knapp fünf Kilometer der alten Bahnlinie im nördlichen Abschnitt zwischen Menz und Neuglobsow neu asphaltiert. Zusammen mit dem Radweg Berlin-Kopenhagen nach Fürstenberg (Havel) ergibt sich so eine rund 40 Kilometer lange Strecke mit ganz neuen Möglichkeiten.

Gransee verkauft sich immer ein wenig unter Wert: Einmal pro Stunde halten hier die schnellen Regionalexpresszüge aus Berlin auf dem Weg zur Ostsee. Der historische Stadtkern ist praktisch unzerstört erhalten geblieben. Die Bundesstraße B96 führt weit an der Stadtmauer vorbei. Und trotzdem fehlte Gransee bisher fast alles, was auch sanfter Tourismus heute braucht.

Vom Turm der riesigen mittelalterlichen St. Marien Kirche hat man einen grandiosen Blick über die perfekt sanierte kompakte Ackerbürgerstadt und viel Natur drumherum. Wenn es Gransee jetzt noch hinkriegt ein professionelles Café und ein schönes Hotel in der Altstadt zu eröffnen, hat die Stadt alle Chancen.

Der neue Stechlinseebahn-Radweg ist eine neue Chance. Der Asphaltstreifen beginnt nicht am bestehenden Bahnhof Gransee, sondern nördlich der Stadtmauer und etwas südlich vom Geronsee. Hier befand sich einst der Bahnhof Gransee West. Heute befindet sich hier im Naturschutzgebiet ein unüberhörbarer Winterrastplatz für Zugvögel.

Der neue Asphaltstreifen führt dann schnell abseits der Landstraßen über die Felder ins westlich gelegene Schulzendorf. Einziger Schönheitsfehler unterwegs: Die Seuche der Umlaufsperren auf Radwegen ist nicht totzukriegen.

Umlaufsperren sind gefährliche Gitter, die nicht nur in der Dämmerung regelmäßig übersehen werden, sondern auch tagsüber immer vom Blick auf den normalen Straßenverkehr ablenken. Hindernisse auf Fahrbahnen einzubauen ist laut Straßenverkehrs-Ordnung eigentlich verboten. Beim Fahrradverkehr will sich aber jede Straßenverkehrsbehörde eigene Regeln ausdenken.

In Schulzendorf macht der neue Radweg am gerade privat sanierten alten Bahnhof eine scharfe 90-Grad-Kurve, um dann auf einer ruhigen Landstraße zu enden. Der eigentliche Bahndamm ist bis Wolfsruh noch nicht ausgebaut.

Später ist die Bahnkurve bei Großwoltersdorf vor einigen Jahren bereits einmal ausgebaut worden - leider ohne richtigen Unterbau und nach kurzer Zeit von Wurzelaufbrüchen durchzogen. Der Schönheitsfehler hat sich nach zwei Kilometern ausgeholpert, bevor dann bei Menz wieder der perfekt asphaltierte Stechlinseebahn-Radweg zurückkehrt.

In Neuglobsow ist schließlich der Stechlin und das Ende der einstigen Bahnlinie erreicht. Hier wartet das eine oder andere Café und das Ufer des mit 70 Metern tiefsten Sees Brandenburg. Mit bis zu elf Metern Sichttiefe gilt er zudem als einer der klarsten Seen in der Hauptstadtregion.

Mit dem Radweg Berlin-Kopenhagen folgt nun einer der legendärsten Radfernwege Deutschlands. Als dieser im Frühjahr 2001 offiziell eröffnet wurde, waren 90 Prozent der Strecke auf dem Weg zur Ostsee noch nicht ausgebaut. Heute führen hier einsame Fahrradstraßen sanft hüglig durch dichte Wälder nach Fürstenberg (Havel), wo ein gutes Restaurant im Sonnenuntergang den würdigen Abschluss dieser Radtour bilden soll.

 

Einfach anmelden - den neuen Stechlinseebahn-Radweg erleben!

 

Hintergrund