Login  

Dorotas Spargelhof

Berlin, 5. April 2017 [zuletzt geändert 8.04.17 um 22:50]

Alle hatten ihr abgeraten. Selbst ihr Vater. Heute ist der abgelegene Hof von Dorota Schewior ein Musterbeispiel was geht. In einer Region, die noch immer viele Chancen verpasst. Und die von einem neuen Braunkohletagebau bedroht ist. Am Sonntag, 9. April 2017 verrät Benno Koch die spannendsten Entdeckungen auf dem Weg zu Dorotas Spargelhof.

Wielotów ist ein beschauliches Dorf in der Woiwodschaft Lebus. Über die sanften Hügel am Ortsausgang erstrecken sich bis zum Horizont Erdbeer-, Himbeer-, Brombeer- und Spargelplantagen. Als Dorota Schewior 1995 hier anfing ihren Traum zu verwirklichen, haben ihr alle abgeraten. Auch ihr Vater. Dorota ist in Wielotów aufgewachsen und hat zunächst wie viele ihrer Generation das karge Land verlassen. Spätestens als sie vor acht Jahren das Gartencafé samt Hofladen öffnete, wurde ihr Erfolg für jeden sichtbar.

Das Gartencafé, der Hofladen und ein kleines Restaurant in den alten Backsteingemäuern vermitteln das angenehme Gefühl eher Teil einer Familie zu sein. Zwei rustikale Kamine sorgen an kalten Tagen für Wärme. In der hauseigenen Konditorei werden frische Torten selbst hergestellt. Und jetzt gibt es den ersten frischen Spargel von den eigenen Feldern.

Diese rund 45 Kilometer kurze Radtour führt von Jänschwalde nach Westpolen zu Dorotas Spargelhof und weiter nach Guben.

Gleich der Anfang wird spektakulär. Da wo einst das Dorf Horno stand und der gleichnamige Berg aufragte, klafft heute der bis zu 95 Meter tiefe Tagebau Jänschwalde. Ringsherum führen nagelneue schmale Asphaltstraßen zum Aussichtpunkt Grießen. Der neue tschechische Eigentümer EHP der einstigen Vattenfall-Grube hat Ende März bekanntgegeben, das der Tagebau 2023 schließt und keine weiteren Dörfer abgebaggert werden.

Dann ist der Oder-Neiße-Radweg erreicht und eine der vielen Brückenruinen über die Neiße wird zu einer Art Notsteg für Fahrradtouristen. Hier am östlichen Ufer der Neiße soll ein noch größerer Braunkohletagebau praktisch die gesamte Kulturlandschaft in Westpolen zwischen Gubin und Brody verschlingen. Noch ist der Kampf gegen den neuen Tagebau nicht gewonnen.

Dorota Schewior ist eine der Kämpferinnen gegen den Tagebau. Ihr Hof würde zusammen mit 60 Dörfern in einer bis zu 140 Meter tiefen Braunkohlegrube verschwinden, die Abraumhalden bis zu 70 Meter hoch. Und damit auch die seit Jahrhunderten gewachsene liebliche Kulturlandschaft östlich der Neiße mit verwunschenen Schlössern wie in Luboszyce (Liebesitz). Wie friedlich und schön sind gegen die gigantische Landschaftszerstörung durch Braunkohlebagger doch moderne Windkraftanlagen und Hybridkraftwerke als preiswerte Speicher.

Noch ist das kleine Paradies von Dorota in Wielotów unversehrt. Der erste frische Spargel des Jahres wartet in ihrem Gartencafé, bevor es ins überraschende Gubin mit seiner riesigen Stadtkirchenruine und zurück zum Bahnhof in Guben geht.

 

Einfach anmelden - und Dorotas Spargelhof erleben!

 

Hintergrund