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Westpolen: Durchs Tal der Liebe

Berlin, 20. März 2017 [zuletzt geändert am 24.03.17 um 10:15 Uhr]

Während der Oder-Neiße-Radweg auf Brandenburger Seite ein inzwischen fast durchgängig sehr gut ausgebauter Radfernweg ist, bleibt das polnische Oderufer ein Geheimtipp. Am Anfang steht Beatas Gartencafé im Tal der Liebe. Am Samstag, 25. März 2017 verrät Benno Koch die spannendsten Entdeckungen in Westpolen.

Eigentlich muss das unter uns bleiben: Es gibt im gesamten deutschen Abschnitt der Oder keinen so einen großartigen Ausblick wie von den Hügeln im Tal der Liebe. Hier entstand ab 1850 ein einzigartiger Landschaftspark. Natürlich mit Schweizerhaus, einem griechischen Ruinenberg und einem Bergbach. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel das einstige Ausflugsziel in einen jahrzehntelangen Dornröschenschlaf.

In den vergangenen Jahren wurden einige der Wege mit viel Fördergeld neu gebaut. Das Ergebnis ist nicht der Rede wert. Aber darum geht es hier nicht. Etwas versteckt liegt das Bauernhaus von Beata. Vor einem Jahr hat sie die Bäume vor ihrem Grundstück gefällt: Jetzt ist der Blick aufs Odertal frei. Es gibt wohl keinen schöneren Ausblick von einem Café am gesamte deutschen Oderverlauf.

Hier sind wir aber in Westpolen. Und Beata verkörpert die einzigartig engagierte Gastfreundschaft, die nur in diesem Land zu finden ist. Sie hat ganz klein angefangen. Inzwischen hat sie das ganze Jahr offen. Es gibt eine Holzhütte mit Kamin. In der Küche werden traditionelle Gerichte zubereitet. Hier ist alles echt und der Kuchen noch warm. Wie früher in Omas Garten. Nur der Ausblick übers Odertal ist noch schöner.

Diese rund 50 Kilometer kurze Radtour beginnt in Schwedt, führt dann kilometerweit auf einem Damm durch die jetzt überfluteten Oderwiesen nach Polen und weiter am östlichen Oderufer vom Tal der Liebe nach Osinow Dolny, um schließlich am Bahnhof Bad Freienwalde zu enden.

Nicht nur Beata und ihr Bauerngarten ist ein unbezahlbarer Ort der Gastfreundschaft. Auch am Ende wartet ein neu gebautes reetgedecktes Kleinod mit Kamin, bodenständiger Küche und eiskaltem polnischen Bier.

Und was liegt dazwischen? Auch Wege, die auf keiner Fahrradkarte als Radroute zu finden sind. Ausgebaute Radwege gibt es hier ohnehin nicht. Aber es ist ruhig. Sehr ruhig. Und die Strecke ist fast durchgängig asphaltiert oder mit gut befahrbaren Betonplatten befestigt. Ein Abenteuer für Genießer.

Natürlich wartet Geschichte und Geschichten hinter jedem Waldstück. Da wäre zum Beispiel Bielinek. Das Dorf mit der viel zu großen Kirche hieß früher Bellinchen und liegt eingerahmt von Steilhängen direkt an der Oder. Früher fuhr hier eine Fähre hinüber ins westlich gelegene Lunow.

Heute würde eine Wiederbelebung dieser Fährverbindung vor allem der deutschen Seite des Nationalparks Unteres Odertal helfen. Nicht nur weil die Oderhänge von Bellinchen artenreicher sind. Sondern vor allem weil hier in Westpolen zum Beispiel mit dem nahen Kloster Zehden genau jene Infrastruktur an Restaurants und Hotels vorhanden ist, die in Brandenburg fehlt.

 

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