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Go East: Goldschatz, Saloon und Burg

Berlin, 18. April 2017 [zuletzt geändert am 21.04.17 um 19:30 Uhr]

Ostbrandenburg braucht kein Nessi und keinen Nazi-Goldzug zu erfinden. Hier gibt es alles in der Realität: Großartige Natur, Gold und Wild-East bis zum endlosen Horizont. Außer sagen wir mal richtigen Tourismus. Das könnte sich jetzt ändern. Am Samstag, 22. April 2017 verrät Benno Koch die spannendsten Entdeckungen zwischen dem Berliner Stadtrand und den Oderhängen.

Als The Buchholz Saloon 2015 eröffnet wurde, traute ich meinen Augen kaum. Hatte ich was verpasst? "Der Buchholz Saloon ist einer von sehr wenigen im Original erhalten Saloons. Die Bauweise und der Baustil wurden von deutschen Auswanderern im 19. Jahrhundert nach Amerika gebracht, wo sie später durch Westernfilme berühmt wurde", behauptet der Saloonwirt Holger Wortha. Natürlich ist das komplett gelogen.

In der Realität ist Worthas Saloon ein wahr gewordener authentischer Traum. Und der Mann selbst ein perfekter Gastgeber. Natürlich gibt es hier richtigen Brandenburger Whiskey aus dem Spreewald, der Mittelmark und der Uckermark, ausgesuchten Wein aus Werder, Manufaktur-Schokolade aus dem Fläming und außergewöhnlichen Kaffee aus Strausberg. Der besondere Kick: Der Kaffeeröster Coffeepolitan verschließt den selbst gerösteten Kaffee sofort nach der Röstung in luftdichten Verpackungen mit einem Extra-Reservoir und bewahrt so auch die sonst bei der Abkühlung normalerweise verloren gehenden Aromen. Und den Unterschied schmeckt man tatsächlich.

Eine ebenso unglaubliche Geschichte ist die Wiederauferstehung des Schlossbezirks Altlandsberg. Und als ob das inzwischen wiedereröffnete Brau- und Brennhaus mit selbstgebrauten Altlandsberger Bier noch nicht reicht, werden hier am 7. November 2016 zufällig von einem portugiesischen Baggerfahrer 7.450 Gold- und Silbermünzen aus dem 14. und 15. Jahrhundert gefunden. Es ist der größte je in Brandenburg entdeckte Goldschatz.

Eigentlich hatten die Archäologen ihre Arbeit an dieser Hoffläche vor dem Brau- und Brennhaus längst abgeschlossen. Und es sollte nur noch der Boden für den Einbau der Pflastersteine sanft mit dem Bagger glatt gezogen werden als plötzlich die Münzen in einem Tongefäß ganz leicht touchiert wurden. Ein ein weiterer Treppenwitz der Goldsuche: Ausgerechnet Christel Focken stammt aus Altlandsberg. Doch nicht hier, sondern im polnischen Waldenburg (Wałbrzych) hat die Frau im vergangenen Jahr Schlagzeilen gemacht, als sie dort einen Nazi-Goldzug nahe des mystischen Schloss Książ (Schloss Fürstenstein) vermutete. Oder auch nur einen alten Tunnel mit einem Panzerzug. Gefunden hat sie dort bekanntlich nichts.

Am Ende dieser rund 60 Kilometer kurzen Radtour liegt die Carlsburg. Eigentlich ist auch hier nichts wie es scheint: Eine Burg gab es nie. Vor fast 200 Jahren wurde hier ein Jagdschlösschen errichtet und kurz darauf in eine Gastwirtschaft verwandelt. Heute ist das Restaurant auf dem 100 Meter hohen Paschenberg vielleicht das mit dem spektakulärsten Ausblick in ganz Brandenburg.

Doch auch unterwegs gibt es entlang der Strecke mehr zu entdecken als es der spärliche Tourismus hier in Ostbrandenburg vermuten lässt. Gleich im Scheunenviertel Altlandsberg ist die neue Kräuter Lounge von Christine und Axel Wandke zu finden. Mit großem Engagement wurde hier in den vergangenen drei Jahren aus einer heruntergekommenen Gärtnerei ein einzigartiger Ort für Kenner frischer Kräuter. Mehr als 350 verschiedene sollen es sein und die Geschichten dazu sind oft nahezu unglaublich. Natürlich sind die Betreiber außerordentlich engagierte und perfekte Gastgeber, wie man sie in Brandenburg in dieser Form wohl nicht noch einmal findet.

Natürlich führt diese Radtour durch den verwunschenen Gamengrund. Am Ende der Eiszeitrinne liegt das alte Zollhaus Werftpfuhl. Und auch wenn es nur eine Randnotiz ist: In dem noch heute existierenden Johannaheim neben dem Zollhaus ging die 1906 geborene Brigitte Helm zur Schule, bevor sie in Fritz Langs Metropolis in den Jahren 1925 bis 1925 die Hauptrolle spielte. Heute ist der Stummfilm das erste Weltdokumentenerbe der UNESCO überhaupt.

Dass es dann irgendwann auf dieser Radtour direkt auf die Milchstraße geht, versteht sich von selbst. Diesmal endet diese ganz bodenständig an einer Milchtankstelle in Dannenberg. Und gleich dahinter geht es am Wasserfall Cöthen und der Carlsburg vorbei ins Odertal.

 

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