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Der neue Havel-Radweg durch Berlin

Berlin, 01. Juni 2017 [zuletzt geändert am 03.06.17 um 23:00 Uhr]

"Zu Ihrer Suchanfrage ,Havel-Radweg' konnte leider kein Ergebnis gefunden werden", heißt es auf der offiziellen Website der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin. Das Thema Fahrradverkehr ist in dieser Stadt zum Desaster verkommen. Dabei gab es in den vergangenen Monaten viele gute Nachrichten. Eine davon: Der Havel-Radweg durch Berlin ist auf weiten Abschnitten neu asphaltiert worden. Am Montag, 5. Juni 2017 verrät Benno Koch die grünsten Wege durch Berlin bis zum Stadtschloss Potsdam.

Gerade einmal 25 Kilometer misst der Havel-Radweg quer durch Berlin. Im Norden beginnt er an der Spandauer Bürgerablage und endet im Süden in Kladow. Nimmt man die offizielle Eröffnung des Radweges Berlin-Kopenhagen - der von Spandau bis zur Havelquelle praktisch deckungsgleich mit dem Havel-Radweg ist - am 28. April 2001 zum Maßstab, dauert der Bau des Havel-Radweges nun bereits mehr als 16 Jahre. Entgegen aller Sonntagsreden im Deutschen Bundestag und anderswo, bekommen der Fahrradverkehr und überregionale Radfernwege in Deutschland noch immer keine gleichberechtigte Förderung.

Diese rund 40 Kilometer kurze Radtour beginnt in der Altstadt Spandau und führt zum Stadtschloss Potsdam. Hier wurden in den vergangenen Monaten fast alle Abschnitte des Havel-Radweges vollkommen neu asphaltiert worden. Ausnahme: Alle straßenbegleitenden Radwege und der Bereich um den Gutspark Neukladow.

Besonders positiv hat sich der Bereich am Havelufer der Altstadt Spandau entwickelt. Vom Kolk geht es nun bestens asphaltiert und vor allem legal zum Lindenufer und weiter bis zum Schifffahrtsufer. Obwohl das Lindenufer bereits 2006 bestens ausgebaut wurde, hatte das Grünflächenamt Spandau zehn Jahre lang versucht hier das Rad fahren zu verhindern. Jetzt sind die Verbotsschilder weg - und alles ist ganz friedlich.

Auch der Abschnitt am Schifffahrtsufer ist eine Augenweide geworden. Hier wo bisher nur Trampelpfade für niemanden attraktiv waren, hat sich die neu asphaltierte Uferpromenade zum neuen Treffpunkt am Wasser entwickelt.

Trotzdem kann es das zuständige Grünflächenamt Spandau nicht lassen, Radfahrer zu belehren und zu schikanieren. Der Havel-Radweg wurde mit Geldern aus dem Haushaltstitel Fahrradverkehr des Landes Berlin und anderen Fördergeldern für den Fahrradtourismus ausgebaut. Vor Ort belehren trotzdem alle paar Meter Schilder, dass Radfahrer hier irgendwie eigentlich nur geduldet seien. Ist Berlin wirklich unfähig richtige Radfernwege zu bauen? Neu hinzugekommen sind zudem Fahrradverbotsschilder zum Beispiel am nördlich gelegenen Altsdtadthafen Spandau und an mehreren Parallelwegen. So viele Fahrradverbotsschilder wie in Spandau gibt es sonst in ganz Berlin nicht.

Bis zur scharfen Lanke holpert sich der Havel-Radweg auf einem nicht ausgebauten Abschnitt durch, bis es kurz dahinter wieder beschaulich, grün und bestens asphaltiert zurück ans Havelufer geht.

Wer möchte, kann hier einen der schönsten Abstecher unternehmen: Mit dem 87,6 Meter hohen unverbauten Hahneberg präsentiert sich etwas abseits einer der schönsten Aussichtspunkte Berlins - auf der kurzen Steigung ist Schieben natürlich erlaubt.

Im Ortskern Gatow wird der Havel-Radweg zum straßenbegleitenden Radweg. Die ersten Abschnitte sind bereits ausgebaut und neu asphaltiert. Die Qualität schwankt aber auch von bestens eben geschnittenen Kopfsteinpflaster am Abzweig zurück zur Havel und der eben dort fehlenden Bordabsenkung des Radweges, um die stark befahrene Hauptstraße überhaupt queren zu können.

Eine schöne Alternative zur Hauptstraße, ist ein Abstecher zur wieder aufgebauten Bockwindmühle aus dem Jahre 1810. Sie ist eine von insgesamt sechs an ihren ursprünglichen Standorten existierenden historischen Windmühlen im heutigen Berliner Stadtgebiet. Um das Jahr 1860 soll es in Berlin und seinen damals noch selbständigen Dörfern rund 150 Windmühlen gegeben haben. Die heutige Gatower Mühle ist aus den Resten einer 225 Jahre alten Mühle der Stadt Wriezen neu entstanden und wurde im September 2008 offiziell eröffnet.

Bis zum Fährhafen Alt-Kladow ist der neue Havel-Radweg wieder wie aus dem Bilderbuch asphaltiert. Nur die letzten Meter rund um den alten Gutshof fehlen noch. Von hier transportiert die neue BVG-Fähre einmal pro Stunde 60 Fahrräder von Alt-Kladow nach Wannsee.

Doch diese Radtour läuft jetzt noch einmal zur Hochform auf: Durch die Wälder geht es von Berlin nach Brandenburg, vorbei an Schloss, Kirche und Park Sacrow und weiter über Neu Fahrland am Ufer des Jungfernsees zum Neuen Garten. In diesem Abschnitt ist der Berliner Mauerweg direkt am Ufer vollkommen neu und schön gebaut worden. Und dann taucht das wiederentstandene Stadtschloss Potsdam am Horizont auf, wo sich manchmal sogar noch der Alte Fritz blicken lassen soll.

Diese Radtour ist nicht nur ein kleiner Bildungsurlaub für Radverkehrsplaner quer durch Berlin, sondern vor allem ein schöner Ausflug für Rad fahrende Genießer.

 

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