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Schneeräumung auf Berlins
Radwegen mangehaft

Winter in Berlin - Schneeräumung auf Radwegen mangelhaft

Berlin, 6. Januar 2009

Nicht benutzungspflichtig, weil nicht benutzbar: 40 Kilometer Radwege und Radspuren zwischen Berlins Mitte und Hönow getestet

Eigentlich ist das Berliner Straßenreinigungsgesetz besser als die meisten Radfahrer es in diesen Tagen vermuten. Unter §1 heißt es zur Straßenreinigungspflicht: "... zu den zu reinigenden Oberflächen gehören insbesondere ... Radwege" - gleich an zweiter Stelle hinter den Fahrbahnen. Doch in der Realität sieht dies ein wenig anders aus ...

Berliner Straßenreinigungsgesetz verlangt Schneeräumung auf Radwegen

Im gleichen Paragrafen ist außerdem zu lesen: "Zur ordnungsgemäßen Reinigung gehört die Winterglätte- und Schneebekämpfung" - na also! Noch detallierter wird es unter §3 zum Thema Winterdienst: "... auf Radwegen darf Schnee und Eis nicht ... angehäuft werden" - doch dann folgt gleich die Einschränkung: "Mit Kehrmaschinen befahrbare ausgebaute Radwege werden vom Schnee geräumt. Eine Eisglätte- und Schneeglättebeseitigung findet nicht statt. Auf Radwegen dürfen keine scharfkantigen Streumittel verwendet werden." Aha! Also ganz zum Schluss kommt doch noch die doppelte Verneinung: nicht Streuen im Allgemeinen und auch nicht mit scharfkantigem Splitt im Besonderen!

Fahrbahnen der Hauptstraßen sind geräumt und mit Feuchtsalz abgestumpft problemlos befahrbar - auch mit dem Fahrrad

Der Schneefall liegt am heutigen Dienstag schon ein paar Tage hinter uns, die Fahrbahnen der Hauptstraßen sind schnee- und eisfrei - es wurde gut geräumt, Feuchtsalz als Auftaumittel ist im Straßenreinigungsgesetz ausdrücklich zugelassen "auch vorbeugend" und "bei extremer Glätte" auch als "Streckenstreuung".

Und wie sehen die Radverkehrsanlagen aus? Berlins Fahrradbeauftragter testete sie heute zwischen Kreuzberg, Tiergarten, Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Lichtenberg, Marzahn und Hellersdorf - wie viele andere Berliner auch, natürlich mit dem Fahrrad.

Radwege und Radspuren sind nicht oder nicht ausreichend geräumt und nicht sicher befahrbar

Einige der alten Radwege und der neuen Radspuren lassen durchaus die Spuren einer Kehrmaschine erkennen - von einer wirklichen Schneeräumung zu sprechen, ist jedoch übertrieben.

"Schnee und Eis gibt es in Berlin in den letzten Jahren zwar nur an wenigen Tagen", so Berlins Fahrradbeauftragter. "Trotzdem ist vor allem die mangelhafte Reinigung der inzwischen rund 100 Kilometern Radspuren auf den Fahrbahnen nicht akzeptabel."

Schnee und Eis bedeckte Radwege müssen nicht benutzt werden

Drei Viertel aller alten Radwege in Berlin sind auch im Sommer nicht mehr benutzungspflichtig. Doch auch der Rest muss nicht benutzt werden, wenn er nicht benutzbar ist - nicht vom Schnee geräumte oder spiegelglatte Radwege gehören dazu.

"Die Benutzung der normalen Fahrbahn ist in den meisten Fällen also nicht nur erlaubt, sondern vor allem sicherer", so Koch. "Leider scheinen dies einige Autofahrer nicht zu wissen - obwohl die Aufhebung der allgemeinen Radwegbenutzungspflicht bereits seit 1998 in der Straßenverkehrsordnung geregelt ist."

Was Autofahrer und was Radfahrer beachten sollten

Ein paar einfache Regeln machen den Straßenverkehr sicherer und das Leben in einer Großstadt wie Berlin angenehmer. Gegenseitige Rücksichtnahme und die Erkenntnis, dass der jeweils andere auch nur ins Büro muss, machen uns allen das Leben leichter. Gegenseitige Belehrungen auf der Straße bewirken dagegen meist das Gegenteil - und können als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr strafbar sein ...

  • Autofahrer müssen einen seitlichen Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Meter beim Überholen von Radfahrern einhalten und dürfen diese nicht abdrängen und ausbremsen - zu dichtes Überholen ist der Hauptgrund, warum Radfahrer massenhaft illegal auf die Gehwege flüchten ...

  • Radfahrer dürfen linksseitige Radwege nicht benutzen - Rad fahren in der falschen Richtung ist die Hauptunfallursache für von Radfahrern selbst verursachte Fahrradunfälle, das Hauptärgernis für die anderen Radfahrer und wie im Jahr 2008 in Berlin-Köpenick für einen Rad fahrenden Geisterfahrer hin und wieder auch Ursache für tödliche Unfälle

  • Autofahrer dürfen Radfahrer nicht anhupen und belehren, zum Beispiel weil sie glauben ein Radweg sei benutzungspflichtig - im Regelfall sind Radwege nicht benutzungspflichtig, ansonsten ist die Verkehrsüberwachung Sache der Polizei

  • Radfahrer müssen bei Dunkelheit mit Licht fahren - es ist zwar eine seltene Unfallursache, aber einer der Hauptbeschwerdegründe über Radfahrer und trägt zu einem unnötigen Negativimage bei, vor allem auch bei den anderen Radfahrern in Berlins dunklen Ecken ...

  • Autofahrer müssen beim Türöffnen und Abbiegen den Schulterblick machen - Abbiegeunfälle sind die Hauptursachen für von Autofahrern verursachte Fahrradunfälle

  • Radfahrer dürfen Gehwege nicht benutzen - es ist der berechtigte Hauptbeschwerdegrund von Fußgängern über Radfahrer und an der nächsten Kreuzung im toten Winkel von Lkw für Radfahrer selbst oft lebensgefährlich

 

Die Liste der getesteten Radwege und Radspuren im Einzelnen ...

Beim Anklicken der einzelnen Namen der Straßen und Radwege können die jeweiligen Fotos oder der Gesamtüberblick in der Bildergalerie www.benno-koch.de angesehen werden:

  • Der Europaradweg R1 vor dem Roten Rathaus befindet sich unter einer dichten Schneedecke - die allerdings gestreut ist.

  • Der Angebotsstreifen auf der Wilhelmstraße ist - obwohl Teil der Fahrbahn - von vereisten Schneeresten überzogen.

  • Auf dem Radweg an der Ebertstraße haben sich die Radfahrer einen Trampelpfad durch den Schnee gebahnt - geräumt ist hier nicht.

  • Der Angebotsstraße auf der Straße des 17. Juni ist zwischen Brandenburger Tor und Yitzhak-Rabin-Straße völlig unter dem Schnee verschwunden - eine Reinigung hat hier auf dieser für Radfahrer wichtigsten Verbindung nicht stattgefunden.


  • Der Radstreifen auf der Heinrich-von-Gagern-Straße ist zu etwa zwei Drittel geräumt - bis zum Bordstein ist die Kehrmaschine jedoch nicht vorgedrungen.

  • Der bauliche Radweg an der Invalidenstraße vor dem Berliner Hauptbahnhof ist unter dem Schnee verschwunden - Radfahrer haben sich auch hier eine schmale Spur erkämpft.

  • Der anschließende Angebotsstreifen der Invalidenstraße ist unter dreckigen, gefrorenen Schneeresten der Fahrbahn verschwunden - eine Reinigung ist nicht erkennbar.

  • Der neue Radweg an der Bernauer Straße ist etwa auf der Hälfte der Strecke geräumt und spiegelglatt - eine Benutzung mit Spikesreifen ist vermutlich ungefährlich. Die andere Hälfte ist der bekannte Trampelpfad ...

  • Der Radweg an der Schönhauser Allee ist auch am heutigen Tag stark von Radfahrer genutzt - ein holpriger Trampelpfad ist das Angebot, eine Schneereinigung hat nicht ausreichend stattgefunden. Interessant hier - der benachbarte Gehweg ist nahezu vollständig schnee- und eisfrei. Eine Reinigung scheint also möglich!

  • Die Radspur auf der Karl-Marx-Allee ist vollständig unter Schnee verschwunden und unbefahrbar.

  • Der anschließende Radweg an der Frankfurter Allee ist glatt und holprig - die Benutzung der Fahrbahn ist sicherer.

  • Der Radweg an der Bundesstraße B5 in Höhe Alt-Friedrichsfelde hat in diesem Jahr noch keine Kehrmaschine gesehen.

  • Die weder geräumte oder gestreute Grünverbindung auf dem Wuhleweg ist erstaunlich gut und sicher befahrbar.

  • Die anschließende Cecilienstraße mit dem neuen Radfahrstreifen ist fast vollständig geräumt - die Räumung von Spuren auf der Fahrbahn ist ja eigentlich das kleinste Problem ...