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UNESCO-Weltnaturerbe Grumsin

Berlin, 12. Oktober 2017 [zuletzt geändert am 13.10.17 um 21:30 Uhr]

Mitten im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin gibt es noch mal eine Steigerung vom Inbegriff einzigartiger Natur. Die UNESCO erklärte vor sechs Jahren die Buchenwälder des Grumsin zum Weltnaturerbe. Seitdem entwickelt sich das zarte Pflänzchen Tourismus hier vielleicht einen Hauch kräftiger als zuvor. Am Sonntag, 15. Oktober 2017 verrät Benno Koch die farbenfrohsten Wege zwischen tiefen Wäldern und offenen Feldern.

Die Region ist der Inbegriff von Macht, Jagd und einzigartiger Natur. Als hier im Herbst 1898 Kaiser Wilhelm II. erstmals aus dem Zug stieg, um in der Schorfheide auf Jagd zu gehen, bekam der Mythos ein Gesicht. Das Ensemble im norwegischen Landhausstil ist heute Brandenburgs schönster Bahnhof. Wie in einem Märchen präsentiert sich der perfekt sanierte Kaiserbahnhof einsam inmitten scheinbar endloser Wälder.

Diese Radtour startet am Kaiserbahnhof Joachimsthal und führt auf 40 Kilometern durch den Grumsin nach Angermünde. Während der Kaiser vor bald 120 Jahren von hier mit seiner Kutsche zum zehn Kilometer südwestlich am Werbellinsee gelegenen Jagdschloss Hubertusstock aufbrach, liegt das neue Juwel Grumsin heute zehn Kilometer nordöstlich hinter dem Grimnitzsee.

Der Radweg Tour Brandenburg führt hier bestens asphaltiert unter alten Buchen am Seeufer entlang. Unterhalb eines Hügels hat sich unmittelbar neben dem Radweg eine Silberreiher-Kolonie angesiedelt - ein Paradies auch für Birdwatcher. Und mal so unter uns: Die Szenerie hier außerhalb des UNESCO-Reservats Grumsin ist fast noch schöner als im Totalreservat. Das muss aber unter uns bleiben.

In Althüttendorf wird es dann noch mystischer: Die Germanischen Schicksalsgöttinnen Urd (Schicksal), Verdandi (Werdend) und Skuld (Schuld) ziehen ihre unsichtbaren Fäden mitten über den Dorfplatz.

Auf dem Weg nach Altkünkendorf folgen ein paar rumplige Straßen. Noch holpriger führen ein paar alte Feldsteinstraßen in den Grumsin hinein. Die wenigen Naturliebhaber kommen daher meist mit dem Auto - Radfahren ist ihnen zu anstrengend. 1661 begann hier der Bau eines ersten Wildzaunes. Das was heute als besonders naturnah empfunden wird, war über Jahrhunderte ein planmäßig angelegtes Jagdgebiet mit Zaunsetzerstellen, Vorwerk, Meierei und Försterei.

Die Rumpelstrecke ist nur kurz. In Altkünkendorf hat im Oktober 2015 im alten Speicher die Brennerei Grumsin eröffnet. Immer sonntags kann man sich hier vom schlichten Korn über den Scheurebe Brand bis zur hochprozentigen Birne, Kirsche und natürlich Quitte durch alles trinken, was die verlassenen Streuobstwiesen der Umgebung so hergeben. Muss man aber nicht: Kaffee und Kuchen und nur mal gucken ist auch erlaubt.

Kurz vor Wolletz ist wieder der hier bestens ausgebaute Radweg Berlin-Usedom erreicht. Die alten Wälder und klaren Seen sind kaum vom Grumsin zu unterscheiden. Und einsam ist es hier sowieso.

Und mitten in dieser Einsamkeit ist ein alter Dorfkonsum zu neuem Leben erwacht. Mit viel Engagement wird hier möglich gemacht, was woanders unmöglich scheint. Natürlich werden auch die Burger selbst gemacht. Nicht nur die Patties. Gehen die Zutaten zur Neige, wird der Jäger losgeschickt und ein im Biosphärenreservat biologisch-dynamisch aufgewachsenes Wildschwein zur Strecke gebracht.

Und die Liste der einsamen Perlen lässt sich noch erweitern: Etwas nördlich ist der Lennépark von Görlsdorf eine soeben wiederentdeckte Perle. Auf anderthalb Kilometern schlängelt sich im Tal der Welse ein mit viel Liebe zum Detail wieder herausgearbeiteter Landschaftspark an den Fundamenten des 1945 abgebrannten Schloss Görlsdorf vorbei in den Tiergarten.

Etwas südlich davon macht seit Anfang 2015 Sarah Wiener mit einem neuen Projekt auf sich aufmerksam. Das Hofgut Kerkow sieht nicht so idyllisch aus. Der Charme der einstigen LPG lässt sich nicht leugnen. Aber mit ökologischer Landwirtschaft soll hier einiges besser gemacht werden.

Dann folgt das großartige Finale am Ufer des Mündsees mit der gegenüberliegenden mittelalterlichen Silhouette Angermündes. Und hier kann zum Abschluss ein nettes Restaurant liegen.

 

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