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Mystische Uckermark

Berlin, 16. März 2017 [zuletzt geändert am 17.03.17 um 11:00 Uhr]

Tiefe Wälder, sanfte Hügel und mehr als 200 Seen - oft und gerne direkt am Radweg. Der Naturpark Uckermärkische Seen ist eine der mystischsten Landschaften Brandenburgs. Und die alte Fachwerkkirche Alt Placht, umgeben von 500 Jahre alten Linden, ist so etwas wie der Beweis des Besonderen. Am Sonntag, 19. März 2017 verrät Benno Koch die schönsten Entdeckungen links und rechts vom Uckermärkischen Radrundweg.

Wie alle anderen überregionalen Radfernwege in Brandenburg ist auch der inzwischen offiziell 304 Kilometer lange Uckermärkische Radrundweg nie durchgängig fertiggestellt worden. Vor ziemlich genau elf Jahren eröffnet, waren damals weniger als die Hälfte der Strecke wirklich ausgebaut worden. Kurz darauf machte das Land Brandenburg eine Vollbremsung bei der Fahrradförderung. Doch gut versteckt in den tiefen Wäldern der Uckermark liegen gerade im Abschnitt zwischen Templin und Lychen einige der schönsten Fahrradstraßen in der Hauptstadtregion.

Diese rund 45 Kilometer kurze Radtour beginnt in Templin und führt in Anlehnung an den Uckermärkischen Radrundweg nach Fürstenberg (Havel).

Templin beeindruckt mit drei erhaltenen Stadttoren in einer mehr als 1,7 Kilometer langen mittelalterlichen Stadtmauer. Eigentlich immer eine gute Gelegenheit sich das Ganze von oben anzuschauen: Gibt es eigentlich noch einen am Wochenende ohne Voranmeldung geöffneten Turm in der Altstadt, zum Beispiel den der Maria-Magdalenen-Kirche?

Dann geht es schnell aus der Stadt hinaus ins noch neblig Graue und auf die Suche nach den ersten Frühblühern am Wegesrand. Nach zehn Kilometern ist dann im einstigen Gutsdorf Alt Placht eine frühe Blüte der Uckermark erreicht.

Vor gut 300 Jahren haben hier französische Glaubensflüchtlinge eine reetgedeckte Fachwerkkirche errichtet. Zum Ende der DDR war diese Geschichte längst vergessen und die Ruine zum Abriss freigegeben. Dann kam der Glücksfall der Berliner Mauer und bereits Mitte der 1990er Jahre war die Kirche Alt Placht wohl schöner als je zuvor wieder aufgebaut worden. Doch noch heute ist hier an der mittelalterlichen Handelsstraße Strelitz-Frankfurt die Mystik, Ruhe und Beschaulichkeit so einzigartig, wie an kaum einem anderen Platz in Brandenburg.

Nun folgen auf rund acht Kilometern abseits jeder Landstraße einige der schönsten Fahrradstraßen Brandenburgs. Das nächste Ziel heißt Hohenlychen. Die heutige Ruinenstadt soll sich wieder zu einem Kurort mit Wellness-Hotel entwickeln. Aktuell ist es sehr ruhig um die weitere Sanierung. Aber hin und wieder schaut sogar der Weihnachtsmann persönlich vorbei.

Apropos Weihnachtsmann: Was macht eigentlich der alte Herr im nahen Himmelpfort gerade so? Nein, auf den Bildern ist nur der inoffizielle Nachwuchs-Aushilfsweihnachtsmann zu sehen. Der Ort hat es irgendwie trotz des unbezahlbaren Namens und des riesigen Interesses nicht geschafft, wirtschaftlich in der Neuzeit anzukommen. Beginnen könnte man mal mit einem Verkehrskonzept ohne Autochaos im beschaulichen Ortskern.

Nun biegt diese Radtour auf den Radweg Berlin-Kopenhagen ab und kämpft sich dann durch die Wälder zu einem weiteren Kleinod durch: Der einzigen selbstfahrenden Fluss-Eisenbahnfähre. Genau genommen dem, was davon übrig geblieben ist.

Die Geschichte ist dramatisch: 1936 wurde die Eisenbahnfähre über die Siggelhavel in Betrieb genommen. Auf einem Nebengleis zweigte die Verbindung von der Bahnlinie Templin-Fürstenberg ab und führte in die südlich der Siggelhavel gelegene Faserstoff GmbH. In der Rüstungsfabrik wurden illegal Geschosshülsen für die Wehrmacht hergestellt.

Ab 1939 wurde es noch dramatischer, als hier von der SS das Konzentrationslager Ravensbrück errichte wurde und bis 1945 den qualvollen Tod von 28.000 Menschen brachte. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die Rote Armee die Havel-Eisenbahnfähre bis zum Jahre 1993 auf dem Weg in ihre Panzerwerkstätten.

Heute ist hier alles ganz friedlich. Und mit ein bisschen Glück führt diese Radtour wohlbehalten aus dem Wald heraus in die in neuer Pracht sanierten Villenviertel der Wasserstadt Fürstenberg (Havel).

Natürlich soll unterwegs ein Café und am Ende ein gutes Restaurant warten. Vielleicht endet das Ganze sogar wieder im InnFernow.

 

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