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ÖPNV und Tourismus
Hans-Werner Franz (VBB)

Erste IHK Fachtagung zur besseren Vernetzung von ÖPNV und Tourismus

Berlin, 29. Januar 2009

In Potsdam tagten 230 Tourismus- und Verkehrsfachleute - und Fahrradtourismus ist das Top-Thema in Brandenburg

"Welche Aktivitäten haben sie während ihres Aufenthalts bereits ausgeübt?", fragte die Tourismus Marketing Brandenburg (TMB) die Übernachtungsgäste im Land im Jahr 2007. "Fahrrad fahren" steht mit 17 Prozent an erster Stelle vor "Baden/Schwimmen" mit 14 Prozent und dem weit abgeschlagenen "Wassersport" mit 5 Prozent.

Auch wenn die neue Reihenfolge erstmals seit der ITB 2004 und der damaligen "Studie zum Ausflugsverhalten der Berliner" (TMB/FU Berlin) klar wurde, ist das Ergebnis für manche Entscheidungsträger noch immer überraschend.

Beispiel Radweg Berlin-Usedom für Erfolgsgeschiche Fahrradtourismus

Wie stark der Wandel tatsächlich ist, wurde im Vortrag von Dirk Protzmann deutlich - der Mann ist Amtsleiter in der Schorfheidestadt Joachimsthal. Durch sein Amt ginge ja der Radweg Berlin-Usedom. Und wenn jetzt schon die Hoteliers und Gastronomen in der Region sagen, das letzte Jahr sei gar nicht so schlecht gewesen, muss es schon ziemlich gut gewesen sein. Sehenswürdigkeiten wie der Kaiserbahnhof und das Biorama haben 2008 fast 60.000 Besucher angezogen - 2006 waren es noch weniger als 40.000 Touristen.

Erreichbarkeit der Tourismusregionen mit dem ÖPNV verbessern

Dass Protzmann seinen Vortrag gemeinsam mit Jörg Kiehn von der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) hielt, ist nicht selbstverständlich. Doch gerade die bessere Verbindung von ÖPNV und Tourismus soll Brandenburg neue Impulse geben. Und Protzmann fordert hierfür ein deutliches Bekenntnis der Landesregierung ein: "Es war eine politische Entscheidung Anfang der 1990er Jahre die Region als Biosphärenreservat touristisch zu entwickeln und nicht industriell, obwohl wir genügend Investoren hatten."

So sollte die touristisch interessante Bahnlinie von Eberswalde über Joachimsthal nach Templin 2006 stillgelegt werden. Erst massive Proteste konnten den Abschnitt Eberswalde-Joachimsthal retten. Der Fahrgastrückgang durch die Kappung der Bahn nach Templin konnte 2008 durch ungewöhnliches Marketing und zahlreiche Veranstaltungen gestoppt werden. In den Sommermonaten Juli und August stieg die Zahl der Fahrgäste von knapp 11.000 auf fast 14.000 pro Monat.

Standortvorteil ÖPNV nutzen und Bahnhöfe zum Aushängeschild für den Tourismus machen

Am stärksten forderte der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, die Politik zum Umdenken auf. Weite Teile der Politik hätten den entscheidenden Standortvorteil eines funktionierenden ÖPNV noch nicht erkannt.

Seine Kritik richtete sich vor allem gegen die Vernachlässigung der kleinen Bahnhöfe, die bei den jährlich fälligen Stationsgebühren von 20.000 bis 60.000 Euro zu einem Aushängeschild werden könnten - wenn die Gemeinden die Gebühren erhalten würden. Das Geld kassiert jedoch die DB Station&Service und die kümmere sich offensichtlich nur um die großen Bahnhöfe.

Nur 40 Prozent der Tourismusunternehmen schätzen die Erreichbarkeit ihrer Destination mit Bus und Bahn als gut ein

Das Interesse der Tourismusunternehmen an einer besseren Vernetzung mit dem ÖPNV scheint gestiegen zu sein. In einer Umfrage der IHK Brandenburg im Winter 2008 gaben die 250 befragten Unternehmen an, fast 50 Prozent ihrer Gäste nutzten zur Anreise den ÖPNV - und ein Drittel erwartet mehr Touristen bei einem besseren ÖPNV-Angebot. Nur rund 40 Prozent der befragten Hoteliers und Gastronomen schätzen dabei die Erreichbarkeit ihrer Destination mit dem ÖPNV als gut ein. Als größtes Defizit wird mit fast zwei Dritteln eine fehlende Busverbindung genannt - an den Wochenenden verkehren in Brandenburg fast keine Busse mehr.

VBB bietet Hotels kostenlose Informationen zur Anreise mit Bus und Bahn an

Die Ergebnisse sind umso interessanter, wenn man sich die Websites und Hausprospekte vieler Hotels ansieht - während die Anreise mit dem Pkw oder gar dem Flieger detailliert beschrieben wird, werden bestehende Bahnverbindungen oft verschwiegen oder falsch dargestellt. Der VBB bietet daher allen Tourismusunternehmen an, entsprechende Informationen kostenlos zur Verfügung zu stellen.

50 Prozent der Berliner Haushalte besitzen kein Auto

Und warum ist der ÖPNV für den Tourismus in Brandenburg so wichtig? Klar, 84 Prozent derjenigen die heute mit dem Auto anreisen haben Angst vor steigenden Spritkosten, wie die IHK in ihrer Umfrage herausfand. Aber vor allem besitzen 50 Prozent der Berliner Haushalte gar kein Auto - und mittendrin gelegen ist die Bundeshauptstadt Berlin auch weiterhin die touristische Hauptzielgruppe Brandenburgs.

Bereits während der Fachtagung kamen Anfragen von zwei weiteren Bundesländern für die nächsten Veranstaltungen - noch ist "ÖPNV und Tourismus" nämlich kaum ein Thema, nur rund 1.300 Treffer fand die Suchmaschine Google vor der Tagung.

Das Thema für die nächste IHK-Veranstaltung in Brandenburg steht jedenfalls schon fest: Fahrradmitnahme im Busverkehr! Die wenigen auch am Wochenende in Brandenburg verkehrende Busunternehmen tun sich noch immer schwer mit Fahrradtouristen - selbst wenn der Bus leer ist. Der dauerhafte Busersatzverkehr zwischen Fürstenwalde - Bad Saarow und Beeskow ist eines der Negativbeispiele, die meisten Schienenersatzverkehre von DB Regio in Berlin-Brandenburg sind es leider auch ...

Hintergrund

- mehr Infos zur Veranstaltung bei der IHK Potsdam unter www.potsdam.ihk24.de nachlesen

- Pressemitteilung des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg zur Veranstaltung unter www.vbbonline.de nachlesen