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Entdeckungen am Radweg Berlin-Kopenhagen

Berlin, 21. März 2017 [zuletzt geändert am 24.03.17 um 10:15 Uhr]

Die kleine Serie der Radtouren rund um Fürstenberg (Havel) geht weiter. Das liegt auch an außergewöhnlich engagierten Gastgebern wie Sascha Fernow und seinem neuen Inn. Aber auch an Kleinoden wie der Havel-Eisenbahnfähre, an denen die Zeit still steht. Diesmal geht es Richtung Süden in die Zehdenicker Tonstichlandschaft. Am Sonntag, 26. März 2017 verrät Benno Koch die spannendsten Entdeckungen links und rechts vom Radweg Berlin-Kopenhagen.

Am Anfang steht Fürstenberg: Das alte Bahnhofsgebäude ist äußerlich mit Fördergeldern wieder zum Hingucker geworden - und der Bahnsteig davor und die Toilette darin für Bahnfahrgäste gesperrt. Man muss die Geschäftsideen des Besitzers nicht verstehen. Ein paar Meter weiter im neuen Gästehaus InnFernow eine ganz andere, einzigartige Welt, wie man sie in Brandenburg selten findet: Jeden Tag ab 8:00 Uhr geöffnet, selbstgebackene Kuchen und Torten, bester Himmelpforter Kaffee und den einen oder anderen Gourmet-Burger. Saubere Toiletten gehören natürlich dazu.

Diese Radtour führt auf rund 50 Kilometern von Fürstenberg (Havel) nach Zehdenick. Nicht immer auf dem offiziellen Radweg Berlin-Kopenhagen. Manchmal sind kleine Abstecher schöner.

Nach dem morgendlichen Kaffee im InnFernow geht es zunächst zur alten Havel-Eisenbahnfähre. Ein mystischer Lost Place und eine Zeitreise in die dunkle Vergangenheit Fürstenbergs: In der Faserstoff GmbH wurden in den 1930er Jahren illegal Geschosshülsen produziert. Häftlinge aus dem nördlich gelegenen Konzentrationslager Ravensbrück wurden in Eisenbahnwagen gepfercht, über die Siggelhavel gefahren und zur Arbeit in den Rüstungsfabriken gezwungen.

Dann geht es ins Weihnachtsmanndorf Himmelpfort. Der alte Herr lässt sich hier gerade nicht blicken, aber das Weihnachtsmannhaus und ein Café stehen offen. Die Gastgeber sind nett. Es ist ein Förderprojekt. Der Kaffee ist gut. Backen oder auch nur ein paar abgepackte Waffeln warm machen, kann hier allerdings niemand.

Nun folgt der bestens ausgebaute Radweg Berlin-Kopenhagen über Bredereiche und Dannenwalde in die Tonstichlandschaft rund um Zehdenick. Mit einem Abstecher wartet auch das Schloss Tornow.

Doch vor allem die alte Industrielandschaft Zehdenick ist an Einmaligkeit kaum zu überbieten: Links und rechts der Havel sind hier 1887 beim Bau der Eisenbahnlinie riesige Tonvorkommen entdeckt worden.

Schnell entwicklete sich eine Industrie aus Tongruben, Tonlorenbahnen und mehr als 30 Ziegeleien mit großen Ringöfen. Eines der größten Ziegeleireviere Europas. Die gebrannten Ziegel wurden dann mit Lastkähnen in die aufstrebende Gründerzeitmetropole Berlin transportiert. Heute versucht der Museumspark Mildenberg diese Tradition zu bewahren - und hat im März geschlossen.

Genau deshalb ist es gerade jetzt auch hier am mystischsten. Bevor die Touristen kommen, gehört die Region den Rad fahrenden Genießern.

 

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